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Top 100 der weltweit größten Bauunternehmen: Global Powers of Construction

Aktuelle Zahlen und Fakten zur wirtschaftlichen Entwicklung und Portfolio-Diversifikation in der Baubranche

Der Deloitte Report für die Bauindustrie belegt, dass die globale Baunachfrage bis zum Ausbruch der Pandemie für ein deutliches Umsatzwachstum sorgte. Für die Bauunternehmen waren dabei Internationalisierung der Aktivitäten und Portfoliodiversifikationsprozesse wichtige Trends. Die möglichen Auswirkungen von COVID-19 auf die Bautätigkeit in den kommenden Jahren sorgen für Unsicherheit in den Prognosen, haben zugleich aber das Potenzial, den Einsatz neuer industrieller und digitaler Technologien in der Branche voranzutreiben.

Die 100 größten börsennotierten Bauunternehmen der Welt erwirtschafteten 2019 einen Umsatz von mehr als 1,462 Billionen USD, das entspricht einem Plus von 5% gegenüber dem Vorjahr, so der neue Deloitte-Bericht Global Powers of Construction (GPoC). Der Report analysiert die weltweite Bauwirtschaft und untersucht die Strategien und Leistungen der weltweit führenden börsennotierten Bauunternehmen im Jahr 2019.

Der chinesische Baugigant China State Construction Engineering Corp. Ltd. (CSCEC) führt wie im Vorjahr die Rangliste an und erzielte 2019 einen Gesamtumsatz von über 205 Milliarden USD - 2018 waren es noch rund 180 Milliarden USD. Mit deutlichem Rückstand folgen weitere chinesische Unternehmen wie China Railway Group Ltd. (CREC) auf Rang 2 mit rund 123 Milliarden USD Umsatz und China Railway Construction Corp. Ltd. (CRCC) auf Rang 3 mit circa 120 Milliarden USD. In den Top 10 sind insgesamt sechs chinesische Unternehmen aufgeführt. Deren Dominanz im globalen Ranking ist vor allem auf die Größe ihres heimischen Baumarktes zurückzuführen. Europäische Bauunternehmen sind mit drei Firmen in den Top 10 der internationalen Verkaufsrangliste vertreten; ein einziges deutsches Bauunternehmen platziert sich im Umsatzrating in den Top 100.

Weitere Ergebnisse des Reports und Finanzkennzahlen der 30 größten Bauunternehmen und deren Strategien im hart umkämpften Markt

Key-Facts im Überblick
Die finanzielle Leistung der Top 30 Unternehmen im Global Powers of Construction Ranking war 2019 uneinheitlich. Während sich die operativen Gewinne um 5% verbesserten, stieg die Nettoverschuldung um 12%. Im Durchschnitt erzielten die in den USA und Europa ansässigen Unternehmen bessere Finanzergebnisse im Ranking als die asiatischen Bauunternehmen. Die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die Finanzergebnisse werden erst nach der Veröffentlichung der Halbjahresergebnisse 2020 sichtbar werden.

Umsatzstarke Bauunternehmen
Von den 100 größten Unternehmen in der globalen Baubranche konnte mehr als die Hälfte ihren Umsatz im Jahr 2019 steigern, 10 von ihnen verzeichneten dabei ein zweistelliges Wachstum. Die größten Bauunternehmen hatten ihren Sitz in China (44% des Gesamtumsatzes), Europa (24%), Japan (13%), den USA (9%) und Südkorea (6%).

Marktkapitalisierung: Japan und EU stark
Die gesamte Marktkapitalisierung der 30 größten Bauunternehmen lag Ende 2019 bei rund 459 Milliarden USD und war damit um 8% höher als 2018. In Bezug auf die geografische Verteilung stellt hierbei Europa die meisten Unternehmen in der Liste (zehn), vor Japan (sieben), während sowohl die USA als auch China mit jeweils fünf Unternehmen vertreten sind. Elf Unternehmen in unserem Top-30-Ranking nach Marktkapitalisierung verzeichneten innerhalb eines Jahres einen Zuwachs in der Marktkapitalisierung von über 20 Prozent.

„Die chinesische Dominanz im Bausektor scheint auf den ersten Blick gewaltig, Bauunternehmen aus China führen beim Umsatzranking seit einigen Jahren und machen insgesamt rund 44% des globalen Branchenumsatzes aus. Doch Größe ist nicht alles: In puncto Marktkapitalisierung und Internationalisierung haben europäische Baufirmen die Nase vorne – vor allem Firmen aus Frankreich, Spanien und UK“, bewertet Michael Müller, Leader des Bereichs Real Estate und Partner bei Deloitte, die Studienergebnisse.

