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Frauen in Führungsgremien

Aktuelle Deloitte-Studie „Women in the boardroom” zur Geschlechtervielfalt in Führungsgremien

Trotz vereinzelter Fortschritte steigt der Frauenanteil in Führungsgremien weltweit sehr langsam. Betrachtet man allerdings die Fortschritte auf Länderebene, so ergeben sich große Unterschiede, die teils erheblich vom globalen Durchschnitt abweichen. Das ist eines der zentralen Ergebnisse der 6. Ausgabe der Studie „Women in the boardroom - A global perspective”, die das Deloitte Global Center for Corporate Governance veröffentlicht hat.

Unter den 49 untersuchten Nationen weisen nur 6 Länder einen höheren Durchschnittswert als 30,0 Prozent auf. Zu den globalen Spitzenreitern zählen: Norwegen mit einem Anteil von Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten von 41,0 Prozent, gefolgt von Frankreich (37,2 Prozent), Schweden (33,3 Prozent), Finnland (31,9 Prozent), Neuseeland (31,5 Prozent) und Belgien (30,5 Prozent). Deutschland liegt mit 26,2 Prozent auf Platz 9 insgesamt. 

Die Schlusslichter in diesem Länderranking bilden Südkorea (2,4 Prozent), Saudi-Arabien (0,7 Prozent) und Katar (0,6 Prozent).

Die größten Zuwächse zwischen 2016 und 2018 konnten Deutschland, Südafrika, Finnland und Malaysia erzielen. In diesen Ländern ist die Zahl der Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten (Boards) um mehr als 6 Prozent gestiegen. Hier wurden auf nationaler Ebene effektive Maßnahmen ergriffen, um die Geschlechter-Vielfalt in Führungsgremien zu erhöhen.

EU: Gleichstellungsstrategie der Europäische Kommission

Die Studie zeigt, dass 2018 innerhalb der EU in den 1.942 untersuchten Unternehmen insgesamt 4.139 Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten vertreten waren. Die Zahl der von ihnen besetzten Board Seats wuchs seit 2016 um 3,2 Prozentpunkte auf einen Anteil von 25,8 Prozent. Während die Board Chairs von Frauen um 2,5 Prozentpunkte auf 6,9 Prozent zunahmen, stieg der Anteil weiblicher CEOs lediglich um 1,2 Prozentpunkte auf 5,0 Prozent. 

Die Europäische Kommission arbeitet vor allem seit 2010 an der Stärkung der Geschlechterdiversität in Führungsgremien von Unternehmen. Eine bislang noch nicht verabschiedete Richtlinie aus dem Jahr 2012 zur Förderung der Geschlechtervielfalt in den Aufsichtsräten börsennotierter Gesellschaften umfasst unter anderem folgende Punkte:

  • Das Ziel, dass mindestens 40 Prozent jeden Geschlechts in Verwaltungsräten börsennotierter Unternehmen repräsentiert sind.
  • Die Anwendung und Umsetzung von etablierten, eindeutigen und neutral formulierten Kriterien für das Auswahlverfahren.
  • Die Prioritätsvergabe an die Person des unterrepräsentierten Geschlechts, wenn die Kandidaten bei Qualifikation und Verdiensten als gleichwertig eingestuft werden. 
  • Die Anwendung geeigneter Sanktionen durch die Mitgliedstaaten für Unternehmen, die sich nicht an die Vorschriften halten.

 

Europe Women on Board 2019 Deloitte
Überblick Frauen in Führungsgremien in Europa

Deutschland: Gesetzgebung wirkt sich positiv auf den Frauenanteil aus 

In Deutschland waren 2018 in 191 untersuchten Unternehmen 551 Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten vertreten. Mit einer Steigerung von 6,7 Prozentpunkten auf einen Anteil von 26,2 Prozent weiblicher Bord Seats konnte Deutschland zu den Ländern mit den weltweit höchsten Zuwachsraten aufschließen. 

Während die Zahl der von Frauen besetzten Board Chairs nur um 2,0 Prozentpunkte auf 4,2 Prozent kletterte, wuchs der Anteil weiblicher CEOs von 0,0 Prozent im Jahr 2016 auf 3,1 Prozent in 2018– dieser Wert liegt aber immer noch unter dem aktuellen internationalen Durchschnitt. 

