Women @ Deloitte Erfahrungsberichte

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Women @ Deloitte   

Personal Story Cornelia Tauber

Cornelia Tauber, Director im Bereich Audit & Assurance

„Es ist ein unfassbar spannender Beruf, kein Tag ist wie der andere, man lernt andauernd dazu und es gibt bei Deloitte sehr viele Karrierechancen.“

In vielen Businesses ist der Männeranteil größer als 50 % - wirkt sich dies auf das tägliche Miteinander-Arbeiten für Sie aus? Umgangston, Umgangsformen, Flexibilität, Verständnis für Beruf und Familie?

Dies erlebe ich oft auf Mandantenseite und auch bei Deloitte. Meine Mandanten bzw. Kollegen sind stets sehr zuvorkommend und zeigen ihre Wertschätzung, wenn mehr und mehr Frauen ihre fachliche Expertise einbringen. Für ein Projekt hat ein gemischtes Team viele Vorteile und nur gemischte Teams führen meiner Ansicht nach langfristig zum Erfolg. Wenn Frau sich in der Situation der Minderheit in einem Team befindet, sollte man darauf achtgeben nicht automatisch in die Rolle der Organisationsverantwortlichen oder der Schreibkraft zu fallen - wie es vielleicht in früheren Rollenmodellen der Fall war -, sondern in gleicher Weise Projektmitglied und Inputgeber im Lead zu werden.

Wie stehen Sie zur Frauenquote?

Früher war ich strikt gegen die Frauenquote. Mittlerweile bin ich der Meinung, dass die Quote am Anfang notwendig ist, damit der „Männerspielplatz“ für Frauen geöffnet wird. Ich selbst arbeite in einer stark von Männern dominierten Umgebung, da müssen Frauen erst einmal ihren Platz finden und auch Karrierechancen bekommen. Nicht selten sind Männer noch etwas voreingenommen und haben zu wenige Erfahrungen mit erfolgreichen Frauen, die eine aktive Rolle im Projekt übernehmen. Für den Start hilft dort sicherlich eine Quote, danach sollte und muss es ohne gehen. Es ist statistisch belegt, dass Frauen die besseren Schulabschlüsse und Universitätsabschlüsse machen, Qualität setzt sich durch.

Bei uns im Bereich starten als Berufseinsteiger mehr Frauen als Männer. Leider verlieren wir dann viele gute junge Kolleginnen, wenn es um die Berufsexamen geht (zum Wirtschaftsprüfer), mit dem Argument, dass sich die Kolleginnen eine Vereinbarkeit mit Beruf und Familie schwer vorstellen können. Das ist wirklich sehr schade, da der Beruf zum einen sehr spannend ist und zum anderen die Flexibilität des Berufs hoch ist und von uns als Führungskräften klar unterstützt wird. Ich würde mich freuen, wenn meine Kolleginnen häufiger und frühzeitig ihre Ideen und Erwartungen einbringen, damit wir mögliche Zweifel zur Vereinbarkeit aus dem Weg räumen können.

Wie würden Sie insbesondere junge Bewerberinnen motivieren, bei uns einzusteigen?

Wir müssen vor allem darauf aufmerksam machen, dass es eine Vielzahl von flexiblen Möglichkeiten gibt. Es ist ein unfassbar spannender Beruf, kein Tag ist wie der andere, man lernt andauernd dazu und es gibt bei Deloitte sehr viele Karrierechancen. Vereinbarkeit muss man fordern und hierzu einen Plan für sich selbst haben. Ich habe noch nie einen Vorgesetzten gehört, der „nein“ gesagt hat. Aus meiner Erfahrung ist es wichtig klar seine Position zu erläutern, seinen Plan darzustellen und dann natürlich die Selbstorganisation. Wir haben durch unsere Audit-Software und unsere Infrastruktur alle Möglichkeiten, interessante Aufgaben und Flexibilität. Natürlich sind Zeiten vor Ort beim Mandanten unerlässlich – und nicht zuletzt arbeiten wir in einem Team und hier muss auch ein Austausch stattfinden, doch ich denke, kein Mitarbeiter möchte nur noch zu Hause im Home Office arbeiten. Die Arbeit beim Mandanten im Team ist zu spannend und es gibt nichts Interessanteres als z. B. eine Werksführung oder eine Inventurbeobachtung. Und hier gilt oben Gesagtes: Organisation ist alles – und gerade weibliche Kolleginnen beherrschen die Organisation sehr gut.

Wie wichtig ist Flexibilität für Sie?

Sehr wichtig. Deloitte ist in den letzten Jahren deutlich flexibler geworden. Neue Strukturen des Arbeitens (bspw. Home Office), Weiterentwicklungen von Software (bspw. bei uns im Audit) oder auch die Führungsmentalitäten haben sich dahingehend sehr positiv verändert. Wenn es möglich ist, dann gebe ich meinen Mitarbeitern viel Freiraum. Jeder von uns ist erfahren und professionell genug, um sich seine Arbeit einzuteilen und zu strukturieren. Es bleibt aber natürlich immer eine Frage des individuellen Teams, des Projekts und der internen Zusammenarbeit und Abläufe.

Was würden Sie anders machen, wenn Sie nochmal von vorne anfangen könnten?