Portfoliodiversifikation
Viele Unternehmen der Baubranche diversifizieren ihr Dienstleistungsportfolio, um ein nachhaltiges Wachstum zu erzielen und die typischerweise engen Margen von Bauprojekten zu erhöhen. Im Jahr 2019 erwirtschafteten die 30 größten Baufirmen 20% ihres Umsatzes nicht nur in ihrem Kerngeschäftsfeld. Immobilienentwicklung, Industrie und Dienstleistungen sowie Konzessionen waren typische Diversifikationsstrategien von Bauunternehmen.

Internationalisierung
Viele Top-Bauunternehmen sind weltweit vertreten und suchen im Ausland nach Wachstums-Chancen. Die 30 Top 30 im Ranking erzielten 2019 rund 19% des Gesamtumsatzes außerhalb ihrer Heimatmärkte. Doch die globalen Wirtschaftsaussichten sind infolge des Ausbruchs der COVID-19 Pandemie unsicher. Das derzeit prognostizierte globale Wachstum der Bauindustrie im Jahr 2020 wird auf 0,5% geschätzt, aber die Zahlen werden von Region zu Region unterschiedlich ausfallen, je nachdem, welche Anstrengungen und Maßnahmen die Regierungen in den jeweiligen Ländern in Bezug auf COVID-19 ergreifen. Angesichts der gesamtwirtschaftlichen Folgen von COVID-19 sind jene Bauunternehmen, die bereits in der Vergangenheit Internationalisierungsstrategien ergriffen haben und weniger stark auf ihre Heimatmärkte angewiesen sind, in einer guten Position, um ihre Wettbewerbsfähigkeit in diesem hart umkämpften Markt zu steigern.

Infrastrukturentwicklung als Stabilisierungsfaktor
In den letzten drei Jahren ist der Markt für das Baugewerbe in moderatem Tempo gewachsen, aber die für 2019 beobachtete, leichte Abschwächung in Verbindung mit dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie wirkt sich negativ auf die Prognosen für 2020 aus und erhöht die Unsicherheit für die Folgejahre. Nichtsdestotrotz ist der weltweite Bedarf an Infrastruktur in den nächsten 30 Jahren nach wie vor sehr groß, da heute lediglich 25% der bis 2050 benötigten Infrastruktur vorhanden ist.

Den Fortschritt gestalten: Digitalisierung als Herausforderung
Während andere Industriezweige in den letzten 25 Jahren erhebliche technologische Fortschritte gemacht haben, nimmt das Baugewerbe neue Technologien und Innovationen nach wie vor nur langsam an, was dazu führt, dass es der Wirtschaftssektor mit den geringsten Produktivitätszuwächsen in den letzten Jahrzehnten ist.

Infolgedessen müssen die Bauunternehmen in die digitale Welt vordringen. Aber nur wenige sind bisher in der Lage gewesen, über bestimmte Pilotprojekte hinaus zu skalieren, da sie mit drei großen Hindernissen konfrontiert sind. Nicht digitalisierte Prozesse gefährden die Fähigkeit, schnell auf konsistente und gebrauchsfertige Daten zuzugreifen; die Projektausführung ist dezentralisiert und die Bereitstellung der Daten hängt von den (externen) Projektmanagern ab; jedes Projekt wird als einzigartig und nicht skalierbar wahrgenommen.

Unsicherer Ausblick für die Baubranche
„Wie sich die Corona-Krise auf den weiteren wirtschaftlichen Erfolg der Branche auswirken wird, ist aus dem aktuelle Deloitte-Report noch nicht ersichtlich, weil die Daten überwiegend in der Vorkrisenzeit erhoben wurden“, sagt Michael Müller. „Angesichts der unwägbaren weiteren Entwicklung der Corona-Krise mit all ihren Konsequenzen ist es aber gut möglich, dass der Trend eines Corona-bedingten Rückgangs der Bautätigkeit bis in das nächste Jahr hinein anhält. Auf der anderen Seite ist zu erkennen, dass nicht zuletzt die COVID-19-Pandemie einen verstärkten Einsatz neuer industrieller und digitaler Technologien beschleunigt und Bereiche wie künstliche Intelligenz und Analytik ihr großes Potenzial für das Bauwesen in den kommenden Jahren umso stärker werden ausspielen können.“

Erfahren Sie mehr über die wirtschaftliche Entwicklung der weltweit größten Bauunternehmen und laden Sie hier unseren aktuellen Report Global Powers of Construction herunter.