Oliver Zeidler im Interview

News

Interview mit Oliver Zeidler

Deloitte Tax-Professional, Student und WM-Ruderer: Oliver Zeidler gibt Einblicke in sein Zeitmanagement

Nach nicht mal zwei Jahren Training schon bei einer Weltmeisterschaft um Gold rudern? Klingt für viele unmöglich, für Oliver Zeidler ist es Realität. Der 22-jährige Newcomer hat in der letzten Saison mit drei Medaillen bei den Weltcup-Rennen überzeugt und bei der Ruder-WM 2018 in Plovdiv, Bulgarien, den sechsten Platz belegt. "Großer Mann mit großen Zielen", so nannte ihn eine Sportreporterin vom ZDF im letzten Jahr. Die ZDF SPORTreportage über ihn und seine Ruderkarriere finden Sie auf der ZDF-Website.

Mit den Deutschen Kleinbootmeisterschaften (DKBM) am vergangenen Wochenende (12.-14. April 2019) wurde auf dem Fühlinger See in Köln die vorolympische Saison eingeläutet. Unser Kollege Oliver Zeidler war mit dabei und ruderte sich im Ruder-Einer an die Spitze. Als deutscher Meister ist er seinem großen Ziel einen Schritt näher: im Männer-Einer bei der Ruder-WM 2019 eine Medaille zu gewinnen und sich für die Olympischen Spiele in Tokio 2020 zu nominieren.

Olivers bisherige Leistungen ließen ihn auf einen Sieg hoffen: „Beim letzten Ausscheidungsrennen in Hamburg konnte ich mich bereits klar gegen meine Konkurrenten durchsetzen. Mein Ziel für Köln war es, mindestens eine ähnliche Leistung zu zeigen und deutscher Meister zu werden. Heute habe ich dieses Ziel erreicht und den Abstand von Hamburg halten können.“

Aus dem Wasser auf das Wasser
Erfahrungen mit Wettkämpfen sammelte Oliver bereits als erfolgreicher Leistungsschwimmer: Er wurde mehrfacher deutscher Meister und brachte viele Medaillen nach Hause. 2017 wechselte er aus dem Wasser auf das Wasser und steigt seitdem für den DRC Ingolstadt ins Ruderboot.

Wenn er nicht in seinem Ruderboot sitzt, geht Oliver seinem dualen Studium bei Deloitte nach. Bei Tax & Legal in München legt er seinen Fokus auf Global Employer Services, also auf die Besteuerung von internationalen Mitarbeiterentsendungen. Mit uns hat er über seine Leidenschaft zum Rudern, seine Wettkampfvorbereitungen und die Parallelen zwischen Arbeit und Sport gesprochen:



Oliver, wie bist du zum Rudern gekommen?

Ich war in meiner Kindheit und Jugend lange Zeit erfolgreicher Schwimmer. Als sich das Team in München dann zunehmend aufgelöst hat, habe ich nach einer neuen Sportart gesucht. Dass meine Entscheidung auf das Rudern fiel, ist dabei eigentlich keine große Überraschung: Mein Großvater und meine Tante sind Olympiasieger im Rudern, meine Eltern haben sich auf einer Regatta kennengelernt und meine Schwester ist auch eine erfolgreiche Ruderin. Uns liegt das wohl irgendwie im Blut. Dass ich in diesen eineinhalb Jahren, in denen ich nun intensiv trainiere, aber so schnell so weit kommen würde, damit habe ich nicht gerechnet.

Job, Studium und eine Ruderkarriere – wie passt das für dich zusammen?
Das Rudern fordert mich körperlich, die Arbeit im Steuerbereich bei Deloitte geistig. Das gleicht sich sehr gut aus. Wenn ich jetzt mehrere Monate hintereinander nur trainieren würde, würde mich das wahrscheinlich auf Dauer verrückt machen. Nur Leistungssportler zu sein, könnte ich mir nicht vorstellen. Wäre aber auch schwierig. Rudern ist eben doch eine Randsportart. Wir Ruderer machen das alle, weil es uns Spaß macht und weil wir uns in den Sport verliebt haben. Das ist es, was mich antreibt.

