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Smart Meter treiben die Digitalisierung der Energiewende voran

Fachbeitrag: Welche Rolle spielen Smart Meter beim Gesetz zur "Digitalisierung der Energiewende"?

Das Ende 206 in Kraft getretene Gesetz zur „Digitalisierung der Energiewende“ übertrifft laut einer Studie sogar die Erwartungen der Branche. Ein Überblick über die geplanten Neuregelungen.

Was sind Smart Meter?

Deutschlands Energieversorger planen derzeit die Umsetzung des Gesetzes zur „Digitalisierung der Energiewende“. Dieses sieht eine flächendeckende Installation von Smart Meters vor. Die neuen Messgeräte sind die Basis eines intelligenten, datengetriebenen Energienetzes. Sie messen kontinuierlich den individuellen Verbrauch und senden verschlüsselte Informationen über ein Smart-Meter-Gateway (SMGW). Darüber hinaus liefern sie wesentliche Steuerungsinformationen für Netzbetreiber und Energieerzeuger. So tragen sie zur Integration der erneuerbaren Energien und zur (daten-)sicheren Integration von Haushalten in die Energiewende bei.

Smart Meter sind die Basis eines intelligenten, datengetriebenen Energienetzes

Zum einen sind diese detaillierten Daten Voraussetzung für die Steuerung der volatilen erneuerbaren Energiequellen. Zum anderen muss der Endkunde aber die Hoheit über seine persönlichen Informationen behalten dürfen. Das neue Konzept verwirklicht beides über eine neue infrastrukturelle Funktion, den sogenannten Smart-Meter-Gateway-Administrator. Dieser gewährt allen Marktbeteiligten die Datenverwendung ausschließlich für die Ausübung der gesetzlich festgelegten Rolle. So bekommt ein Lieferant also nur die Informationen, die er als Stromverkäufer braucht, um eine Rechnung zu erstellen. Netzbetreiber wiederum benötigen Netzzustandsdaten, deshalb erhalten sie u.a. Phasenwinkel, Spannungs- und Stromwerte.

Für hohe Datenschutzstandards sorgt das neue Sicherheitskonzept des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). So sollen auch Zählermanipulationen verhindert werden. Zudem werden die Messwerte vor ihrer Versendung Hardware-verschlüsselt, anonymisiert und über mehrere Haushalte hinweg zusammengefasst. Von den reinen Informations- und Bilanzierungsdaten abgesehen, bildet das Stammgesetz aber auch eine Grundlage, die verschiedenen Sektoren der Energieversorgung zu koppeln. Die Vorgaben für das neue Messwesen gelten nicht nur für die Sparte Elektrizität, sie erstrecken sich auch auf Gas, Wärme und Wasser.

Allianzen sind nötig

Die Deloitte-Studie „Smart Grid 2016 – Die Digitalisierung der Energiewende“ zeigt, dass die ambivalenten Erwartungen in Bezug auf Regelungen zu Finanzierung, Zeitplan und Art der Digitalisierung einer ganzen Branche mit dem Gesetz sogar übertroffen wurden. Neben Diskussionen um kleinere Bedeutungsverluste einzelner Marktrollen zeigte sich die Energiebranche konstruktiv. So haben sich bereits einige Konsortien für ein gemeinsames Erreichen einer wirtschaftlich sinnvollen Anzahl an auszustattenden und zugleich zu betreuenden Zählpunkten gebildet. Inzwischen sind auch die ersten Smart-Meter-Gateway-Administratoren (SMGA) zertifiziert.

Alleine ist das Mammutprojekt nicht zu stemmen.


Um die individuellen Herausforderungen der Smart-Meter-Gateway-Administration bewerten zu können, müssen Netzbetreiber zunächst das eigene Netzgebiet (Größe, Anzahl der Pflichteinbaufälle, Zähler-Gateway-Verhältnis, städtische oder ländliche Versorgungsgebietsstruktur) typisieren. Die Ausgaben, die im individuellen Rollout anfallen, können ähnlich dem Plankosten-Vergleich von Deloitte abgeschätzt werden. Erst dann erfolgt das Ableiten passender Handlungsoptionen.

