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Leader.Interview mit Kathrin Mischur

Wir haben uns mit Kathrin Mischur, CFO Prokuristin intersoft consulting services AG, über gezielte Frauenförderung und die Vereinbarkeit von Familie und Karriere unterhalten.

Sie sind studierte Wirtschaftsmathematikerin und haben lange Zeit in der Wirtschaftsprüfung gearbeitet – warum dieser Studiengang und was haben Sie aus der Zeit bei Deloitte mitnehmen können?

Der Studiengang Mathematik ist sehr theoretisch und zudem „männerlastig“ –  daher wollte ich eigentlich nicht direkt in diese Richtung gehen. Die Alternativen waren Maschinenbau und sogar Theologie. Aber Mathematik an sich liegt mir und schließlich habe ich mich dann für Wirtschaftsmathematik entschieden, weil ich dort die größten beruflichen Perspektiven gesehen habe.

Zwar war Finanzen  kein Bestandteil meines Studiums, dennoch hat mich die Wirtschaftsprüfung sehr interessiert. Für die Wirtschaftsprüfung sprach, dass man viele Einblicke in unterschiedliche Unternehmen gewinnen kann. Die Zeit bei Deloitte hat mir vor allem die Angst und die Unsicherheit im Umgang mit Vorständen und Geschäftsführern genommen. Ich habe Erfahrung gesammelt und gelernt, dass man zahlreiche berufliche Möglichkeiten hat: Man kann viel erreichen – wenn man möchte!

Haben Sie bei Deloitte Initiativen wie Leader.In vermisst?

Persönlich habe ich es nicht vermisst – bei Deloitte ist ja ein klarer Karriereweg vorhanden. Ein speziell auf Frauen ausgelegtes Programm stand daher für mich nicht im Vordergrund. Leader.In finde ich aber eine sehr gute Initiative, da sie helfen kann, den Karriereweg für Frauen zu ebnen. Für manche ist es jedoch nicht notwendig – ich habe mir meinen eigenen Weg gesucht, um Karriere und Familie zu verbinden. Für mich war klar, dass Familie irgendwann im Vordergrund stehen würde.

Welche Voraussetzungen sollte eine Frau mitbringen, wenn Sie in einer Position wie der Ihren arbeiten möchte?

Besonders wichtig ist das Erlernen der Grundlagen, insbesondere rechtliche und betriebswirtschaftliche, diese sind die Basis für alles andere. Ansonsten sollte man sich den Blick über den Tellerrand hinaus bewahren und keine Angst vor schweren Entscheidungen haben – gerade im Personalbereich. Darüber hinaus ist es essenziell, im Sinne des Unternehmens handeln zu können und auch Teamfähigkeit gewinnt immer mehr an Bedeutung. Mir persönlich ist der Spaß an der Arbeit sehr wichtig sowie der Austausch mit Kollegen – besonders mit Kolleginnen.

Welche Tipps geben Sie ambitionierten Frauen mit auf den Weg in Top-Management-Positionen?

Ich selbst habe keine Karriereplanung betrieben und bin froh darüber, wie alles gekommen ist, auch wenn es ohne Kinder sicherlich anders gewesen wäre. Man muss den eigenen Weg finden und sich nicht an Stilen oder an „typisch männlichen“ Wegen orientieren. Deswegen ist der Austausch mit anderen Frauen notwendig.

Kann die Frauenquote die Wettbewerbsfähigkeit Europas stärken und Veränderungen in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft hervorrufen?

Sie würde den Wandel durchaus beschleunigen – ob dies aber nur positive Auswirkungen mit sich bringt, ist jedoch schwierig zu prognostizieren. Generell kann die Frauenquote wegweisend sein, jedoch auch nach hinten losgehen, wenn man beispielsweise Aufsichtsräte gezwungenermaßen mit Frauen besetzen muss. Frauen mit geeigneten Qualifikationen sollten öfter die Gelegenheit bekommen, Verantwortung zu übernehmen. Eine Initiative in Richtung Frauenquote ist als Hilfestellung deshalb vertretbar, um diesen Prozess zu beschleunigen.

Ist eine gezielte Frauenförderung überhaupt notwendig?

Auf jeden Fall. Umdenken ist schwerer als man denkt, da der männliche Führungsstil immer noch im Vordergrund steht. Frauen denken anders, vernetzen sich anders und unterhalten sich über andere Themen. Die Verknüpfung von Menschen ist nur auf Basis gleicher Gesprächsinhalte möglich, denn die schaffen Gemeinsamkeiten. Das Thema Fußball öffnet bei Männern zum Beispiel manche Türen. Eine Frauenförderung wäre daher sinnvoll, um mehr Verständnis und damit mehr Gemeinsamkeiten zwischen Frauen und Männern zu schaffen. Dazu müssen Frauen in Führungspositionen präsenter sein.  

Wie stellen Sie sich die optimale Vereinbarkeit von Familie und Beruf vor?

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist immer eine Herausforderung. Bei Deloitte habe ich in Teilzeit angefangen, was sich im Projektgeschäft als schwierig erwiesen hat. Vereinbarkeit ist immer abhängig vom Arbeitszeitmodell und der Familienfreundlichkeit des Arbeitgebers. Trotz Teilzeitvertrag konnte ich Führungsverantwortung übernehmen – das findet man eher selten. Auch meine jetzige Position ist nur vereinbar mit meiner Familie, da die Unternehmensphilosophie sehr familienfreundlich und -fördernd ist. Flexible Arbeitszeitmodelle sowie Home-Office und Teilzeit machen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie unkomplizierter. Leider findet man so eine Flexibilität immer noch zu selten!

 

Frau Kathrin Mischur ist CFO-Prokuristin bei der intersoft consulting services AG.