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Compliant mit der Blockchain

Dirk Siegel, Deloitte Partner und Leiter des Deloitte Blockchain Institute, im Interview

Die Blockchain hat das Potenzial, eine vollkommen neue Basis für alle wirtschaftlichen Infrastrukturen zu schaffen. Welche Einsatzmöglichkeiten bieten sich im Bereich Compliance? Wir haben mit Dirk Siegel über die Use Cases und aktuellen Entwicklungen gesprochen.

1. Herr Siegel, was reizt Sie als Fachexperten an diesem Thema?

Die Blockchain ist eine der großen Schlüsseltechnologien der heutigen Zeit und wird gravierende Veränderungen mit sich bringen – so wie einst das Internet. In unserem Deloitte Blockchain Institute unterstützen wir Kunden dabei, die Herausforderungen dieser wesentlichen Transformation zu bewältigen, und beraten sie konkret, wie sie in diesem Kontext am besten agieren. Unterschiedlichste Anwendungsmöglichkeiten für nahezu alle Branchen sind denkbar – das macht es für mich spannend. Außerdem beruht diese innovative Technologie auf Kryptologie, was für mich als Mathematiker natürlich sehr reizvoll ist.

 

2. Die Einsatzmöglichkeiten der Blockchain werden viel diskutiert. Ein Bereich, der dabei oft noch wenig Beachtung findet, ist das Compliance-Umfeld. Was sind dort aus Ihrer Sicht mögliche Use Cases?
 

Bei Compliance geht es ja darum, dass man sich an vom Gesetzgeber oder vom Unternehmen selbst vorgegebene Regeln hält. Das kann zum Beispiel bedeuten, nur Güter bestimmter Herkunft zu verwenden. Ob ein Gut aber tatsächlich ohne Raubbau oder Kinderarbeit gewonnen bzw. hergestellt wurde, lässt sich bislang nicht immer mit Sicherheit sagen. Die Blockchain liefert da Klarheit und Transparenz: Mit ihr lassen sich Lieferketten lückenlos dokumentieren. Geht das Produkt von einem Lieferanten zum nächsten über, wird das unveränderlich dokumentiert. Ich sehe bei diesen „Track & Trace“ Use Cases einen klaren Wertbeitrag für den Bereich Sustainability.

Ein zweiter Punkt bezieht sich auf Daten des Meldewesens. Dass bestimmte Daten an Aufsichtsbehörden gemeldet werden müssen, betrifft fast alle Branchen. Diese Daten können revisionssicher in der Blockchain gespeichert werden – jeder Datenverarbeitungsschritt wird dokumentiert und kann nachgewiesen werden. Das erschwert Datenmanipulationen wie sie zum Beispiel im Vorfeld der Finanzkrise stattgefunden haben.

Im aktuellen Corporate Governance Forum habe ich außerdem auf Use Cases im Bereich „Identitätsmanagement“ hingewiesen. Diese sind besonders im Compliance-Umfeld wichtig – handelnde Personen können ihre Identitäten eindeutig nachweisen, indem sie Dokumente wie Geburtsurkunden und Zeugnisse in der Blockchain ablegen. Über einen Private Key haben sie alleinigen Zugang zu diesen Daten und können sie gezielt teilen und sich damit „digital ausweisen“.

 

3. Und wo sehen Sie Herausforderungen und Risiken?


Einige Anwendungsfälle der neuen Technologie sind aus Compliance-Sicht problematisch. Bestimmte Kryptowährungen ermöglichen z.B. Zahlungen, die nicht nachvollziehbar sind. Sie sind praktisch wie eine Blackbox und gewähren den Beteiligten totale Anonymität. Dieser Sachverhalt kann in der organisierten Kriminalität genutzt werden und öffnet in den Bereichen Geldwäsche und Embargo dem Missbrauch die Türen. Ich erwarte daher, dass die Regulatoren hier nachbessern werden. Diese notwendigen Maßnahmen sollten aber sehr genau und spezifisch sein, um zu verhindern, dass hierdurch auch die vielen durchaus sinnvollen Use Cases der Blockchain im Compliance-Umfeld eingeschränkt werden.

Sie interessieren sich für die Blockchain?

Weitere Informationen zum Thema Blockchain erhalten Sie in Ausgabe 5 | Blockchain unseres Magazins Corporate Governance Forum, welches Ihnen nebenstehend zum Download zur Verfügung steht. Weitere aktuelle Publikationen und alle Informationen zum Thema finden Sie auf der Seite des Deloitte Blockchain Institutes.

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