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Investitionen in die Zukunft

Den Standort Deutschland stärken

Globalisierung, Digitalisierung, die demografische Entwicklung und zunehmender Protektionismus stellen Volkswirtschaften vor vielfältige Herausforderungen. Vorausschauendes Handeln und Mut sind gefordert, um den Wohlstand für kommende Generationen zu sichern. Chancen sind reichlich vorhanden.

Von Professor Martin Plendl, CEO Deloitte

Noch steht Deutschland gut da. Europas größte Volkswirtschaft wächst stabil, 2016 wurde ein deutlicher Haushaltsüberschuss erreicht. Doch dieser basiert auf zyklischen Faktoren, niedrigen Zinsen und einer guten Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage dank anhaltender Nachfrage nach deutschen Produkten. Umso wichtiger ist es mit Blick auf die Zukunft, den finanziellen Spielraum für nachhaltige Investitionen zu nutzen.

Industrie 4.0 zum Erfolg führen

Digitale Technologien sind der Schlüssel für hohe Wettbewerbsfähigkeit. Sie ermöglichen steigende Produktivität, effizientere Produktionsverfahren und liefern zugleich die Grundlage für innovative Produkte, Dienstleistungen und datenbasierte Geschäftsmodelle. Die digitale Revolution des Konsums wird klar von Amerika dominiert. Deutschlands Volkswirtschaft hat hingegen eine starke industrielle Basis. 2015 steuerte das produzierende Gewerbe gut ein Viertel zum Bruttoinlandsprodukt bei. Vor diesem Hintergrund muss der Fokus hierzulande auf der nächsten Iteration der digitalen Revolution liegen: Der Maschine-zu-Maschine-Kommunikation, also der Digitalisierung der Fertigungstechnik und der Logistik im Sinne von Industrie 4.0. In der intelligenten Fabrik der Zukunft wachsen Gütererzeugung und technologiebasierte Services zu komplexen Angeboten zusammen. Die Anforderungen an die Qualifikation der Arbeitnehmer steigen. Wissen und Innovationen werden zu zentralen Faktoren für eine höhere Wertschöpfung. Deutschland kann von dieser Entwicklung profitieren. Voraussetzung dafür sind richtige Rahmenbedingungen mit entsprechender Infrastruktur und technischen Standards, steuerlicher F&E-Förderung und Start-up-Finanzierung und insbesondere mit Investitionen in Schul- und Hochschulbildung.

Offene Märkte statt Abschottung

Deutschland zählt zu den Gewinnern des freien Welthandels: Seit 2000 hat sich der Wert der Exporte fast verdoppelt. 2015 trug der Export rund 40 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei, die Exportquote erreichte 47 Prozent. Deutsche Unternehmen sind international tätig, fast jeder vierte Arbeitsplatz hierzulande hängt vom Export ab. Für Deutschland ist es essenziell, die Globalisierung in Form von Standardsetzung und Partnerschaftsabkommen zu gestalten und die internationale Zusammenarbeit in Wirtschaftsfragen voranzutreiben. Bei alldem ist wichtig, die Vorteile der Globalisierung und des technischen Fortschritts für möglichst viele Mitglieder der Gesellschaft zugänglich zu machen. Zukunftsfähigkeit und gesellschaftliche Teilhabe müssen im Einklang sein.

Vorsorge für eine alternde Bevölkerung treffen

Bei der Vorsorge für die Zukunft wäre es außerdem fahrlässig, die demografische Entwicklung auszublenden. 2050 kommen auf 100 Arbeitskräfte schon 60 Bürger über 65 Jahren. Der Anteil der arbeitsfähigen Bevölkerung sinkt auf 55 Prozent. Die Implikationen: Steuereinnahmen schwinden, Ausgaben für Gesundheit und Pensionen steigen. Von Haushaltsüberschüssen wird in 25 Jahren nicht mehr die Rede sein, es sei denn die gesetzlichen Rahmenbedingungen ändern sich grundlegend. Eine transparente, versicherungsmathematische Berücksichtigung der staatlichen Pensionslasten müsste einhergehen mit der Gründung eines Pensionsfonds, um die Gelder der Zukunft zu verwalten. Andere Nationen machen das vor: Man nehme nur den Staatlichen Pensionsfonds Norwegens. Natürlich muss man in solchen Szenarien auch mit den Tatsachen der Geld- und Aktienmärkte umgehen lernen – Verluste gehören in volatilen Zeiten dazu.

Niedrigzins für Investitionen nutzen

Deutschland verfolgt weiter eine Politik des Schuldenabbaus. Die Staatsschuldenquote ist inzwischen von 80 Prozent in 2010 auf 68 Prozent des Bruttoinlandprodukts gesunken. Je niedriger die Staatsverschuldung in Deutschland, desto niedriger die Zinsen in Europa. Die Europäische Zentralbank hat deutlich zum Ausdruck gebracht, dass sie auch vor Negativzinsen nicht haltmacht. Das hilft den Staatskassen. Dank höchster Bonität und gegenwärtiger Geldmarktpolitik gibt es eigentlich nur einen logischen Schluss für Deutschland: Wenn man Geld dafür bekommt, in die Zukunft zu investieren und eine angemessene Rendite dafür in Aussicht steht, worauf wartet man noch?