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Interview mit Ruth Steinert

Wie haben Sie Ihren Karriereweg geplant?

Wovon leben die unverheirateten Schwestern meines Opas? Darüber sprachen meine Eltern und Großeltern, was mich als Kind faszinierte. In meinem Kinderkopf blieb hängen, dass Arbeiten gehen, eigenes Geld verdienen und eine Rente aufbauen der Schlüssel zum selbstbestimmten Leben ist. Später wollte ich die Welt verstehen. Da aus meiner Sicht viel davon abhing, wie die Wirtschaft lief, kam nur ein wirtschaftswissenschaftliches Studium in Frage. Daraus ergab sich die Studienrichtung BWL, die Suche nach einem passenden Partner und einem Arbeitgeber. Mein Wunsch war entweder bei einer Versicherung oder Bank zu arbeiten. Die Partnerwahl ist dabei sehr entscheidend für die Karriere - ich wollte lieber auf Kinder verzichten, wenn der Partner nicht bereit wäre, die Hälfte der Hausarbeit und der Kindererziehung zu übernehmen.

Das Wissen, das ich in der Bank als Firmenkundenbetreuerin erwarb, gab mir die Möglichkeit und die Idee mich selbständig zu machen. Vorbilder waren erfolgreiche Frauen, die ihr Bank- und Versicherungswissen zum Wohle der Frauen einsetzten. Als Bankerin sah ich damals ein erfolgreiches Geschäftsmodell eher bei der Geld- und Vermögensanlage als im Kreditbereich. So habe ich mir ein erfolgreiches Business aufgebaut: Mein Wissen gibt mir die Freiheit, mein Geschäft leicht und locker zu betreiben und mein Finanzwissen auch in ehrenamtlichen Tätigkeiten einzubringen.

Sie haben bei verschiedenen großen Banken gearbeitet. Wie waren Ihre Erfahrungen als Frau in einem männerdominierten Bereich?

Sehr ernüchternd, wobei mittelständische oder auch kleine Banken sehr viel größere Spielräume boten als die großen. Trotzdem war es auch dort sehr schwierig, die nächste Karrierestufe zu erreichen. Sehr gute Leistungen allein reichten nicht aus. Mein Können wurde abgezapft und an Männer weiter gegeben, die dann gefördert wurden. Die Tatsache, dass ich gleichzeitig mit den Männern ebenfalls eine Stufe weiter kam, hat mich etwas getröstet. Interessant war ein Vorstellungsgespräch bei einer Bank, in dem ich nicht ein Wort sagen durfte. Der Einladende hat gegenüber den Herren, die dieses Vorstellungsgespräch führten, für mich geantwortet. Das fand ich unglaublich.

Welche Tipps würden Sie Frauen für eine erfolgreiche Karriere im Finanzbereich geben?

Direkt nach dem Studium sollte man seine Schritte sehr gezielt planen und sich breites Wissen aneignen. Weiterhin finde ich wichtig, ein eigenes Netzwerk aufzubauen und zwar innerhalb und außerhalb des Unternehmens, in dem man arbeitet. Damit meine ich nicht die üblichen Netzwerktätigkeiten, sondern gezielte Kontaktaufnahme zu Menschen, die einem gefallen und von denen man lernen kann oder die man bewundert. So ergeben sich häufig neue Möglichkeiten. Dabei sollte man sich gezielt mit Leuten (Frauen wie Männer) umgeben, für die man Sympathie empfindet. Dazu zählt auch die richtige Partnerwahl, die ich als Karriereschlüssel sehe. Dabei sollte  „Heiraten nach oben“ bewusst in Frage gestellt werden.

Man sollte die eigene Motivation und Ziele herausfinden und verfolgen, beim Verhalten ist eine Mischung aus männlichen und weiblichen Verhaltensweisen erfolgreich. Es ist sehr viel Witz, Intelligenz und Charme nötig, um die ständigen Verhaltensverfallen zu vermeiden. Generell ist die Finanzbranche ein schwieriges Pflaster für Frauen. Eine Feministin ist in der Bank höchst unerwünscht. Ich würde aus heutiger Sicht gezielt früher wechseln, d. h. nicht zu lange im Bankenbereich bleiben.

Waren Ihre Vorgesetzten im Bankenbereich männlich oder gab es auch Chefinnen?

Vorwiegend waren es direkte männliche Vorgesetzte mit den bekannten Problemen hinsichtlich der Karriereförderung. Es gab auch Frauen, manche hatten das „Bienenköniginnensyndrom“. Andere wiederum waren sehr solidarisch und hilfsbereit. Ich erinnere mich an eine Amerikanerin, die andere gerne unterstützt hat. Die deutsche „Männer-Blockade“ konnte sie jedoch auch nicht durchbrechen.

Welche Unterschiede zwischen Männern und Frauen beobachten Sie bei der Finanzberatung? Gibt es Unterschiede beim Umgang mit Geld und Finanzen?

Es gibt mehr Männer als Frauen, die sich mit Aktien und Aktienfonds auskennen. Männer probieren eher aus und lernen daraus. Frauen scheuen Risiken. Das geht soweit, dass beträchtliche Beträge auf dem Girokonto von Frauen lagern und es keinen Entschluss gibt, sich zu Gunsten einer vernünftigen Rendite für eine gute Investition zu entscheiden. Frauen wollen Liquidität, das bedeutet für sie Sicherheit. Dieses Gefühl ist sehr tief verwurzelt. Es gibt immer wieder Frauen, die die eigene Geldanlage von den Aussagen des Partners abhängig machen. Von einem Mann habe ich noch nie gehört, dass er alles mit seiner Freundin durchsprechen muss, von Frauen schon. Bei Ehepaaren wird häufig gemeinsam entschieden.

Sie sind Schatzmeisterin des KDFB. Wie sind Sie zu diesem Amt gekommen und was möchten Sie erreichen?

Ich wurde von meiner Vorgängerin gefragt, ob ich dieses Amt ausüben möchte und war die Wunschkandidatin. Mein Wissen und meine Kompetenz waren dem Verband durch das Amt der Kassenprüferin, das ich für den Diözesanverband und den Landesverband vier Jahre ausgeübt habe, aufgefallen. Das führte zu der Frage, ob ich ein Amt übernehmen möchte. Mir erschienen das Amt der Kassenprüferin und der Vorsitz interessant. Ich habe mich jedoch bewusst für das Amt der Schatzmeisterin entschieden, weil ich mein Finanzwissen einbringen kann. Das macht mir sehr viel Freude. Gerade Geld zu haben und damit gut umzugehen, eröffnet Spielräume, um für Frauen etwas zu bewegen, ganz besonders für einen Verband. Die politische Arbeit voranbringen und den Frauen eine spirituelle Heimat sein, das ist mein Anliegen.

Wie stehen Sie zur Frauenquote – im Bankenbereich und allgemein in der Wirtschaft?

Ohne Quote geht es nicht: mit harten Sanktionen, wenn sie nicht eingehalten wird. Ohne Quote wird sich nichts bewegen schon gar nicht in den Banken!

Ruth Steinert ist Betriebswirtin und selbständige Finanzberaterin

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