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Nicht­prü­fungs­leist­ung­en unter die Lupe ge­nommen

Mit der EU-Auditreform im Jahr 2014 gelten nun mehr neue Spielregeln für die Erbringung von Nichtprüfungsleistungen durch den gesetzlichen Abschlussprüfer

VON CHRISTOPH B. SCHENK, MANAGING PARTNER | AUDIT CORPORATES, DELOITTE

EU-Auditreform

Die EU-Auditreform regelt rund um die Abschlussprüfungen bei Unternehmen von öffentlichem Interesse – den sogenannten Public Interest Entities (PIEs) – vieles neu. Eine Rotationspflicht gab es in Deutschland bislang nicht, weshalb viele Unternehmen über Jahrzehnte den gleichen Abschlussprüfer beauftragten. Das ist jetzt nicht mehr möglich, weil in bestimmten Abständen ausgeschrieben beziehungsweise gewechselt werden muss. Zusätzlich gibt es unter anderem neue Anforderungen an das Auswahlverfahren des Prüfers und Einschränkungen bei der Erbringung sogenannter Nichtprüfungsleistungen durch den Abschlussprüfer.

Die Reform nimmt gleichzeitig den Aufsichtsrat beziehungsweise den Prüfungsausschuss eines Unternehmens stärker in die Pflicht – insbesondere bei der Überwachung der Abschlussprüfung und der Genehmigung von Nichtprüfungsleistungen.

Nichtprüfungsleistungen

Die Herausforderung, vor der Prüfungsausschüsse von PIEs jetzt stehen, ist, dass sie einen validen Überblick über alle im Konzern beanspruchten Nichtprüfungsleistungen des Abschlussprüfers und seines Netzwerks haben müssen. Dafür ist bei den Unternehmen ein leistungsstarkes Informationsmanagementsystem erforderlich, um relevante Nichtprüfungsleistungen zu melden, zu dokumentieren und zu überwachen. Über Nacht entsteht das natürlich nicht. Deshalb sollten Unternehmen unverzüglich mit der Umsetzung beginnen, sofern sie dafür noch nicht über die erforderlichen Strukturen verfügen.

Auch ist es in diesem Kontext wichtig, dass länderspezifische Unterschiede, etwa in der Spezifizierung der erlaubten Nichtprüfungsleistungen in den einzelnen Mitgliedsstaaten, berücksichtigt werden. Zudem sind bestimmte Regelungen rund um die Nichtprüfungsleistungen auch für von der Muttergesellschaft beherrschte Töchter in einem Drittland gelten zu berücksichtigen. Gerade für Konzerne mit vielen Tochtergesellschaften im Ausland ist dies ein nicht zu unterschätzender Aufwand.

Dabei ist zu beachten, dass bestimmte Nichtprüfungsleistungen bereits in dem Jahr verboten sind, das dem zu prüfenden Geschäftsjahr vorausgeht. Das umfasst Leistungen der Gestaltung und Umsetzung interner Kontroll- oder Risikomanagementverfahren, die bei der Erstellung und/ oder Kontrolle von Finanzinformationen oder Finanzinformationstechnologiesystemen zum Einsatz kommen. Darüber hinaus wird durch die EU-Auditreform auch der Umfang zu erbringender Nichtprüfungsleistungen durch den Abschlussprüfer, nicht seiner Netzwerkgesellschaften, auf maximal 70 Prozent des durchschnittlichen Abschlussprüfungshonorars der vergangenen drei Jahre – allerdings erstmals ab 2020 rückblickend auf die vergangenen drei Jahre - begrenzt. 

Ob die Verabschiedung der Reform letztendlich die Qualität bei Abschlussprüfungen in der EU steigert und die Unabhängigkeit des Abschlussprüfers erhöhen wird, bleibt abzuwarten. Aktuell führen die vielen nationalen Besonderheiten bei der Umsetzung eher zu einem regulatorischen Flickenteppich.

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