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„The Future of Automotive Sales & Aftersales“ (Deutschland)

Analyse des Einflusses von Industrietrends auf die Umsätze und Gewinne von Automobilherstellern bis 2035

Die deutsche Automobilindustrie steht vor einer monumentalen Herausforderung. Megatrends wie Konnektivität, alternative Antriebe, nutzungsbasierte Mobilität und autonomes Fahren werden die Zukunft des Automobilvertriebs neu definieren. Das Ziel unserer Studie ist es, ganzheitlich den Einfluss dieser Industrietrends auf die Umsätze und Gewinne eines Automobilherstellers in Deutschland herauszustellen. Hierzu schauen wir auf einen Zeithorizont bis 2035 und zeigen konkreten Handlungsbedarf für Automobilhersteller über alle Geschäftsfelder auf.

Mit über 830,000 Beschäftigten hat die Automobilindustrie eine herausragende Bedeutung in der deutschen Wirtschaft und der Blick in die Zukunft stellt die Branche vor wichtige Fragen:

  • Wird der Automobilvertrieb zukünftig “online” stattfinden oder werden Kunden weiterhin traditionell im stationären Handel einkaufen?
  • Werden Automobilhersteller mit einer neuen Konkurrenz aus der Technologiebranche in einer zukünftigen Mobilitätswelt Schritt halten können?
  • Welchen Einfluss hat die zunehmende Vernetzung von Kunden auf das Vertriebsnetz mit derzeitig ungefähr 36,700 Händlern und Servicepartnern in Deutschland?
  • Welchen Einfluss wird der zunehmende Einsatz von alternativen Antrieben auf das Aftersales-Geschäft der Hersteller haben?

Wenn derzeitige Trends das traditionelle Automobilgeschäft in Frage stellen und neue Geschäftsfelder entstehen: Sollen Automobilhersteller in diesen aktiv werden, Allianzen mit neuen Partnern bilden oder sich vollständig enthalten?
 

Megatrends in der Automobilindustrie

In unserer Studie prognostizieren wir die Entwicklung aktueller Industrietrends bis 2035:

  • Konnektivität
    Wir gehen davon aus, dass im Jahr 2035 jedes Fahrzeug Daten senden und empfangen kann und bei mindestens 32% aller Neuzulassungen die Gesamtheit aller Konnektivitätsfunktionen integriert sein wird. Der Großteil der Konsumenten wird außerdem “online” kaufen und vernetzte Anwendungen gewinnen an Bedeutung.
  • Alternative Antriebe
    Wir erwarten, dass zukünftig verschiedene Antriebsformen koexistieren und mindestens 40% aller Neuzulassungen im Jahr 2035 mit alternativen Antrieben verkauft werden. Der Einsatz von alternativen Antrieben wird insbesondere von sinkenden Produktionskosten, lokaler und EU Regulatorik, Ladeinfrastruktur und steigender Leistung getrieben.
  • Nutzungsbasierte Mobilität
    Durch den Rückgang vom privatem Fahrzeugbesitz erwarten wir, dass Fahrzeuge im Jahr 2035 stärker ausgelastet werden. Flottenkunden werden für die meisten Automobilhersteller das größte Kundensegment darstellen und Mobilitätsdienste werden insbesondere durch das autonome Fahren einen starken Anschub erleben.
  • Autonomes Fahren
    Die größte Hürde liegt zwischen ADAS (Advanced Driver Assistance Systems) Level 3 und Level 4. Wir schätzen, dass sich Level 4 und Level 5 Fahrzeuge erwartungsgemäß von derzeit 0% auf einen 5% Anteil an Neuzulassungen im Jahr 2035 erhöhen.
     

Quantitativer und qualitativer Evaluierungsansatz (für eine größere Ansicht bitte auf das Bild klicken)

Zentrale Erkenntnisse der Studie: Was bringt die Zukunft?

