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Private Company Services - die vielseitigen Anforderungen einer Betriebsprüfung

Verfasst von Martina Bader

Der deutschen Finanzbehörde steht das Recht zu, im Rahmen einer Betriebsprüfung bei nahezu jedem steuerpflichtigen Unternehmen die Ermittlung und Beurteilung der steuerlichen Verhältnisse zu prüfen. Dies soll u.a. die Gleichmäßigkeit der Besteuerung sicherstellen. 

Der Umfang der Betriebsprüfung wird von der Finanzbehörde bereits in der schriftlichen Prüfungsanordnung festgelegt. So hat diese sowohl den zeitlichen Umfang, also welche Besteuerungszeiträume geprüft werden sollen, als auch den sachlichen Umfang, also welche Steuerarten geprüft werden sollen, wiederzugeben.

Der Betriebsprüfer hat die tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse, die für die Steuerpflicht und für die Bemessung der Steuer maßgebend sind (Besteuerungsgrundlagen), zugunsten wie zuungunsten des Steuerpflichtigen zu prüfen. Erfahrungsgemäß ist es in der Praxis eher selten, dass eine Prüfungsfeststellung des Betriebsprüfers zum Vorteil des Steuerpflichtigen ergeht.

In der Service Line Private Company Services gehört es zu unseren Aufgaben, Betriebsprüfungen bei unseren Mandanten zu betreuen. Dabei werden wir mit den unterschiedlichsten Fragestellungen bzw. Feststellungen der Betriebsprüfer konfrontiert. Oftmals vertreten wir eine andere Auffassung als die Vertreter der Finanzbehörde. In diesen Konstellationen gilt es, sie von unserem Verständnis mit fachlichen Argumenten zu überzeugen.

Da wir dabei immer wieder auf verschiedene Betriebsprüfer treffen, die in ihrem Wesen und ihren Charakterzügen völlig unterschiedlich sind, ist zum Teil nicht nur die fachliche Expertise gefragt, sondern auch die menschliche Komponente ein entscheidender Faktor. So kann es schon mal vorkommen, dass wir von einem Betriebsprüfer bei einer Besprechung mit Kuchen überrascht werden. Andererseits kann der Aufbau einer angenehmen Arbeitsatmosphäre im Verlauf einer Betriebsprüfung ein schwieriger und längerer Prozess sein.

Am Ende vieler Betriebsprüfungen, die zu Feststellungen geführt hat, erfolgt eine Abschlussbesprechung. In dieser werden sämtliche offenen Feststellungen, also jene bei denen keine Einigung zwischen dem Betriebsprüfer und dem Steuerpflichtigen bzw. seinem steuerlichen Vertreter erzielt wurden, erneut diskutiert. In einigen Fällen führt dies zu hitzigen Diskussionen. I dieser Phase der Betriebsprüfung sind somit neben tiefen steuerlichen Kenntnissen auch zwischenmenschliche Kompetenzen und ein gewisses Verhandlungsgeschick gefragt.

Haben beide Parteien ihre Auffassung der steuerlichen Behandlung dargelegt und konnte keine Einigung im Sinne des Mandanten erzielt werden, wird die Auffassung des Betriebsprüfers im Betriebsprüfungsbericht niedergeschrieben. Dem Steuerpflichtige ist dann das Einspruchs- bzw. Klageverfahren eröffnet.

Martina Bader