Was lernst du durch das Rudern, was sich auch gut auf die Arbeit übertragen lässt?
Sowohl beim Sport als auch in der Arbeit ist es wichtig, sich immer wieder neu zu motivieren. Ein weiterer Punkt ist das Thema Zeitmanagement. Dadurch, dass ich Arbeit und Sport unter einen Hut bringen muss, weiß ich, wie ich meine Zeit effektiv einteilen und nutzen kann. Das ist im Job durchaus von Vorteil. Außerdem fördern und fordern sowohl das Rudern als auch der Job Ausdauer und Durchhaltevermögen. So ein Ruderrennen dauert mindestens sechseinhalb Minuten und eigentlich tut’s schon nach der ersten Minute weh. Wenn die Beine brennen, muss man die Zähne zusammenbeißen und sich zwingen, einfach weiterzumachen. Und ist man dann im Ziel angekommen, vergisst man die Schmerzen und übrig bleiben nur noch die Glücksgefühle.

Nun ist einige Zeit seit der Ruder-WM 2018 verstrichen. Wie blickst du auf das Finale in Plovdiv zurück?
Die größte Herausforderung war auf jeden Fall der Wind. Erst sollte das Rennen verschoben werden. Kurze Zeit später hieß es, dass es doch nach Zeitplan stattfindet. Das war für alle wie ein Psychothriller. Schon vor dem Startschuss hatte ich Probleme mit dem Wind und bin nach dem zehnten Schlag schon in die Leine gefahren. Aber das ist auch dem damals amtierenden Weltmeister passiert. Also lagen die beiden Favoriten schon nach 200 Metern hinten. Mein Boot ist dabei kurz zum Stillstand gekommen und ich musste fürs erneute Anfahren extrem viel Kraft aufbringen. Diese Kraft fehlte mir dann hinten raus. Für solche Bedingungen bin ich einfach zu sehr Anfänger. Nach dem Rennen war die Enttäuschung schon sehr groß. Vor allem, weil ich vorher zu hundert Prozent darauf eingestellt war, wie ich das Rennen gestalten möchte. Aber es gab während der WM viele schwierige Rennen aufgrund der Wetterbedingungen.

Hast du nach dem Finale mal überlegt, ob du das Rudern wieder an den Nagel hängst?
Am Anfang war die Niederlage echt hart. Aber ich habe mich mit vielen erfahrenen Ruderern ausgetauscht. Bei allen, die richtig erfolgreich waren, gab es immer irgendeinen Rückschlag. Danach haben sie sich aber wieder aufgerafft und sind zu den Weltbesten geworden. Und da will ich auch hin. Vor allem möchte ich an einem schlechten Tag oder bei ungünstigem Wetter das Rennen trotzdem gewinnen.

Was nimmst du aufgrund der Erfahrungen persönlich für dich mit?
Insgesamt nehme ich extrem viel Motivation mit, mich weiterzuentwickeln und noch besser zu werden. Genau wie in der Arbeit, wenn ein Projekt nicht klappt, kündigt man nicht einfach und orientiert sich um. Man stößt immer wieder auf Hindernisse und muss lernen, sie zu meistern. Da sind Durchhaltevermögen und Ehrgeiz gefragt. Davon habe ich genug, genauso, wie den Willen weiterzumachen. Ich muss jetzt analysieren, wo meine technischen Defizite liegen, damit das nächste WM-Finale besser wird. Und auch wenn ich keine WM-Medaille gewinnen konnte, bin ich super happy mit der Saison. Ich war immer vorne dabei und habe es immerhin ins WM-Finale geschafft. Der Sieg wäre natürlich das i-Tüpfelchen gewesen, aber ich denke, ich habe mich mit meiner bisherigen Karriere gut in der Weltspitze etabliert. Man kennt mich jetzt auf jeden Fall. Und die Zeit in Plovdiv war trotzdem super aufregend.

Was war dein persönliches Highlight in Plovdiv?

Ich habe viele inspirierende Leute kennengelernt. Auf der Abschiedsparty hat mir zum Beispiel Ondrej Synek, der mehrfache Weltmeister im Einer-Rudern, im Gespräch mit anderen einen Arm umgelegt und meinte, dass ich die Zukunft des Einer-Ruderns sei. Ich solle damit aber bitte noch warten, bis er 2020 seine Karriere beendet. Zudem sind einige Leute, unter anderem auch jüngere Athleten, auf mich zugekommen und haben mir gesagt, wie inspirierend meine bisherigen Erfolge für sie sind. Das macht mich stolzer als jede Medaille, die ich gewinnen kann.

 

Wir drücken Oliver für seine kommenden Rennen die Daumen. Ob sein Traum von Tokio 2020 in Erfüllung geht, lesen Sie hier in Kürze.  

 
Oliver Zeidler Deloitte

Fanden Sie diese Information hilfreich?