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Leader.In

Vorstellung von Leading Women

Wir haben Sylvia Tarves, Geschäftsführerin von Leading Women zu Leader.In und Frauen in Führung befragt.

Leading Women vermittelt weibliche Führungskräfte ins Top-Management und arbeitet branchenunabhängig im Zielmarkt Frauen.

Was sind die Gründe, dass in deutschen Chefetagen ein Großteil der Führungskräfte noch immer Männer sind?

Es gibt verschiedene – sowohl menschliche, organisatorische, strukturelle als auch historisch bedingte wie z. B. geschlossene Männerzirkel. Dazu kommt die Sorge um den größeren Wettbewerb durch Frauen, bei einer gleichbleibenden Stellenanzahl. Des Weiteren existieren in vielen Unternehmen immer noch veraltete Karrieremuster, unternehmenskulturelle Stolperfallen und nicht mehr zeitgemäße Leadership-Kriterien. Dies bestätigt, dass Think Manager = Think Male weiterhin gelebt wird. Dabei sollte das Thema New Leadership in Deutschland häufiger diskutiert werden. Ohne mehr weibliche Role-Models und ein aktives Vorantreiben durch das Management wird kein Umdenken stattfinden.

 

Warum ist die Frauenquote zur Standortsicherung Deutschlands notwendig?

Die Unternehmen hatten lange Zeit, freiwillig ihren Frauenanteil in Führungspositionen zu erhöhen. Leider haben bis heute nur wenigste reagiert und dies umgesetzt. Kein tiefgreifender Change-Prozess funktioniert ohne Sanktionen. Die Quote öffnet Türen, die bislang für kompetente Frauen verschlossen waren. Ich weiß aus Erfahrung, dass Frauen die Quote nicht unbedingt begrüßen – dennoch ist sie ein notwendiges Übel, sozusagen ein neutrales, externes Instrument, um das wir nicht herumkommen. Der Standort Deutschland kann es sich nicht leisten, auf mehr als die Hälfte des hochqualifizierten Arbeitsmarktpotenzials zu verzichten.

 

Ihre Personalberatung Leading Women vermittelt weibliche Führungskräfte in Spitzenpositionen der Wirtschaft – wie offen sind Unternehmen für weibliche Führungskräfte?

Seit der Gründung von Leading Women in 2009 hat sich vieles getan. Wir haben dieses Jahr mit leading women to be das erste Job-Portal für Frauen ins Leben gerufen, was es auf dem deutschen Markt bis dato nicht gab. Viele Unternehmen haben die Notwendigkeit weiblicher Führungskräfte und das damit verbundene Smart Business verstanden. Sie gehen offen und proaktiv auf uns zu. Dennoch müssen die Unternehmen ihre Talent-Pipelines von unten heraus weiterentwickeln und mit weiblichen High Potentials füllen, damit das Arbeitsmarktpotenzial ausgeschöpft werden kann. Unglücklicherweise herrscht in Deutschland, speziell was oberes Management, Vorstand und Aufsichtsratspositionen betrifft, die Meinung es seien nicht genügend Kandidatinnen mit den notwendigen Qualifikationen vorhanden, weshalb die Quote nicht erfüllt werden könne. Fakt ist, dass diese existieren, bislang jedoch nicht ausreichend rekrutiert worden sind.

 

Sie wünschen sich einen Wandel der Unternehmenskulturen. Wie soll dieser aussehen?

Unternehmenskulturen müssen sich grundlegend wandeln: Weg von einer Präsenzkultur und hin zur Ergebniskultur lautet die Devise. Arbeitsmodelle sollten für Frauen und Männer familienorientiert gestaltet sein. Zudem kommt, dass sich das „Mindset“ sowie die Leadership-Kriterien in Unternehmen ändern müssen. Weibliche Karrierewege müssen klar abgebildet, definiert und implementiert werden. Erfolgskriterien werden noch immer an männlichen Eigenschaften gemessen, was viele Frauen im Bewerbungsprozess abschreckt. Dem wollen wir entgegenwirken. Am Ende geht es um eine gemeinsame, erfolgreiche und geschlechterunabhängige Teamarbeit.