Smart Grid 2016 – Die Digitalisierung der Energiewende

Laden Sie sich hier die Studie herunter

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Gesetz beinhaltet auch Preisregulierungen

Die Sternförmigkeit der neuen Kommunikationstechnologie wird zu tiefgehenden Änderungen bei der Systemführung und der Bilanzierung von Energiemengen führen. Aus diesem Grund führt das neue Gesetz auch eine wettbewerbsunterstützende Preisregulierung ein.

Verschiedene Preisobergrenzen für Smart Meters sichern das notwendige Investitionsverhalten.

Die Zähler führen wiederum zu Einsparungen, da durch die netzdienliche Integration erneuerbare Energien in das deutsche Netz integriert werden können. Allerdings ist dies immer im europäischen Verbund zu sehen. Vor den Beteiligten liegt daher sehr viel Arbeit, um die Datenschnittstellen im europäischen Binnenmarkt kompatibel und interoperabel zu gestalten. Aber auch hier gibt es Chancen: Wenn die Unternehmen beweisen, dass das Konzept sicher funktioniert, hätte ein Export des neuen Technologiekonzepts ins europäische Ausland enormes Potenzial, denn die Vorgaben des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnologie in puncto Datenschutz und -sicherheit setzen international neue Maßstäbe .

Kleine Netzbetreiber sind skeptisch

Die Normen betreffen zunächst alle sog. grundzuständigen Messstellenbetreiber, also faktisch jeden Netzbetreiber in Deutschland. Da der gesetzlich vorgeschriebene Zeitplan verpflichtend ist, stellt er die involvierten Akteure vor strategische und operative Herausforderungen – auch im Hinblick auf die interoperable Umsetzung der Schnittstellen für neue Geschäftsfelder. Die Teilnehmer an Konsortien benötigen eine frühzeitige Bestandsaufnahme, um eine Kosten-Erlös-Abschätzung durchführen zu können.

Die 887 deutschen Stromnetzgesellschaften haben bislang unterschiedliche Umsetzungspläne. Zudem müssen sie sich an unterschiedliche geographische Voraussetzungen ihres Versorgungsgebiets anpassen. Die Motivation, als SMGA aktiv zu werden, ist bei mittelgroßen und großen Netzbetreibern am höchsten. Kleine Netzbetreiber stehen vor großen Problemen beim Thema Smart Metering – hoher Koordinations- und Kapitalaufwendungen stellen für sie ein noch größeres Risiko dar.

Fakt ist: Über zwei Drittel der Haushalte beziehen ihren Strom über einen örtlichen Versorger.

Fakt ist: Über zwei Drittel der Haushalte beziehen ihren Strom über einen örtlichen Versorger. Hier ist auch das Vertrauen ist groß – 66 Prozent bauen in Bezug auf Datensicherheit auf einen deutschen Anbieter. Deshalb sollten deutsche Versorger auch weiterhin in dem Smart Metering benachbarten Feldern der Wertschöpfungskette der Energiewirtschaft beteiligt sein.

Die Echtzeitübermittlung der Verbrauchs- und Einspeisedaten bietet Verbrauchern große Chancen. Auf Kundenwunsch können diese Informationen auch von angrenzenden Marktbereichen – wie zum Beispiel Smart Home – verwendet werden. In der Funktion des Smart-Meter-Gateway-Administrators können Betreiber eine derartige Brücke selbst bauen. So können sie zeigen, dass sie das Thema Digitalisierung verstanden haben und Strategien im digitalen Umfeld nicht nur entwickeln, sondern auch umsetzen.

Dieser Beitrag ist angelehnt an den Artikel "Per Smart Meter die Digitalisierung der Energiewende vorantreiben", erschienen im Verlagsspezial "Smarte Energiewelt" auf FAZ.net. Hier geht es zum Artikel.

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