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Schulterblick bei der Schülerfirma bullerBuxe

Wie läuft ein JUNIOR Schülerunternehmen in Zeiten von Corona? Im Interview mit Lina, Lilli und Rocco

Seit vielen Jahren unterstützt die Deloitte-Stiftung die JUNIOR Programme. Schülerinnen und Schüler gründen und führen für ein Schuljahr lang ein Unternehmen und erlangen dabei Einblicke in unternehmerische Prozesse – von der Produktentwicklung über die Finanzierung bis hin zu der Vermarktung. Seit Start des Schuljahres 2020/2021 geschah das alles unter besonderen Bedingungen: Lockdown und Wechselunterricht erschwerten die Kommunikation unter den jungen UnternehmerInnen und stellten sie vor neue Herausforderungen. Den Umständen zum Trotz haben die Schülerfirmen bereits viel geleistet. Wir wollten wissen: Wie läuft eine Schülerfirma in Zeiten von Corona?

Die Schülerfirma der aktuellen Q1 des Max-Plank-Gymnasiums aus Düsseldorf stellt aus ungenutzten Jeans praktische Accessoires her und macht somit aus Altem Neues. Das bullerBuxe-Team besteht aus neun engagierten SchülerInnen. Interviewen durften wir Lilli und Lina, die beiden bilden die Geschäftsführung. Unterstützt wird die Schülerfirma von ihren Wirtschaftspaten Rocco und Chao, Mitarbeitern von Deloitte.

Wie seid ihr auf die Idee eures Produkts und den Namen „bullerBuxe“ gekommen?

Selbst bei der Idee hatten wir schon einen kleinen Corona-Einfluss. Jeder hat die Zeit im Lockdown genutzt um seine Klamotten auszumisten, viel Altes wurde aussortiert. Wir wollten ein Produkt herstellen, welches universell, genderneutral und altersneutral ist. So haben wir uns zunächst auf das
Material, den Jeansstoff geeinigt. Anschließend haben wir Ideen entwickelt, welche Produkte man daraus herstellen kann. Entschieden haben wir uns für einen Shopper, eine All-Zweck-Tasche sowie Untersetzer, um auch die Nähte der Jeans zu verwenden. Wir versuchen alles aus der Jeans rauszuholen und weiter zu verwerten, damit möglichst wenig Abfallprodukte entstehen.

Mit dem Namen unseres Unternehmens stellen wir einen lokalen Bezug her und verweisen gleichzeitig auf das Material unserer Produkte. „Buxe“ ist umgangssprachlich für Hose und „buller“ ist rheinländisch und bedeutet ausgebeult.

Worauf seid ihr besonders stolz? Was war euer persönliches Highlight?

Stolz sind wir erstmal darauf, dass wir es geschafft haben, die Gründung in einer Pandemie erfolgreich zu vollziehen und jetzt beim Landeswettbewerb am 10. Mai 2021 antreten zu können, weil natürlich viele Angebote wegfallen, die uns sonst zur Verfügung gestanden hätten, wie beispielsweise Schülermessen.

Unser persönliches Highlight war der WDR-Beitrag im Januar, für den Lilli live im Studio ein Interview gegeben hat. In dem Video konnten wir einen Einblick in unsere Produktion geben. Nach dem Auftritt gab es eine hohe Zahl an Anfragen und viel positives Feedback, insbesondere wegen des Nachhaltigkeitsgedanken unseres Produkts. Es war super interessant, einen Einblick in das Lokalfernsehen zu bekommen, wo die Produktion auch unter Corona-Bedingungen umgesetzt wird.

Was war die größte Schwierigkeit, die ihr überwunden habt? Was sind die kleinen Herausforderungen im Corona-Alltag?

Unsere größte Herausforderung waren unsere Absprachen. Vor allem im Lockdown zur Weihnachtszeit, in der unser Geschäft am meisten geboomt hat. Weil wir unsere Produktion aufgeteilt haben – die einen schneiden das Material zu, die anderen nähen die Produkte zusammen – mussten wir uns für die Übergaben außerhalb der Schulzeit treffen. Auch zurzeit gibt es nur Wechselunterricht, das heißt aus jeder Stufe ist immer nur die Hälfte der SchülerInnen in der Schule anwesend und das wird sich auch in nächster Zeit nicht so schnell ändern.

Was konntet ihr von euren Wirtschaftspaten Rocco und Chao lernen?

In mehreren Videokonferenzen wurde anfangs erstmal eine Struktur ins Unternehmen gebracht. Ein Tipp zur Herangehensweise war, Probleme zu erkennen, diese dann zu fixieren und Lösungswege zu finden. Außerdem haben unsere Wirtschaftspaten uns nahegelegt, ein langfristiges Denken zu etablieren. Beispielsweise hatten wir vorher nie darüber nachgedacht, was passiert, wenn plötzlich kein Material mehr vorhanden ist. Jetzt haben wir jemand in unserem Unternehmen dafür beauftragt, der sich langfristig darum kümmert und verhindern soll, dass ein Engpass entsteht.

Unterstützung im Speziellen gab es bei der Gestaltung der Flyer. Rocco und Chao haben uns geraten nicht so lange Texte zu verwenden, da das die Leute eher langweilt. Auch im Marketingbereich, also in der Erarbeitung einer konkreten Marketingstrategie, konnten sie uns weiterhelfen.
Eine große Hilfe waren die beiden außerdem bei der Erstellung des Geschäftsberichtes für den Landeswettbewerb. Dort haben sie uns stets Feedback gegeben, das Ganze auch sehr kurzfristig.