Ich hatte – im Nachhinein betrachtet – eine große Chance meine Comfort Zone zu verlassen und mich in einem neuen Umfeld zu beweisen. Dies führte für mich dazu, meinen bequemen „Beifahrersitz“ zu verlassen und mir viel mehr zuzutrauen, als ich das jemals gedacht hatte. Während dieser Phase habe ich mich stark weiterentwickelt. Veränderungen bringen tolle Möglichkeiten mit sich und diese sollte man frühzeitig wahrnehmen und neue Potentiale ausschöpfen. Somit würde ich früher versuchen meine Comfort Zone zu verlassen, wenn ich nochmal von vorne anfangen könnte.

Welchen Tipp haben Sie für junge Kolleginnen und Kollegen?

Ein Tipp ist sicherlich, Themen aktiv anzusprechen beziehungsweise Dinge einzufordern und mit konkreten Vorschlägen um die Ecke zu kommen. Frauen wollen oft am liebsten 120%-Lösungen liefern. Aber Perfektionismus ist nicht immer ideal.

Junge Kolleginnen unterschätzen sich und ihre Arbeit bzw. Leistung eher, weshalb sie bestimmte Dinge nicht einfordern. Noch dazu verkaufen sich viele Frauen unter Wert. Mein Motto ist: „Wer nicht fragt, der nicht gewinnt“. Man muss selbst Entwicklungsvorschläge machen und dann kommen die Entwicklungsschritte. Proaktiver agieren – das empfehle ich jedem.

Welche persönlichen Erfolgsrezepte haben Sie bezüglich Zeitmanagement, Priorisierung, raus aus der Perfektionsfalle?

Meiner Meinung nach müssen Frauen sich davon lösen, überall perfekt zu sein und nicht immer das Haar in der Suppe zu suchen. Mann bzw. Frau muss sich gut verkaufen können. Ich habe gelernt, selbstbewusster zu sein und auch Aufgaben zu delegieren und Vertrauen in mein Team zu haben.  

Zeitmanagement ist immer ein Thema. Unser Projektbusiness ist durch enge Termine, straffe Anforderungen und eine enge Abstimmung gekennzeichnet. Wichtig ist hier, dass das Team von Anfang an die Timeline kennt und man das große Projekt in Teilprojekte mit kürzeren Due Dates aufteilt. Dabei muss jedes Teammitglied für sich organisieren, wie das Teilprojektziel erreichbar ist. Ich bin ein Freund der eigenverantwortlichen Zeiteinteilung. Wichtig ist mir nur, dass Mitarbeiter frühzeitig kommunizieren, wenn es zu zeitlichen Verzögerungen kommt, damit ich hier entsprechend reagieren kann.

Wie wichtig ist ein gutes Netzwerk für Sie? Wie pflegen Sie dieses?

Um ehrlich zu sein, habe ich die Bedeutsamkeit eines Netzwerkes lange unterschätzt. Nun weiß ich aber, wie wichtig das ist, und pflege mein internes und auch externes Netzwerk sehr. Das macht auch sehr viel Spaß. Es ist extrem wichtig, vernetzt zu sein und innerhalb der Organisation als Fachexperte für seine Themen bekannt zu sein bzw. auch die entsprechenden Experten zu kennen, wenn man Unterstützung benötigt. Lunch-Termine mit Kollegen oder Mandanten zu vereinbaren oder auch zu unseren Stammtischen zu gehen (z. B. Director´s Stammtisch) gehört für mich dazu.

Wie wichtig sind persönliche Unterstützer bzw. Mentoren dafür, beruflichen Erfolg zu haben?

Nur mit einem Netzwerk und persönlichen Unterstützern kommt man wirklich weiter. Daher ist es sehr wichtig, sich innerhalb des Unternehmens zu vernetzen. Ein solches Netzwerk hilft einem auch, sich persönlich weiterzuentwickeln. Man lernt unterschiedliche Menschen aus unterschiedlichen Funktionen kennen, mit sehr diversen Sichtweisen. Nur mit einem solchen Austausch lernt man auch sein Unternehmen vollumfänglich kennen. Ein Netzwerk birgt soviel Positives, unter anderem einen kurzen Dienstweg, der einem schnell zu Lösungen verhilft. Wir haben für jedes Themengebiet einen Ansprechpartner bei Deloitte, das erleichtert einem die tägliche Arbeit sehr.

Persönliche Unterstützer, insbesondere bei der Weiterentwicklung in Folgepositionen, sind sehr wichtige und hilfreiche Ratgeber, persönlich und beruflich. Man kann sehr viel von anderen erfahrenen Führungskräften lernen und dies an jüngere Talente weitergeben.

Gab es Momente oder Entscheidungen in Ihrer Karriere, die sich im Nachhinein als besondere Wendepunkte herausgestellt haben? Welche waren das?

Nach zehn Jahren aus dem Industriebereich des Audits ins FSI Team (Bankenprüfung) zu wechseln, war ein sehr großer Schritt und eine deutliche Veränderung für mich; rückblickend aber eine wichtige Herausforderung. Hier konnte ich mich persönlich sehr entwickeln und habe meine Comfort Zone sicherlich mehrmals verlassen und sehr positive Erfolgserlebnisse gehabt. Dadurch habe ich mehr Selbstvertrauen gewonnen und konnte mich als Führungskraft entwickeln. Dass ich mich dann proaktiv wieder für ein großes Industrieprüfungsmandat in Stellung gebracht habe und mir das zutraute, war sicherlich auch darauf zurückzuführen.

Cornelia Tauber