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Leader.Interview mit Dr. Uwe Mazura

Welche Herausforderungen haben Sie in Ihrer Karriere gemeistert? Wie haben Sie Ihre einzelnen Schritte geplant?

Jede Tätigkeit hatte ihre spezifische Herausforderung, die größte war jedoch, als promovierter Geisteswissenschaftler überhaupt in den Beruf einzusteigen. Planen kann man, davon bin ich fest überzeugt, nur bis zu einem gewissen Grad. Meine Lebenserfahrung sagt mir, dass Glück oder Zufall, vielleicht Bestimmung bei vielen Weggabelungen, oftmals viel entscheidender sind. Daher rate ich zu einer gewissen Gelassenheit.

Sie haben Ihre Karriere im politischen Umfeld gestartet. Was waren die größten Herausforderungen in diesen Positionen?

Eine der größten Herausforderungen in diesen Jobs ist sicherlich die schnelle und präzise Abstimmung mit verschiedenen Akteuren, damit stets mit einer Stimme kommuniziert werden kann. Nicht nur die politische Kommunikation ist ein gutes Beispiel dafür, dass strategische Ziele die Arbeit prägen, die man nicht aus dem Auge verlieren darf. Der hohe Aktualitätsdruck hat jeden Tag anders gemacht; das war insofern eine sehr gute Schule für alle folgenden Tätigkeiten.

Sie haben in verschiedenen Kommunikationspositionen gearbeitet. Gehen Frauen und Männer unterschiedlich an Kommunikation heran?

Viele scheinbare Unterschiede sind vielleicht doch eher typ- als geschlechtsbedingt. Bei vielen Frauen nehme ich aber auf jeden Fall häufiger Empathie wahr; auch den Ansatz, im Team gemeinschaftlich Entscheidungen voranzutreiben, finde ich bei Frauen häufiger. Bei allen unterschiedlichen Wegen ist aber die Zielerreichung entscheidend – und da sind Frauen genauso erfolgreich wie Männer.

Welche Erfahrungen haben Sie bei der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) bezüglich Frauen in Führungspositionen gemacht?

Bei der BDA gibt es eine ganze Reihe von Frauen in Führungspositionen. Außerdem haben viele Frauen bei der BDA ihr Rüstzeug für anschließende Führungsaufgaben gelernt. Nicht nur hierin ist der Spitzenverband eine Kaderschmiede. Hochspannend war es bei Randstad, ein Unternehmen, das zu über 50 Prozent von Frauen in den Toppositionen geführt wird. Ein konstruktiver Kommunikationsstil gepaart mit viel Empathie prägt die Unternehmenskultur; mein Eindruck ist, dass diese Frauen wesentlich dazu beigetragen haben, das Unternehmen zum Marktführer in Deutschland zu machen.

Wie hoch ist der Frauenanteil in den Chefetagen der Mode- und Textilbranche? Ist Ingeborg Neumann als Präsidentin des Gesamtverbands Textil Mode und als Vizepräsidentin des BDI eine Ausnahme?

In Top-Funktionen gibt es tatsächlich weniger Frauen. Das hat viele Gründe. Rein statistisch gibt es schon weniger Unternehmerinnen als Unternehmer, insofern stehen auch weniger Frauen als Männer für verbandliche Ehrenämter zur Verfügung. Aber das wird sich ändern, davon bin ich zutiefst überzeugt. Gesellschaft, Wirtschaft und Politik haben erkannt, wie wichtig Frauen in Führungspositionen sind – wir haben auch schon viel erreicht, wenngleich wir noch nicht am Ende sind.

Welche Tipps würden Sie Nachwuchsmanagern für eine erfolgreiche Karriere mit auf den Weg geben? Welche Qualitäten sollten männliche und weibliche Führungskräfte mitbringen?

Die Qualitätsanforderungen an Männer und Frauen sind m.E. gleich: An erster Stelle steht für mich die Fähigkeit zu kommunizieren. Wer Verantwortung hat und Menschen führt, muss diese mitnehmen können und auch wollen. Selbstdarsteller, Alleinentscheider und Autisten sind out. Fast genauso wichtig ist es, das, was man tut, ambitioniert zu machen. Wer für seinen Job, seine Familie, sein Hobby brennt, ist erfolgreicher. Schließlich braucht jeder ein Wertgerüst, an dem er sich orientiert und seine Entscheidungen messen kann. Von daher tut es gut, ab und an innezuhalten und das eigene Tun daran zu spiegeln und zu überprüfen.

Dr. Uwe Mazura ist Hauptgeschäftsführer beim Gesamtverband Textil und Mode