Wie geht es jetzt für euer Schülerunternehmen weiter? Was sind die nächsten Meilensteine, die ihr erreichen wollt?

Wir stehen grade kurz vor dem Landeswettbewerb, bei dem wir gegen fünf andere Schülerunternehmen antreten. Falls wir diesen gewinnen, können wir danach am Bundeswettbewerb, welcher am 15. Juni stattfinden wird, teilnehmen und dann gibt es sogar den Europawettbewerb. Aber wir fixieren uns jetzt erstmal auf den Landeswettbewerb.

Außerdem haben wir ein Spendenprojekt angefangen. Unser Plan ist es, am Ende des Jahres den Gewinn an das Kinderhospiz Regenbogenland zu spenden. Wir haben uns für eine soziale Hilfe entschieden, da wir den ökologischen Aspekt bereits durch unsere Produktidee bedienen und wir Kinder und Jugendliche in unserem Alter nicht allein lassen möchten. Wir möchten sie unterstützen, sodass sie in der letzten Zeit begleitet werden. Spenden also von Kindern für Kinder.

Unser Projekt endet mit dem Schuljahr im Juni 2021, danach gibt es die Möglichkeit die Schülerfirma auf eigene Faust weiterzuführen, ob wir das machen werden, überlegen wir zurzeit noch.

Die Schülerfirmen werden von WirtschaftspatInnen aus bereits „etablierten“ Firmen begleitet. Darunter engagieren sich jedes Jahr ca. 30 MitarbeiterInnen von Deloitte. Rocco und Chao unterstützen seit ihrer Gründung die Schülerfirma „bullerBuxe“. Rocco gibt uns einen Einblick in seine Erfahrung als Wirtschaftspate:

Wie oft findet ein Austausch zwischen euch und den SchülerInnen statt? Beschreibe ein typisches Treffen?

Wir haben uns darauf geeinigt, dass wir einmal im Monat einen Status-Call durchführen, um zu schauen, wo die SchülerInnen stehen und an welchen Stellen wir ihnen weiterhelfen können. Aufgrund von Corona war es leider nicht möglich ein persönliches Treffen zu organisieren, dennoch konnten wir uns sehr gut über den digitalen Weg austauschen und lernten in diesem Zuge auch das
gesamte Projektteam kennen. Die SchülerInnen hatten unsere Kontaktdaten und wir haben ihnen erlaubt, uns zu kontaktieren, wenn sie Fragen haben, der Schuh drückt und sie unseren Rat benötigen. Besonders zum Start in der Findungsphase und denn bei der Umsetzung wurde dieses Angebot genutzt.

Wie bringst du dich als Wirtschaftspate in das Projekt ein? Was sind deine Aufgaben und inwiefern kannst du die SchülerInnen durch deine Erfahrung unterstützen?

Nun als Wirtschaftspaten unterstützen wir bei allen Fragestellungen. Der Schritt zur Gründung ist ein sehr wichtiger, um eine Struktur in das ganze Projekt zu bringen. Besonders SchülerInnen, die noch nicht mit dem beruflichen Alltag vertraut sind, haben zu Beginn ganz viele Fragezeichen und fragen sich, wo und wie sie denn starten sollen. Wir sind alle Aufgaben und Verpflichtungen eines Unternehmens gemeinsam durchgegangen. Dabei haben wir gezielt Fragen gestellt, um die SchülerInnen zum Nachdenken anzuregen. Wir konnten viele Beispiele aus unserem Unternehmensalltag einbringen, um anschaulich zu bleiben und den SchülerInnen ein besseres Verständnis vermitteln zu können. Entsprechend haben wir alle Fragen gemeinsam diskutiert und immer wieder einen kleinen Exkurs in die Praxis unternommen.

Trotzdem wollten wir den SchülerInnen nicht immer die Lösungen auf dem Tablett servieren, sondern wollten sie ermuntern die Lösungen eigenständig durch unsere Hinweise zu erarbeiten. Diese Taktik ist aufgegangen, die Probleme wurden gelöst und die Ergebnisse sprechen für sich.


Was findest du an dem Konzept JUNOR Schülerunternehmen besonders spannend? Inwiefern können die SchülerInnen davon profitieren?

Ich findes es erstaunlich, mit welchem Interesse und Engagement diese Schülergruppe an das Projekt rangegangen ist. Die SchülerInnen haben das Projekt ernst genommen und waren mit Leidenschaft dabei, dafür: Hut ab! Witzig war es, als die SchülerInnen auf einmal selbst im Chefsessel saßen: Denn sie mussten eigenständig eine Organisationsstruktur bilden und Rollen verteilen. So hatten wir – genau wie in unserem beruflichen Alltag als Berater – plötzlich mit dem CEO, CFO und COO zu tun. Teilweise mussten wir uns ein wenig bremsen, da wir von den Dimensionen und unserem beruflichen Alltag zu weit gedacht haben.

Insgesamt halte ich das JUNIOR-Schülerprogramm für eine sehr lehrreiche Unternehmung, sowohl für die SchülerInnen als auch für die Wirtschaftspaten. Ich bin überzeugt, dass dieses Programm für die SchülerInnen ein Wegweiser sein kann. Sie können ihre Neigungen und Fähigkeiten entwickeln, was die spätere Berufsauswahl erleichtern kann. Am Ende des Tages ist es eine tolle Erfahrung, welche den SchülerInnen bleibt.

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