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Mit Weitblick und Trennschärfe zum erfolgreichen Prüferwechsel

Sprichwörtlich ist Vorbereitung das halbe Leben – also mindestens auch der halbe Wechsel des eigenen Abschlussprüfers. Welche Werte der Schlüssel zur erfolgreichen (Neu-) Bestellung eines Wirtschaftsprüfers sind und welchen Fehler Aufsichtsräte dabei nicht begehen sollten.

von Christoph Schenk

Den richtigen Zeitpunkt finden

Die EU-Richtlinie 2014/56 und die EU-Verordnung 537/2014 sorgen für eine nie gekannte Dynamik auf dem Markt der Wirtschaftsprüfer. Künftig müssen große Unternehmen in Europa in bestimmten Abständen ihren Abschlussprüfer wechseln. Diese epochale Veränderung gilt für Geschäftsjahre, die ab dem 17. Juni 2016 beginnen. Unternehmen, die ihren Abschlussprüfer schon seit mehr als 20 Jahren beschäftigen, haben letztmalig für das Geschäftsjahr 2021 Zeit zum Wechseln. Ziel dieser Rotationspflicht ist eine steigende Prüfungsqualität in allen Unternehmen, die wie Großkonzerne, Banken oder Versicherungen von öffentlichem Interesse sind. Soweit, so verständlich.

Ganz so einfach wie den eigenen Stromanbieter zu wechseln, sind solche Vorhaben aber natürlich nicht. Während das Buhlen um neue Mandate in der Prüferbranche immer intensiver wird, herrschen bei den betroffenen Unternehmen zum Teil noch erhebliche Unsicherheiten. Die Unternehmen, die sich richtig vorbereiten, versuchen zunächst einen richtigen Ausschreibungszeitpunkt zu finden. Das klingt trivial, doch ist alles andere als das. Insbesondere die verschärften Unabhängigkeitsregeln fordern mehr Aufmerksamkeit als bisher. Ein Selbstprüfungsverbot gab es schon vorher, doch künftig sind auch bestimmte Beratungsleistungen, die Wirtschaftsprüfer häufig erbringen, mit mehr Vorsicht zu genießen. Erbringt eine Prüfgesellschaft Beratungsdienstleistungen noch nach Ablauf bestimmter Fristen, kann sie nicht mehr als neuer Abschlussprüfer fungieren. Prüfer sowie Geprüfter sollten also schon im eigenen Interesse dafür sorgen, dass es bei Bedarf einen sauberen Schnitt gibt.

 

Die Unternehmen, die sich richtig vorbereiten, versuchen zunächst einen richtigen Ausschreibungszeitpunkt zu finden. Das klingt trivial, doch ist alles andere als das. 

Unabhängigkeit trennscharf beurteilen

Wenn die Unabhängigkeitsregeln nicht konsequent eingehalten und sichergestellt werden, führt dies entsprechend zu einem Ausschluss des potentiellen neuen Abschlussprüfers im Ausschreibungsprozess. Schließlich kommt für Unternehmen im Dax-Umfeld in der Regel nur einer der großen vier Prüfer in Frage. Da sie meistens schon von einem geprüft werden, bleiben noch drei übrig. Wenn einer von diesen Drei eine Beratungstätigkeit innehat, die aufgrund des Selbstprüfungsverbots als unabhängigkeitsgefährdend gilt, reduziert sich der Kandidatenkreis auf zwei. Die Krux: Der Prüfungsausschuss muss dem Aufsichtsrat, zwei mögliche Nachfolger für den aktuellen Prüfer präsentieren. Kein Gremium möchte sich in so einer Situation vorwerfen lassen, es habe die Auswahl an Prüfern selbst beschnitten, weil im Vorfeld niemand auf die Wahrung der Unabhängigkeit geachtet habe.

Hat ein Unternehmen gewissenhaft an der Ausschreibung und dem Prüferwechsel gearbeitet, steht einem reibungsarmen Übergang von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft auf die nächste nichts im Weg. Weitblick, Akribie und Transparenz auf allen Seiten sind der Schlüssel dazu.

Lesen Sie das aktuelle Handelsblatt-Interview mit Christoph Schenk zur Vorbereitung der Branche auf die Umsetzung der Rotations-Richtlinie. 

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