 

Sie fordern einen spezifischen Executive-Search-Prozess bei weiblichen High-Potentials – wie sieht dies konkret aus?

Beim Rekrutieren weiblicher Führungskräfte gibt es erhebliche Unterschiede. Frauen benötigen viel mehr Informationen und der Prozess ist deutlich intensiver. Durch die enge Kommunikation muss eine Vertrauensbasis geschaffen werden – Männer haben eine andere Selbsteinschätzung. Unser spezifischer Search-Prozess findet abseits herkömmlicher Rekrutierungswege statt. Das Problem liegt nicht darin, die High-Potentials zu finden, sondern im Prozess selbst. Sicherlich kommt es auch darauf an, wen und was Unternehmen suchen und wie die Bewerbung einer Kandidatin aussieht. Allerdings wird es Frauen aufgrund von Fehlinterpretationen ihrer Karrierewege sowie der Orientierung an männlichen Karrieremustern seitens der Personalverantwortlichen nicht leicht gemacht. Häufig sind die Lebensläufe bunter und vielseitiger als die von Männern, was angesichts vorherrschender Selektionskriterien nicht immer von Vorteil ist. Unternehmen müssen deshalb „cross“ denken, Potenzial identifizieren und Stolpersteine vermeiden.

 

Worin sehen Sie die Vorteile von Mixed Leadership?

Gemischte Managementteams sind grundsätzlich erfolgreicher als homogene. Das belegen auch diverse Studien. Das Zusammenwirken männlicher und weiblicher Stärken schafft Mehrwert für das Unternehmen. Mixed Leadership bedeutet die Kompetenzvielfalt beider Geschlechter erfolgreich zu nutzen, was letztlich eine Frage ökonomischer Vernunft ist. Diese Führungsteams erzielen bessere Ergebnisse, ob im Risikomanagement, bei Innovationen oder der Profitabilität. In einigen Unternehmen besteht hier allerdings noch Nachholbedarf.

 

Was für Chancen sehen Sie für Leader.In, bei der Vernetzung weiblicher Führungskräfte mit einflussreichen Männern?

Leader.In ist eine tolle Initiative, die sich durch ihr Ziel weibliche Führungskräfte mit einflussreichen männlichen Entscheidern zu vernetzen von vielen anderen Initiativen unterscheidet. Das „Netzwerken“ ist für die Karriere wichtiger denn je, wobei den Frauen eine optimale Möglichkeit geboten wird, genau dies weiter voranzutreiben. Letztlich geht es um das Miteinander, das Kennenlernen und die gemeinsame Entwicklung von Ansätzen bspw. bei der Implementierung weiblicher Karrierewege in deutschen Unternehmen. Daher freue ich mich künftig auf weitere spannende Vorträge und Veranstaltungen von Leader.In, damit das Thema in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft weiter vorangetrieben wird.

 

LEADING WOMEN vermittelt weibliche Führungskräfte ins Top-Management und arbeitet branchenunabhängig im Zielmarkt Frauen. Deutschland verfügt über ein großes Potenzial an qualifizierten Managerinnen. Sie zu identifizieren, ist die Herausforderung, denn weibliche Führungspersönlichkeiten sind zumeist jenseits geschlossener Systeme zu finden. Der Women Executive Search erfordert daher andere Herangehensweisen. LEADING WOMEN hat direkten Zugang zur weiblichen Zielgruppe und realisiert zielgerichtet Suchstrategien für Besetzungen ab oberer Managementebene bis hin zu Aufsichtsrats-Mandaten. Sylvia Tarves Erfahrungen als weibliche Führungskraft in Großunternehmen sowie ihre Netzwerk-Kontakte und ihre Expertise im Executive Search helfen der Unternehmerin und ihrem Team von LEADING WOMEN Frauen erfolgreich in alle Managementebenen zu vermitteln.

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