Leader.In Interview mit Stephanie Czerny

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Leader.Interview mit Stephanie Czerny von Burda

Wir haben mit Stephanie Czerny von Burda über die Bedeutung von Netzworking gesprochen.

Frau Czerny, was macht gute Netzwerkerinnen aus und welche Gelegenheiten zum Kontakte knüpfen sollte man nie versäumen?

Ein entscheidendes Kriterium für gutes Netzwerken sind Themen! Es geht nie um das Netzwerk an sich, sondern einen bestimmten Anlass. Gute Netzwerkerinnen zeichnen sich dadurch aus, dass sie immer Themen haben, für die sie brennen. Man darf sein Gegenüber darüber hinaus nicht langweilen oder sich selbst zu sehr in den Vordergrund drängen.
Themenbasierte Events oder Veranstaltungen wie unsere DLD-Konferenzen eignen sich besonders, aber auch ein gemeinsames Frühstück im Hotel oder zufällige Treffen. Diese Gelegenheiten gilt es bewusst zu inszenieren und zu nutzen.

Sie gelten selbst als hervorragend vernetzt. Wie haben Sie es geschafft, in so kurzer Zeit eines der „vermutlich begehrtesten Adressbücher der Branche“ zu erlangen?

Gerade im Umgang mit den Internetgrößen aus den USA ist es wichtig, authentisch zu sein und ihnen unvoreingenommenes Interesse entgegenzubringen. Ich bin überzeugt, dass mir dies bei meinen ersten Ausflügen ins Silicon Valley sehr zugutekam. Außerdem schätzen die Amerikaner gemeinsame Erfahrungen, deshalb versuche ich immer herauszufinden, wofür sich hochgehandelte Manager oder Internetunternehmer neben ihrer Arbeit begeistern. Mit Marissas Mayer war ich zum Beispiel schon in meiner Heimat wandern oder mit den Google-Gründern Sergej Brin und Larry Page beim Skifahren. Diese gemeinsamen Erlebnisse schweißen zusammen. Darüber hinaus reise ich regelmäßig zu den großen Techkonferenzen in die USA wie TED oder Re/Code, um mein Netzwerk zu pflegen und vor Ort persönlich nach interessanten Speakern für unsere DLD-Konferenzen zu „angeln“.

Insbesondere für Ihre Kontakte ins Silicon Valley werden Sie bewundert. Welche großen Namen können wir bei der nächsten DLD-Konferenz erwarten?

Das Aufsetzen des Programms für den kommenden DLD vergleiche ich immer mit einer Sternfahrt. Es ist ein Prozess, der sich in den kommenden Monaten mehr und mehr mit den aktuell interessantesten Sprechern verdichtet, die ich auf meinen Reisen treffe. Themen bei DLD16 werden u.a. künstliche Intelligenz, Transhumanismus, Drohnen oder Cybersecurity sein. Die Welt blickt auf ihrer Suche nach der neuesten tollsten Technologie andauernd ins Silicon Valley, aber in Europa und vor allem in Osteuropa passiert gerade unheimlich viel. Vor einigen Wochen war ich in Cluj, Rumänien und war begeistert von all den jungen Leuten und ihren Ideen. Davon werde ich einige im Januar in München präsentieren.

Das Internet bietet vielfältige Vernetzungsmöglichkeiten. Sie halten jedoch nicht viel vom Internet. Warum?

Das stimmt so nicht ganz – ich finde die Möglichkeiten und Chancen, die das Internet bietet, ganz hervorragend. So kann man beispielsweise von überall aus arbeiten und somit zum Beispiel viel leichter Familie und Beruf unter einen Hut bringen. Ich bin jedoch der Überzeugung, dass sich der persönliche Kontakt durch nichts ersetzen lässt. Deshalb lege ich auch so viel Wert darauf, dass wir bei unseren DLD-Konferenzen ausreichend Gelegenheiten zum Netzwerken schaffen: Um alte Freunde wiederzutreffen, neue Bekanntschaften zu schließen und interessante Persönlichkeiten einander vorzustellen.

Ihr Erfolgsgeheimnis ist die traditionelle bayerische Volksmusik. Wie dürfen wir uns das vorstellen?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass in den USA und insbesondere im Silicon Valley die Menschen extrem durchgetaktet sind, von einem Termin zum nächsten hetzen oder den ganzen Tag vor ihrem Computer sitzen. Mit unserer authentischen bayerischen Volksmusik bringen wir ihnen ein wenig bayerische Tradition und Gemütlichkeit in den sonst so stressigen Alltag. Diese Abwechslung, diese Analogie in ihrer meist komplett digitalen Welt, kommt gut an und lockert die Atmosphäre auf.
Es wäre aber übertrieben zu behaupten, dass dies unser alleiniges Erfolgsgeheimnis ist.

Sie haben drei Töchter und einen Sohn, Ihre älteste Tochter ist angehende Ärztin. Welche Tipps haben Sie ihnen gegeben, um sich in häufig noch männerdominierten Top-Management-Positionen behaupten zu können?

Ich habe meinen Töchtern immer ans Herz gelegt, sich bei der Berufswahl für einen Bereich zu entscheiden, der ihnen wichtig ist und Spaß macht. Auch wenn man sicherlich Geld verdienen muss, sollte man nicht in die Falle tappen, sich nur von fremden Anforderungen leiten zu lassen und nicht mehr dem zu folgen, was einen selbst antreibt. Deshalb ist es wichtig, seine eigenen Fähigkeiten zu finden und einen Beruf, für den man wirklich brennt. Nur dann verfügt man auch über das nötige Durchhaltevermögen, sich in männerdominierten Bereichen durchzusetzen und nicht zu schnell aufzugeben. Den eigenen Weg zu gehen erfordert sicherlich Mut, aber ich rate meinen Töchtern und allen anderen Frauen: Traut euch!

Welche Chancen sehen Sie für Leader.In, bei der Vernetzung weiblicher Führungskräfte mit einflussreichen Männern erfolgreich zu unterstützen?

Ganz besonders gut finde ich, dass Leader.In kein reines Frauennetzwerk ist, sondern vielmehr starke Frauen und Männer zusammenbringen will, um Talente auf ihrem Weg zu unterstützen und zu fördern. Toll, dass Sie für diese Idee auch den BDI und das Handelsblatt gewinnen konnten.

Stephanie Czerny ist Managing Director bei DLD Media