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Leader.Interview mit Maren Hofmeister

Wir haben Maren Hofmeister, leitende Disponentin/Besetzungen der Staatsoper Berlin, zu Female Leadership im Kulturbetrieb interviewt.

Wie haben Sie Ihren Karriereweg zur leitenden Disponentin in der Staatsoper Berlin geplant?

Als Studentin habe ich in den Semesterferien verschiedene Hospitanzen an Opernhäusern absolviert. Da der Opernbetrieb sehr übersichtlich ist, habe ich schnell ein Netzwerk aufbauen können und schließlich auch ein Jobangebot erhalten als ich mit dem Studium fertig war. Mir war damals nicht wirklich bewusst, dass der Aufbau eines Netzwerkes ein Schritt zum Aufbau einer Karriere im Opernbetrieb ist.

Welche Voraussetzungen sollte eine Frau mitbringen, wenn sie in einer vergleichbaren Position arbeiten möchte?

Mein Arbeitsgebiet ist sehr speziell – man gerät schnell in Situationen, die woanders nie so auftreten würden. Der Umgang mit Künstlern erfordert intensiven persönlichen Kontakt und entsprechend gute kommunikative Fähigkeiten sowie Kompetenz. Beim Umgang mit dem Künstler muss man eine Atmosphäre schaffen, in der er sich wohl fühlt – neben allen professionellen Voraussetzung für seine künstlerische Arbeit.

Wie entscheiden Sie die Besetzungen für ein Stück? Welche Tipps geben Sie ambitionierten Frauen in Führungspositionen für schwere personelle Entscheidungen?

Das ist eigentlich sehr simpel – es muss die beste Sängerin/der beste Sänger sein für diese bestimmte Partie. Neben der Beurteilung von seinen sängerischen Fähigkeiten wie Gesangstechnik und Musikalität, kann ich auch emotional entscheiden, welcher Künstler am besten passt. Wo man in anderen Branchen Entscheidungen rational trifft, spielt hier Emotionalität eine große Rolle. Da es bei der Oper generell um Emotionen geht, die der Sänger/die Sängerin transportieren muss, kann ich meinem Bauchgefühl folgen, wenn ich die Wahl habe zwischen zwei ansonsten gleichermaßen qualifizierten Sänger/innen. Daher kann eine Rollen-Besetzung nur sehr eingeschränkt mit einer üblichen Personalentscheidung verglichen werden.

Wie werden Sie im Kulturbetrieb wahrgenommen fühlen Sie sich eingeschränkt, weil Sie eine Frau sind?

Der Kulturbetrieb ist bis zur gläsernen Decke durchmischt. Die oberste Führungsebene ist jedoch sehr traditionell – hier ist es als Frau schwierig. Aufgrund der Tradition des Opernbetriebes finden sich momentan hauptsächlich starke Dirigenten und Regisseure in Entscheider-Positionen. Es bewegt sich aber langsam etwas und ich habe es heute deutlich einfacher als Frauen vor 20 Jahren. Initiativen zur Förderung von Frauen in Führungspositionen gibt es aber (noch) nicht.

Worin sehen Sie Ursachen, dass in deutschen Chefetagen ein Großteil der Führungskräfte Männer sind?

Im Opernbetrieb herrscht auf der zweiten Ebene eine ausgewogene Geschlechterquote. Die Führungsetagen besetzen deutlich mehr Männer – was in meinem Arbeitsgebiet traditionsbedingt ist. Ich beobachte, dass Männer sich schneller und effektiver vernetzen als dies manchmal bei Frauen geschieht. Und das hilft den Männern natürlich auf ihrem Karriereweg.

Inwiefern können Initiativen wie Leader.In einen Beitrag zur Frauenförderung leisten?

Persönlich glaube ich, dass Networking ein wesentlicher Schlüssel zum Aufstieg ist. Der Austausch unter „Gleichgesinnten“ und diese in Kontakt zu bringen mit der höheren Führungsebene ist unheimlich wichtig, um Frauenförderung voranzutreiben. Da Leader.In genau dies bietet, finde ich die Initiative eine sehr gute und effektive Hilfestellung für Frauen in Führung.

Maren Hofmeister ist leitende Disponentin/Besetzung der Staatsoper Berlin