Die relativ hohen Zuwachsraten dürften vorrangig auf die Gesetzgebung zurückzuführen sein. So schreibt etwa das im Jahr 2015 verabschiedete Geschlechterquotengesetz vor, dass börsennotierte Unternehmen ihre Aufsichtsräte mit mindestens 30 Prozent Frauen besetzen müssen. 

Derzeit prüft die Bundesregierung weitere Gesetze zur Geschlechterquote. Auch andere Initiativen wie der Deutsche Corporate Governance Kodex dürften sich positiv auf die Förderung von Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten auswirken. 

 

Wir haben in den letzten Jahren einen durchaus signifikanten und stetigen Anstieg der Zahl von Frauen in Aufsichtsräten in Deutschland festgestellt, sowohl im Vorfeld als auch als in Reaktion auf die Gesetzgebung dazu.

Dr. Arno Probst, Partner, Leiter Center für Corporate Governance,
Deloitte Deutschland

 

Umfangreiche Datenbasis des Reports aus insgesamt 66 Ländern

Die globale, regionale und länderspezifische Analyse basiert auf einem Datensatz von über 8.600 Unternehmen in 49 Ländern der Regionen Asien-Pazifik, Amerika und EMEA. Dabei wurden mehr als 136.000 aktive Top-Führungspositionen wie CEO- und Vorstandsposten, Verwaltungsratsmandate und Ausschussmitgliedschaften (directorships and committee memberships) untersucht. Ergänzend wurden für die Studie auch Informationen über öffentlich zugängliche Diversity-Zahlen hinzugezogen. Damit analysiert der Bericht die Aktivitäten zur Förderung von Geschlechtervielfalt in Vorständen und Aufsichtsräten in insgesamt 66 Ländern für das Jahr 2018. Gleichzeitig liefert der Report detaillierte Einblicke in die politischen, sozialen und legislativen Trends hinter den Zahlen. Die vollständige Studie mit allen Ergebnissen können Sie nebenstehend als PDF herunterladen.

Der Veränderungsprozess verläuft zu verhalten

2018 nahmen Frauen weltweit lediglich 16,9 Prozent der Vorstands- und Aufsichtsratssitze ein, ein mageres Plus von 1,9 Prozentpunkten gegenüber 2016. Noch niedriger fällt die Zahl der weiblichen Vorsitzenden in Vorstand und Aufsichtsrat aus: Sie stieg im Untersuchungszeitraum um 1,5 Prozentpunkte auf einen Anteil von global 5,3 Prozent. Zudem besetzen Frauen weltweit nur 4,4 Prozent der CEO-Positionen – das ist ein minimaler Zuwachs von nur 0,5 Prozentpunkten gegenüber 2016. Im Vergleich dazu ist der Anteil weiblicher CFOs mit 12,7 Prozent fast dreimal so hoch. 

„Es ist ermutigend, dass zunehmend mehr Frauen weltweit Positionen im Vorstand oder Aufsichtsrat innehaben.“, erklärt auch Sharon Thorne, Chair Deloitte Global. „Die Gesamtdaten unserer Studie zeigen jedoch, dass dieser Veränderungsprozess immer noch zu langsam verläuft“, so Thorne. 

Dabei haben zahlreiche Studien immer wieder gezeigt, dass eine größere Geschlechtervielfalt in Führungsgremien die Unternehmenskultur positiv beeinflussen kann. 

Fazit und Ausblick

Wie die 6. Ausgabe der Deloitte-Studie „Women in the boardroom“ zeigt, sind immer noch viel zu wenig Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten weltweit vertreten. „Falls sich der globale Trend mit der aktuellen jährlichen Wachstumsrate weiter fortsetzt, werden wir mehr als 30 Jahre warten müssen, bis wir eine globale Geschlechterparität auf Vorstandsebene erreichen werden“, erklärt Sharon Thorne.

Auch heute noch sind Frauen mit erheblichen Hindernissen in Bezug auf die Gleichstellung konfrontiert. Deswegen ist es im Zuge der angestrebten Gleichstellung von Frauen wichtig, dass jetzt konkrete, sinnvolle Maßnahmen ergriffen werden. 

 

Auch wenn der Frauenanteil in Aufsichtsräten gestiegen ist, besteht doch auf Vorstandsebene weiterhin erheblicher Nachholbedarf.

Annika Deutsch, Partnerin Audit & Assurance, Deloitte Deutschland