Women @ Deloitte Erfahrungsberichte

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Women @ Deloitte   

Personal Story Katrin Rohmann

Katrin Rohmann, Partnerin und Public Sector Lead Germany im Bereich Audit Financial Solutions Industry

„Bei uns wird man in keine Schiene gepresst, sondern kann seinen Lebensweg selbst gestalten – das Karriere-Modell und fachliche Inhalte, wie auch das private Leben, welches Familie und Freunde umfasst.“  

In vielen Businesses ist der Männeranteil größer als 50 % - wirkt sich dies auf das tägliche Miteinander-Arbeiten für Sie aus? Umgangston, Umgangsformen, Flexibilität, Verständnis für Beruf und Familie?

Ich persönlich finde, dass sich der hohe Männeranteil insgesamt und vor allem in Führungspositionen noch stark im täglichen Arbeitsleben widerspiegelt, zum Beispiel im Umgang miteinander. Ich erlebe aber auch immer mehr, dass die Frage nach Vereinbarkeit von Beruf und Familie zunehmend von Männern kommt und diese gleichermaßen Support erfahren möchten, um Beruf und Freizeit für ihre Familie und Kinder zu vereinen.

Wie stehen Sie zur Frauenquote?

Grundsätzlich empfinde ich die Frauenquote als positiv, obwohl ich anfänglich dagegen war, da sie häufig auch zu einer falschen Wahrnehmung von Frauen in Führungspositionen führt. Da der kulturelle Wandel allerdings recht lange dauert, sehe ich es als förderlich an, dass sich Unternehmen zu einer Frauenquote verpflichten. Für mich ist zum Beispiel die quotale Beförderung bereits in den Junior-Levels ein gutes Mittel, um langfristig eine gut gefüllte Pipeline für Führungskräfte aufzubauen. So kann ein Kulturwandel herbeigeführt werden.

Wie würden Sie insbesondere junge Bewerberinnen motivieren/ansprechen, bei uns einzusteigen?

Wenn ich mit jungen Bewerberinnen spreche, versuche ich immer die spannenden Themen und den Freiraum zur Mitgestaltung bei Deloitte zu betonen. Bei uns wird man in keine Schiene gepresst, sondern kann seinen Lebensweg selbst gestalten – das Karriere-Modell und fachliche Inhalte, wie auch das private Leben, welches Familie und Freunde umfasst.  

Wie wichtig ist Flexibilität für Sie?

Für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist es das A und O. Insbesondere am Anfang muss man sich als Frau dafür einsetzen, sich den nötigen Freiraum und die Flexibilität zu schaffen. An einigen Stellen ist es hilfreich, sich ein „dickes Fell“ zuzulegen.

Welche persönlichen Erfolgsrezepte haben Sie bezüglich Zeitmanagement, Priorisierung, raus aus der Perfektionsfalle?

Man muss seinen eigenen Weg gehen. Dabei ist es wichtig, nicht zu versuchen, sich der Welt der männlichen Kollegen oder an Kolleginnen ohne Kinder anzupassen. Um auf gegenseitiges Verständnis zu stoßen und sein individuelles Modell aus Beruf und Familie leben zu können, ist es enorm wichtig, Dinge zu erläutern, zu besprechen.

Wie wichtig ist ein gutes Netzwerk für Sie? Wie pflegen Sie dieses?

Ein gutes Netzwerk ist sehr wichtig. Externe Netzwerke ermöglichen es, sich kontinuierlich über neue Entwicklungen am Markt zu informieren und neue Ideen aufzuschnappen. In einem solchen Umfeld können gleichzeitig belastbare Beziehungen aufgebaut werden, aus denen im Nachgang Geschäfte generiert werden können. Entscheidend ist, dass man eine persönliche Bindung mit den Menschen in seinem Netzwerk aufbaut. Insbesondere im Beratungsumfeld ist dies sehr wichtig. Es geht darum, anderen zu helfen und wertvolle Kontakte aufzubauen. 

In gleichem Maße ist ein internes Netzwerk wichtig. Man sollte für sich beantworten, wer seine Peers sind und welche interessanten Führungspersönlichkeiten es gibt, denen man im Sinne eines Role Models folgen kann.

Ich bin schon lange in verschiedenen Frauennetzwerken aktiv und habe auch selbst eins gegründet - für Frauen in Bankvorständen. Dieses Netzwerk läuft sehr gut - im Wesentlichen geht es darum, sich auszutauschen und zu erfahren, wie andere ihr Leben managen und gewisse Themen vereinbaren.

Wie wichtig sind persönliche Unterstützer bzw. Mentoren dafür, beruflichen Erfolg zu haben?

Für mich sind persönliche Unterstützer/Mentoren ungeheuer wichtig. Diese sind zum einen die direkten Vorgesetzten, die einem den nötigen Freiraum geben müssen, selber etwas aufzubauen und einen dabei unterstützen. Zum anderen aber auch der Kontakt zu anderen Führungskräften, sozusagen über den Tellerrand hinaus, um vielfältige Lösungsansätze kennenzulernen. Dies kann in Mentoren-Programmen aber sehr gut auch einfach informell erfolgen.

Wussten Sie schon immer, dass Sie Kinder und Karriere wollen, oder sind Sie in beides „hineingewachsen“?

Ich war damals die erste Partnerin bei Deloitte, die ein Kind bekommen hat. Dieses hat unser Unternehmen damals vor ganz neue Herausforderungen in Bezug auf Vertragsformalitäten und Mutterschutzregelungen gestellt. Insbesondere in den letzten Jahren haben wir diesbezüglich einen Kulturwandel durchlebt und können unseren Mitarbeiterinnen heute ganz andere Möglichkeiten und Unterstützung anbieten. Dabei werden interne Regelungen und Modelle immer wieder neuen Lebensweisen angepasst und individuelle Lösungen für unsere Talente gesucht. In diesem Zusammenhang finde ich Rollenmodelle besonders wichtig, damit sich junge Kolleginnen identifizieren können und Anregungen bekommen, wie andere ihren Karriere-Alltag gestalten. Bei uns werden Führungsaufgaben mit Kind immer individuell gelöst, da jede Familie ihr eigenes Betreuungskonzept hat und sich dadurch ganz unterschiedliche und individuelle Anforderungen ergeben.

Welche Herausforderungen bringt es mit sich, Kinder mit einem anspruchsvollen Job zu vereinbaren und wie lösen Sie diese?

Die größte Herausforderung liegt meiner Meinung nach darin, dass man ständig gezwungen wird, die Prioritäten neu zu bestimmen. Was eben wichtig war, ist sofort anders, wenn das Kind beispielsweise plötzlich krank wird oder nicht abgeholt werden kann. Organisieren und Priorisieren bekommen in diesem Zusammenhang schnell eine neue Bedeutung. Das schult auch für die Aufgaben im Job.

Welches Betreuungskonzept haben Sie für Ihr Kind?

Ich bin bereits nach vier Monaten mit Teilzeit-Tätigkeit zurückgekommen und habe dann schnell wieder aufgestockt. Für die Betreuung meines Sohnes konnte ich auf eine Kinderfrau, eine Oma sowie Kinderkrippe und danach Kindergarten zurückgreifen. Welches Betreuungskonzept eine Familie wählt, ist aber sicherlich auch eine Frage des Familieneinkommens. Nachdem ich einige Zeit Vollzeit gearbeitet hatte, habe ich bewusst wieder auf 80 % reduziert, um mich anderen Prioritäten zu widmen. Dank unserer Strukturen wird mir diese Flexibilität gegeben. 

Katrin Rohmann