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Smart Grid & Smart Meter

Wind of Change

Smart Grids, den intelligenten Energienetzen, gehört die Zukunft. Basis für ihre Entwicklung sind digitale Stromzähler, sogenannte Smart Meter. 2016 macht sie der Gesetzgeber zur Pflicht. Ein frischer Wind fegt durch die Flure der deutschen Netzbetreiber und ihrer Industriekunden. Während Energieversorger über ihre künftigen Marktrollen entscheiden, gestalten Industrieunternehmen die Produktionsprozesse um.

Von Ludwig Einhellig, Leiter Smart Grid

Nichts bleibt wie es war – das gilt in besonderem Maße für die Energiewirtschaft. Die gesamte Branche steckt mitten in einem radikalen Wandel. Eine zentrale Rolle spielen dabei Smart Grids, die intelligenten Energie- und Datennetze. Sie messen und steuern flexibel die Einspeisung und liefern eine zukunftsweisende Lösung für das Handling dezentral produzierten Stroms. Denn es gilt, den zentralen Zielkonflikt der Energiewende zu meistern: Versorgungssicherheit und Klimaschutz sicherzustellen. Dafür muss der schwankende Energiezufluss aus regenerativen Quellen ausgeglichen, die Spannung konstant gehalten und ein Blackout verhindert werden.

Gab es bisher einen Ablesetermin im Jahr und damit einen Wert für 40 Millionen Haushalte, steht die Zukunft im Zeichen der Digitalisierung. Intelligente Zähler werden viertelstündig die Werte für Einspeisung und Entnahme erfassen, in einem Gateway werden die Daten gespeichert und weitergegeben. Das verbessert die effiziente Planung des Netzausbaus und den Ausgleich der schwankenden Einspeiseleistungen der regenerativen Energiequellen.

Ab 2017 werden Smart Meter zunächst für große Verbraucher und Einspeiser Pflicht. Die Grundlage liefert das „Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende“. Dieses wird voraussichtlich Mitte 2016 verabschiedet und verleiht dem Umbau der Energiewirtschaft einen gewaltigen Schub. Die intelligenten Stromzähler bedeuten für Energienetzbetreiber neue Pflichten, aber auch große Möglichkeiten. Sie können den Smart-Meter-Rollout sowie die Datenverwaltung und damit die neue Marktfunktion des Smart-Meter-Gateway-Administrators übernehmen. Voraussichtlich wird es etwa 30 solcher Unternehmen geben, die in dem von Ihnen verwalteten Gebiet Daten sammeln und bearbeiten dürfen. Datensicherheit auf höchstem technischen Standard ist dabei gesetzlich vorgeschrieben.

Energieversorger stehen nun vor der Entscheidung, ob sie diese neue Rolle anstreben oder nicht, und damit vor einer großen Herausforderung. Ab dem Betrieb von 500.000 Zählpunkten kann die Übernahme der Smart-Meter-Gatway-Administration rentabel sein, so eines der Ergebnisse der Deloitte-Studie „Smart Grid 2016 – Die Digitalisierung der Energiewende“. Große Flächenversorger, aber auch verschiedene ehrgeizige Stadtwerke sind schon längst in der intensiven Planungsphase.

Kleinere Netzbetreiber dagegen sind derzeit oftmals überfordert und überlegen, ihre Verantwortung für den Smart Meter-Rollout formal zu „übertragen“. Doch das sollte gut durchdacht werden. Individuelle Kosten-Nutzen-Analysen sind hier eine wertvolle Entscheidungshilfe. Die Möglichkeiten sind auch für kleine Versorger vielfältig, beispielsweise bieten sich Kooperationen mit anderen Partnern oder die Auslagerung bestimmter Prozesse an.

Grundsätzlich ist es auf jeden Fall erstrebenswert, das Heft der Digitalisierung nicht aus der Hand zu geben. Es ist der Schlüssel, um andere zukunftsweisende Dienstleistungen, etwa im Bereich Elektromobilität, anzubieten und auf neue Entwicklungen zu reagieren. Innovative Geschäftsfelder werden umso wichtiger, weil der Preis für die Stromerzeugung durch regenerative Energien in absehbarer Zeit weiter deutlich sinken wird. Für Energieversorger ist es im Hinblick auf eine erfolgreiche Zukunft besonders wichtig, auch im Sturm klaren Kurs zu halten.

Der Autor

Ludwig Einhellig

Leiter Smart Grid

leinhellig@deloitte.de