Risikomanagement und Unternehmenssteuerung

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Risikomanagement und Unternehmenssteuerung

Notwendigkeit, Leistung und Mehrwert des IDW PS 981

Risikomanagement ist eine Kerntätigkeit unternehmerischen Handelns und wichtiger Bestandteil der Corporate Governance. Informationen zu den Risiken, die den Unternehmenserfolg gefährden, sind bereits bei der Unternehmensplanung zu berücksichtigen. Die konzeptionelle Ausgestaltung und Wirksamkeit des Risikomanagementsystems (RMS) haben dabei entscheidenden Einfluss auf die Qualität der nutzbaren Risikoinformationen. Der im April 2017 veröffentlichte IDW PS 981 erlaubt eine ganzheitliche Sicht auf das RMS und hinreichende Prüfungsaussagen zu dessen Angemessenheit und Wirksamkeit.

Mehrwert eines wirksamen RMS für ein Unternehmen

Unternehmenssteuerung bedeutet für den Unternehmer, Ziele hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung des Unternehmens zu setzen, Maßnahmen zur Zielerreichung zu erarbeiten und deren Umsetzung zu steuern. Der Controller steht ihm dabei als Steuermann und interner Berater zur Seite.

Risikomanagement beschreibt den strukturierten Umgang mit Risiken im Sinne positiver und negativer Zielabweichungen auf dem Weg zur Zielerreichung. Ein RMS umfasst dabei die Gesamtheit der Regelungen, die einen systematischen Umgang mit Risiken im Unternehmen sicherstellt. Risikomanagement ist damit eine Kerntätigkeit unternehmerischen Handelns und der Unternehmenssteuerung.

Jenseits gesetzlicher Anforderungen ist die Einrichtung und Überwachung von Regelungen, die einen strukturierten Umgang mit Risiken im Unternehmen sicherstellen, eine betriebswirtschaftliche Selbstverständlichkeit. Die Qualität der aus dem RMS generierten Informationen ist dabei von entscheidender Bedeutung. Eine Überwachung der Angemessenheit und Wirksamkeit des RMS ist daher zielführend.

Wirksamkeitsüberwachung durch den Abschlussprüfer

Der Aufsichtsrat übernimmt dabei eine bedeutende Überwachungsfunktion in Bezug auf das RMS. Gesetzlicher Ausgangspunkt ist die Konkretisierung der Pflichten zur Überwachung der Wirksamkeit von Corporate Governance Systemen gemäß § 107 Abs. 3 AktG, zu denen das RMS zählt.

Der Abschlussprüfer leitet sein Prüfprogramm im Rahmen der risikoorientierten Prüfungsstrategie aus den wesentlichen Geschäftsrisiken und daraus folgenden Fehlerrisiken für den Jahresabschluss ab. Darüber hinaus befasst er sich mit dem Risikomanagement des Unternehmens, wenn er den Lagebericht und das sogenannte Risikofrüherkennungssystem prüft. Diese Prüfungstätigkeit dient zuvorderst ihren eigenen Zwecken und ist daher nur eingeschränkt für die Beantwortung der Frage nützlich, ob das Risikomanagement als Ganzes wirksam ist.

Der IDW PS 981

Um die Lücke zu schließen zwischen der als Nebenprodukt der Abschlussprüfung anfallenden teilweisen Betrachtung des RMS einerseits und dem Bedürfnis andererseits, das RMS gezielt durch einen Wirtschaftsprüfer prüfen zu lassen, hat das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) im April 2017 einen neuen Prüfungsstandard veröffentlicht, nach dem Wirtschaftsprüfer mit der Prüfung aller Bestandteile eines RMS beauftragt werden können.

Der IDW PS 981 beschreibt das Prüfungsvorgehen von Wirtschaftsprüfern bei der Prüfung eines RMS im Bereich strategischer und operativer Risiken. Er definiert für Zwecke der Prüfung die Grundelemente eines RMS und lehnt sich dabei an das COSO-Rahmenwerk zum unternehmensweiten Risikomanagement sowie weitere allgemein anerkannte Standards zur Einrichtung von RMS an.

Nutzen einer Prüfung nach IDW PS 981

Die Grundelemente eines RMS nach dem IDW PS 981 geben dem Prüfer einen Orientie-rungsrahmen, der es ihm ermöglicht, zu prüfende RMS jeweils im unternehmensindividuel-len Kontext zu beurteilen. Dabei wird der Prüfer die angemessene und wirksame Ausgestaltung der Grundelemente jeweils in Bezug auf die für Zwecke der Prüfung definierten Teilbereiche (Risikoarten, Unternehmensprozesse bzw. Organisationseinheiten) des RMS prüfen. Somit wird unabhängig von der Definition der Teilbereiche ein einheitlicher prinzipienbasierter Bewertungsmaßstab definiert und ein vergleichbares und stringentes Prüfungsvorgehen sichergestellt. Darüber hinaus sehen Unternehmen den Nutzen einer Prüfung gemäß IDW PS 981 in der Redukton von Haftungs- und Reputationsrisiken, einer positiven Außendarstellung sowie der Optimierung des RMS in den ausgewählten Teilbereichen. Daneben kann eine Prüfung gemäß IDW PS 981 auch zu einer kontinuierlichen Verbesserung des Controlling-Instrumentariums beitragen.

Fazit

Durch die Fokussierung auf strategische und operative Risiken, die Ausgestaltung der Prü-fung als Systemprüfung sowie die explizite Aussage zur Wirksamkeit des RMS in Bezug auf die für die Prüfung definierten Teilbereiche sind entsprechende nach dem IDW PS 981 durchgeführte Prüfungen geeignet, den Aufsichtsrat bei seiner Wirksamkeitsüberwachung des RMS im Sinne des § 107 Abs. 3 AktG zu unterstützen. Darüber hinaus kann die Anwendung des IDW PS 981 die Außendarstellung des Unternehmens positiv beeinflussen.

Neugierig geworden? Laden Sie hier die Beiträge “Risikomanagement und Wirtschaftsprüfung” sowie “Risikomanagement und Unternehmenssteuerung” von Andreas Wermelt, René Scheffler und Daniel Oehlmann, inklusive einer detaillierten Betrachtung der Elemente eines RMS, herunter.

Mehr zu Risikomanagementsystemen:

Deloitte Risikomanagement Benchmarkstudie 2017:
Ausgestaltungsgrad von Risikomanagementsystemen (RMS) in deutschen Industrieunternehmen vor dem Hintergrund der Anforderungen des IDW PS 981

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