Übergreifend lässt sich zusammenfassen, dass traditionelle Geschäftsfelder wie der klassische Fahrzeugverkauf und das Aftersales Geschäft bis 2035 massiv zurückgehen. Der Umsatz mit Finanzdienstleistungen wird erwartungsgemäß weiter steigen und neue Geschäftsfelder mit Mobilitätsdienstleistungen oder „Car as a Platform“ bergen hohes Umsatzwachstum, können aber die Verluste in traditionellen Geschäftsfeldern ohne tiefgreifende Unternehmenstransformation nicht kompensieren.
Aus einer Gesamtmarktbetrachtung wird der Neuwagen- und Gebrauchtwagenverkauf in Deutschland bis 2035 um 16% zurückgehen. Bei Neuwagenverkäufen erwarten wir einen Umsatzrückgang von 7% (12% Volumenrückgang), getrieben vor allem von sozialökonomischen Faktoren wie einem zunehmenden durchschnittlichen Bevölkerungsalter.
Das Aftersales-Geschäft wird in seiner derzeitigen Struktur stark unter der zunehmenden Durchdringung von alternativen Antrieben leiden, welche 12% des derzeitigen Gesamtdeckungsbeitrags der Automobilhersteller gefährdet. Umsätze und Gewinne werden im Bereich Wartung und Instandhaltung am stärksten einbrechen, doch auch die Bereiche Unfall, Reparatur, Verschleiß und Zubehör werden negativ durch Industrietrends und eine insgesamt kleiner werdende Fahrzeugflotte beeinflusst.
In den traditionellen Geschäftsfeldern sind die Implementierung eines Direktvertriebs und die Umstrukturierung des stationären Vertriebsnetzes überfällige Sofortmaßnahmen, um vor allem Flotten- und Onlinekunden entsprechend zu bedienen.
Das Geschäft mit der Fahrzeugfinanzierung erlebt ein konstantes Wachstum im traditionellen Leasing und Kreditgeschäft sowie neue Umsätze mit der Bereitstellung der Zahlungsabwicklung für verschiedene „Car as a Platform“- und Mobilitätsdienstleistungen. Optimiertes Restwertmanagement und neues Geschäftsmodelle in der Wiedervermarktung von Gebrauchtwagen tragen elementar zum Gesamtumsatzwachstum von erwartungsgemäß 31% bei.
 

Wachstumsmöglichkeiten in neuen Geschäftsfeldern?

Neue Geschäftsfelder wie „Mobility as a Service“ oder „Car as a Platform“ werden voraussichtlich rapide wachsen: Mit einer zunehmenden Anzahl an Fahrzeugen im Flottenkundenbesitz, werden zum Beispiel Umsätze im Flottenmanagement steigen. Starkes Umsatzpotenzial in der Personenbeförderung ergibt sich für Automobilhersteller aber erst, wenn Industrietrends stark eintreten. Dann wird das Gesamtmarktpotenzial alleine für Robo-Taxis und Robo-Shuttles in Deutschland auf 16,7 Mrd.€ geschätzt.

Eine erzwungene Transformation hinein in die neuen Geschäftsfelder, im schlimmsten Fall unter Vernachlässigung der traditionellen Geschäftsfelder, kann nicht jedem Automobilhersteller empfohlen werden. Gerade Mobilitätsdienstleistungen, die nah am Endkonsumenten stattfinden, werden sich mit hoher Wahrscheinlichkeit bis 2035 einer kompetitiven „Winner takes all“ Marktdynamik ausgesetzt sehen, und eine holistische und investitionsaufwändige Portfoliostrategie ist notwendig, um Profitabilität zu erreichen und zukünftigen Endkonsumentenbedürfnissen zu entsprechen.
Direkte Umsätze mit „Car as a Platform“ Diensten wie “value-added services” oder Datenmonetarisierung bergen vielleicht nicht das oft vermutete Umsatzpotenzial, dennoch sind Investitionen in vernetzte Anwendungen in jeder Hinsicht dringend notwendig, um Umsätze in allen anderen Geschäftsfeldern einzufangen und Gewinne zu optimieren.


Sie können die Studie hier herunterladen, um mehr über die Zukunft des Automobilvertriebs zu erfahren.