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Leader.Interview mit Heinz-Harald Frentzen

Wir haben mit Heinz-Harald Frentzen, ehemaliger Formel-1-Rennfahrer und Vizeweltmeister, über Frauen in der Formel 1 gesprochen.

1. Immer mehr Frauen streben eine Karriere im Motorsport an. Wie sehen Sie als Mann diese Entwicklung in einer Sportart, die bislang von Männern dominiert wurde? 

In der Formel 1 gibt es bis heute leider immer noch keine weiblichen Stammfahrer.

Obwohl man in den letzten Jahren generell einen leichten Anstieg der Anzahl von Frauen im Motosport erkennen kann, ist die „Frauenquote“ bis heute relativ gering.

2. In der DTM fahren Männer und Frauen gemeinsam in einem Fahrerfeld. F1-Chef Bernie Ecclestone stößt nun die Idee an, eine separate Formel-1-WM der Frauen zu schaffen. Ist die Formel 1 für den gemeinsamen Wettbewerb zwischen Mann und Frau noch nicht bereit?

Formel 1 ist heutzutage wesentlich einfacher zu fahren als noch vor 20 oder 50 Jahren. Die Tendenz zu jüngeren Fahrern ist deutlich erkennbar, aber trotzdem ist der Anteil der Frauen kaum existent. 

In der DTM zu fahren ist etwas anderes als der Werdegang eines Formel 1 Fahrers. Es gibt generell mehr Frauen die mit Tourenwagen unterwegs sind als Formelfahrerinnen. Schon hier findet eine Einteilung statt.

3. Ende 2014 nahmen Sie an einem Talk zum Thema „Ziele erreichen unter Extrembedingungen“ teil. Inwiefern unterscheiden sich diese Bedingungen bei Männern und Frauen, mit denen sie umgehen müssen, um zu Erfolgen zu gelangen?

Die Bedingungen im Sport unterscheiden sich bei Männern und Frauen kaum.

Motorsport ist nach wie vor eine Männerdomäne und man stößt dort im Wettkampf auf andere Grenzen. Man beobachtet noch immer, je extremer die Bedingungen sind, umso geringer ist der Anteil der Frauen.

4. Ihre Schwester Nadine-Nicole fuhr 2011 ihr erstes Rennen beim ADAC Cruze Cup. Am Ende der Saison belegte sie einen respektablen 11. Rang. Welche Tipps hat sich ihre Schwester von Ihnen geholt und welche Bedeutung schreiben Sie dem privaten Umfeld für den beruflichen Erfolg zu?

Im Motorsport ist es so, daß man zuerst selber viele Erfahrungen sammeln muss. Erst wenn man ein hohes Niveau an Erfahrungen erreicht hat, dann macht es Sinn sich mit anderen Piloten /Fahrern zu messen. Einfache Ratschläge kann man geben, die Erfahrungen müssen jedoch selbst gesammelt werden.

Das private Umfeld ist von Bedeutung, ist aber nicht das Wichtigste für den beruflichen Erfolg.

5. Welche Impulse sind notwendig, um die Potenziale und die Motivation von ambitionierten Frauen, die eine Karriere als Rennfahrerin anstreben, zu steigern?

Das persönliche Engagement ist die Basis für den Erfolg im Motorsport. Sehr wichtig ist natürlich auch die Unterstützung und Förderung der Karriere durch Verbände, Partnern und Sponsoren.

6. Welche Chancen sehen Sie für Leader.In, Einfluss auf die Vernetzung und Förderung von weiblichen Fahrertalenten im Motorsport zu nehmen?

Leader.In könnte nur dann einspringen, wenn eine Frau extremes Engagement für eine Karriere im Motorsport anstrebt.

Die finanzielle Unterstützung von Partnern und Sponsoren spielt natürlich ebenso eine große Rolle. Generell bekommen Frauen im Motorsport mehr Aufmerksamkeit. Dies kann ein Vorteil, aber auch ein Nachteil sein.

Am Ende ist jedoch die persönliche Leistung und das Engagement entscheidend für ein Weiterkommen.

7. Angenommen Ihre Töchter planen eine Karriere im Motorsport: Welche Ratschläge würden Sie ihnen mit auf den Weg geben, um sich gegen ihre männlichen Kontrahenten durchsetzen zu können?

Das hat mit männlich oder weiblich nichts zu tun. Es wären Ratschläge technischer und entwicklungsorientierter Natur.

Auch im Zweikampf mit männlichen Konkurrenten gibt es keine anderen Ratschläge als: Schneller zu sein als der andere.

 

Heinz-Harald Frentzen, ehem. Formel-1-Rennfahrer, Vizeweltmeister