Oliver Zeidler im Interview

News

Interview mit Oliver Zeidler

Deloitte Tax-Professional, Student und WM-Ruderer: Oliver Zeidler gibt Einblicke in sein Zeitmanagement

Nach nicht mal zwei Jahren Training schon bei einer Weltmeisterschaft um Gold rudern? Klingt für viele unmöglich, für Oliver Zeidler ist es Realität. Der 22-jährige Newcomer hat in dieser Saison mit drei Medaillen bei allen drei Weltcup-Rennen überzeugt und sich mit dem Weltcup-Gesamtsieg in Luzern für die Ruder-WM 2018 in Plovdiv, Bulgarien, qualifiziert. 

"Großer Mann mit großen Zielen", so nennt ihn eine Sportreporterin vom ZDF. Die ZDF SPORTreportage über ihn und seine Ruderkarriere finden Sie auf der ZDF-Website

Erfahrungen mit Wettkämpfen sammelte Oliver bereits als erfolgreicher Leistungsschwimmer: Er wurde mehrfacher deutscher Meister und brachte viele Medaillen nach Hause. 2017 wechselte er aus dem Wasser auf das Wasser und steigt seitdem für den DRC Ingolstadt ins Ruderboot. Sein jetziges Ziel ist es, im Männer-Einer bei der Ruder-WM im September eine Medaille zu gewinnen und 2019 für die Olympischen Spiele in Tokio 2020 nominiert zu werden. 

Wenn er nicht in seinem Ruderboot sitzt, geht Oliver seinem dualen Studium bei Deloitte nach. Bei Tax & Legal in München legt er seinen Fokus auf Global Employer Services, also auf die Besteuerung von internationalen Mitarbeiterentsendungen. Mit uns hat er über seine Leidenschaft zum Rudern, seine Wettkampfvorbereitungen und die Parallelen zwischen Arbeit und Sport gesprochen.

 

Oliver, wie bist du zum Rudern gekommen? 
Ich war in meiner Kindheit und Jugend lange Zeit erfolgreicher Schwimmer. Als sich das Team in München dann zunehmend aufgelöst hat, habe ich nach einer neuen Sportart gesucht. Dass meine Entscheidung auf das Rudern fiel, ist dabei eigentlich keine große Überraschung: Mein Großvater und meine Tante sind Olympiasieger im Rudern, meine Eltern haben sich auf einer Regatta kennengelernt und meine Schwester ist auch eine erfolgreiche Ruderin. Uns liegt das wohl irgendwie im Blut. Dass ich in diesen eineinhalb Jahren, in denen ich nun intensiv trainiere, aber so schnell so weit kommen würde, damit habe ich nicht gerechnet. 

Was ist für dich die größte Herausforderung bei der kommenden WM in Bulgarien?
Da ich erst seit Kurzem trainiere, bin ich natürlich noch nicht so erfahren wie ein Großteil der anderen Teilnehmer. Auf unruhigen Gewässer bin ich noch nicht so geübt. Sollte es in Bulgarien also während des Rennens stürmen, könnte das problematisch sein. Aber daran will ich eigentlich gar nicht denken. Ich bin sehr optimistisch und habe keine besonderen Ängste oder Bedenken.

Wie sehen deine aktuellen Vorbereitungen für die WM aus?
Der Vorteil beim Einer-Rudern ist, dass ich von niemandem abhängig bin und mir meine Trainingszeiten frei einteilen kann. Im Moment trainiere ich täglich immer vor und nach der Arbeit für je eineinhalb Stunden an der Regattastrecke in Oberschleißheim bei München. Je nach Wochentag kommt noch ab und zu Krafttraining dazu. Im Vergleich zu meinem sonstigen Training, ist meine WM-Vorbereitung auf jeden Fall nochmal intensiver und mein Körper erhält eine Sonderbehandlung. Da fallen aktuell auch Grillabende mit Freunden oder gemeinsame Feierabendbierchen aus. Ansonsten bekomme ich es aber ganz gut hin, dass ich auch Zeit mit Freunden verbringe – außerhalb von Arbeit, Uni und Sport.

Job, Studium und eine Ruderkarriere – wie passt das für dich zusammen?
Das Rudern fordert mich körperlich, die Arbeit im Steuerbereich bei Deloitte geistig. Das gleicht sich sehr gut aus. Wenn ich jetzt mehrere Monate hintereinander nur trainieren würde, würde mich das wahrscheinlich auf Dauer verrückt machen. Nur Leistungssportler zu sein, könnte ich mir nicht vorstellen. Wäre aber auch schwierig. Rudern ist eben doch eine Randsportart. Wir Ruderer machen das alle, weil es uns Spaß macht und weil wir uns in den Sport verliebt haben. Das ist es, was mich antreibt.

Was lernst du durch das Rudern, was sich auch gut auf die Arbeit übertragen lässt?
Sowohl beim Sport als auch in der Arbeit ist es wichtig, sich immer wieder neu zu motivieren. Ein weiterer Punkt ist das Thema Zeitmanagement. Dadurch, dass ich Arbeit und Sport unter einen Hut bringen muss, weiß ich, wie ich meine Zeit effektiv einteilen und nutzen kann. Das ist im Job durchaus von Vorteil. Außerdem fördern und fordern sowohl das Rudern als auch der Job Ausdauer und Durchhaltevermögen. So ein Ruderrennen dauert mindestens sechseinhalb Minuten und eigentlich tut’s schon nach der ersten Minute weh. Wenn die Beine brennen, muss man die Zähne zusammenbeißen und sich zwingen, einfach weiterzumachen. Und ist man dann im Ziel angekommen, vergisst man die Schmerzen und übrig bleiben nur noch die Glücksgefühle.

Die Ruder-Weltmeisterschaft ist am 9. September gestartet. Wir drücken Oliver auf jeden Fall beide Daumen für seine Rennen in Plovdiv. Was er vor Ort erlebt, lesen Sie in Kürze. 

Oliver Zeidler Deloitte

Fanden Sie diese Information hilfreich?