Tax Fachbeitrag Verreichnungspreise

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Verrechnungspreisberatung in Zeiten der digitalen Transformation

Verfasst von Björn Heidecke

Ausgangspunkt jeder Verrechnungspreisanalyse ist die Wertschöpfungskette der jeweiligen Konzerne. Wer übernimmt welche Funktionen? Wer trägt welche Risiken? Und welche immateriellen Wirtschaftsgüter sind besonders wichtig? Durch die digitale Transformation kommt es hier zu Änderungen.

Um den steuerlichen Anforderungen zu genügen, müssen die Verrechnungspreise so ausgestaltet sein, dass die Konzerngesellschaften den größten Anteil am Konzerngewinn erhalten, die die wesentlichen Funktionen ausüben, die meisten Risiken tragen und das maßgebliche Know-how besitzen. Das ist plausibel. Wenn sich z. B. ein Hersteller von Gesundheitsdrinks ein nachhaltiges Rezept überlegt und eine Marketingstrategie verbunden mit der Markenführung entwickelt, wird er auf den großen Anteil des Gewinns bestehen. Diesen wird er insbesondere dann fordern, wenn er auch das Risiko verbunden mit den Investitionen trägt. Eine Tochtergesellschaft des Herstellers, z. B. in Frankreich, die letztlich nur die Drinks nach den Vorgaben des Erfinders herstellt und abfüllt, wird mit einer vergleichsweise moderaten Vergütung einverstanden sein, z. B. für die Lieferung der hergestellten Drinks. Die Ermittlung von Verrechnungspreisen – also den Preisen, die sich Konzerngesellschaften in Rechnung stellen - beginnt deshalb immer mit einer umfangreichen Analyse der Wertschöpfungskette verbunden mit der Identifikation der wesentlichen Werttreiber. Dies ist schon für klassische Geschäftsmodelle anspruchsvoll. Ein Industrieverständnis ist hierbei unerlässlich. 

Die digitale Transformation von Wertschöpfungsketten macht die Analyse umso komplexer; sowohl für klassische Unternehmen, die digitalisieren, aber auch für originär digitale Unternehmen. Beispielhafte Fragestellungen zeigen das: Wie etwa ist die Nutzungsüberlassung von Daten im Carsharing zu vergüten? Wem gehört das Know-how in global arbeitenden F+E-Teams mit Mitarbeitern aus verschiedenen Konzerngesellschaften weltweit? Welchen Wert hat die Marke eines Online-Spieleanbieters? Was sind die Werttreiber von Essenslieferdiensten: Die App, der Kundenstamm, der Lieferantenstamm, die Marke oder etwas ganz Anderes?

Die Antworten auf diese Fragen sind noch nicht vorgegeben. Für eine tragfähige Verrechnungspreisanalyse sind die Antworten aber unerlässlich, denn Funktions- und Risikoverteilung sowie die wesentlichen immateriellen Wirtschaftsgüter sind auch in der digitalen Transformation Grundlage der Verrechnungspreisbildung. Wir bei Deloitte versuchen, auf diese Fragen Antworten zu finden und sie gemeinsam mit unseren Mandanten zu diskutieren. Sich in digitale Geschäftsmodelle mit Ihren Werttreibern einzuarbeiten und im Team Lösungen zu entwickeln ist anspruchsvoll – aber es wird auch nie langweilig.

Dr. Björn Heidecke - Transfer Pricing Experte

Dr. Björn Heidecke ist Senior Manager im Fachbereich Transfer Pricing bei Deloitte. Er berät Mandanten aus allen Industrien in Fragen der steuerlichen Verrechnungspreise. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf Bewertungen von immateriellen Wirtschaftsgütern wie Marken und Technologien für Transfer Pricing Zwecke und der ökonomischen Modellierung von Verrechnungspreissystemen. Er publiziert regelmäßig in Fachzeitschriften und ist Dozent für Verrechnungspreisfragen. Als Thought Leader beteiligt er sich an Diskussionen zu aktuellen politischen Entwicklungen im Bereich der Verrechnungspreise.  

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