Oliver Zeidler im Interview

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Oliver Zeidler im Interview

Rückschläge gehören dazu – Weitermachen ist für Profi-Ruderer Oliver Zeidler entscheidend

Er hat gelernt, wieder aufzustehen, um sein Ziel zu erreichen: Zu den Weltbesten zu gehören. Oliver Zeidler, Tax-Professional, dualer Student und WM-Ruderer, hatte sich nach nicht mal zwei Jahren im Rudersport für die Ruder-WM in Bulgarien qualifiziert. Als Medaillenfavorit gehandelt, hat er es bis ins Finale geschafft. Nach einigen Startschwierigkeiten landete er beim Männer-Einer schließlich auf Rang sechs - für ihn zunächst eine große Enttäuschung. Er nimmt jedoch viele positive Erinnerungen mit und ist nun noch motivierter. Im Interview blickt Oliver auf seine WM-Erlebnisse zurück und berichtet, wie es für ihn weitergeht.
 

Oliver, nun ist einige Zeit seit der Ruder-WM verstrichen. Wie blickst du auf das Finale zurück?
Die größte Herausforderung war auf jeden Fall der Wind. Erst sollte das Rennen verschoben werden. Kurze Zeit später hieß es, dass es doch nach Zeitplan stattfindet. Das war für alle wie ein Psychothriller. Schon vor dem Startschuss hatte ich Probleme mit dem Wind und bin nach dem zehnten Schlag schon in die Leine gefahren. Aber das ist auch dem damals amtierenden Weltmeister passiert. Also lagen die beiden Favoriten schon nach 200 Metern hinten. Mein Boot ist dabei kurz zum Stillstand gekommen und ich musste fürs erneute Anfahren extrem viel Kraft aufbringen. Diese Kraft fehlte mir dann hinten raus. Für solche Bedingungen bin ich einfach zu sehr Anfänger. Nach dem Rennen war die Enttäuschung schon sehr groß. Vor allem, weil ich vorher zu hundert Prozent darauf eingestellt war, wie ich das Rennen gestalten möchte. Aber es gab während der WM viele schwierige Rennen aufgrund der Wetterbedingungen. 

Hast du nach dem Finale mal überlegt, ob du das Rudern wieder an den Nagel hängst?
Am Anfang war die Niederlage echt hart. Aber ich habe mich mit vielen erfahrenen Ruderern ausgetauscht. Bei allen, die richtig erfolgreich waren, gab es immer irgendeinen Rückschlag. Danach haben sie sich aber wieder aufgerafft und sind zu den Weltbesten geworden. Und da will ich auch hin. Vor allem möchte ich an einem schlechten Tag oder bei ungünstigem Wetter das Rennen trotzdem gewinnen. 

Was nimmst du aufgrund der Erfahrungen persönlich für dich mit?
Insgesamt nehme ich extrem viel Motivation mit, mich weiterzuentwickeln und noch besser zu werden. Genau wie in der Arbeit, wenn ein Projekt nicht klappt, kündigt man nicht einfach und orientiert sich um. Man stößt immer wieder auf Hindernisse und muss lernen, sie zu meistern. Da sind Durchhaltevermögen und Ehrgeiz gefragt. Davon habe ich genug, genauso, wie den Willen weiterzumachen. Ich muss jetzt knallhart analysieren, was in dieser Saison gefehlt hat und wo meine technischen Defizite liegen, damit das nächste WM-Finale besser wird. Und auch wenn ich keine WM-Medaille gewinnen konnte, bin ich super happy mit der Saison. Ich war immer vorne dabei und habe es immerhin ins WM-Finale geschafft. Der Sieg wäre natürlich das i-Tüpfelchen gewesen, aber ich denke, ich habe mich mit meiner bisherigen Karriere gut in der Weltspitze etabliert. Man kennt mich jetzt auf jeden Fall. Und die Zeit in Plovdiv war trotzdem super aufregend. 

Was war dein persönliches Highlight in Plovdiv? 
Ich habe viele inspirierende Leute kennengelernt. Auf der Abschiedsparty hat mir zum Beispiel Ondrej Synek, der mehrfache Weltmeister im Einer-Rudern, im Gespräch mit anderen einen Arm umgelegt und meinte, dass ich die Zukunft des Einer-Ruderns sei. Ich solle damit aber bitte noch warten, bis er 2020 seine Karriere beendet. Zudem sind einige Leute, unter anderem auch jüngere Athleten, auf mich zugekommen und haben mir gesagt, wie inspirierend meine bisherigen Erfolge für sie sind. Das macht mich stolzer als jede Medaille, die ich gewinnen kann. 

Oliver Zeidler Deloitte

Deine Rennen wurden von vielen Mitarbeitern mit Spannung verfolgt. Wie war die Reaktion deiner Kollegen nach der WM?
Ich habe viele Glückwünsche erhalten und habe mich richtig gefreut, als ich Fotos von Kollegen bekommen habe, die sich gemeinsam meine Rennen in Konferenzräumen angeschaut haben. Sie waren alle sehr interessiert an meinen Erlebnissen in Plovdiv. Aber die Kollegen waren natürlich auch froh, dass ich wieder heil zu Deloitte zurückgekommen bin und ihnen wieder Arbeit abnehmen kann. Man findet sich auch erstaunlich schnell wieder in den Arbeitsalltag ein.

Wie geht es bei dir weiter? 
Die Qualifikation zu den Olympischen Spielen nächstes Jahr ist weiterhin mein Ziel. Ich hoffe natürlich, dass es besser wird als dieses Jahr. Mit der gleichen Leistung bzw. Ergebnissen wäre ich aber bereits für die Olympiade qualifiziert. Daher war meine Pause nach dem Finale auch nur kurz. Ich wurde auch zu zwei prominenten Regatten in den USA eingeladen, in Boston und in Philadelphia. Die schweren Bedingungen auf den Flüssen waren eine echte Herausforderung, aber die Rennen verliefen beide recht gut. Und es war eine tolle Erfahrung mit anderen Ruderern die Städte zu erkunden. Am 1. Und 2. Dezember findet der zentrale Test der Nationalmannschaft in Dortmund statt. Dort werden wir über 2km auf dem Ergometer und 6km im Boot auf unsere Leistungsfähigkeit getestet. Dies ist für 2018 die letzte Regatta und der erste Schritt des Auswahlprozesses für die Nationalmannschaftsbildung 2019.


Sie möchten mehr über Olivers Ruderkarriere erfahren? Lesen Sie hier, warum er erst vor zwei Jahren das Rudern für sich entdeckt hat und wie er in so kurzer Zeit so erfolgreich werden konnte. 

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