Deloitte Tech Trends 2021

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Deloitte Tech Trends 2021

Zukunftsweisende Innovationen: Der neue Deloitte Report analysiert die wichtigsten Technologie-Trends

Die COVID-19-Pandemie hat die Weltwirtschaft hart getroffen. Doch zugleich hat die fundamentale Disruption etablierter Arbeitsweisen zahlreiche digitale Trends beschleunigt, Innovationen in ihrer Verbreitung potenziert und neu entwickelte Technologien schneller Wirklichkeit werden lassen. In den kommenden 18-24 Monaten werden deshalb wegweisende Trends wie beispielsweise die Digitalisierung der Strategieentwicklung, Zero Trust in der Cyber Security und die umfassende Transformation der Lieferketten die Wirtschafts- und Arbeitswelt nachhaltig verändern. Der aktuelle Tech Trends 2021 Report stellt die neun wichtigsten Entwicklungen im Detail vor.

Wie oft diskutiert, liegt in der Krise zugleich auch eine Chance für die Digitalisierung. Die Autoren der neuen Tech Trends Studie kommen deshalb zu einem optimistischen Fazit: Die Hoffnung auf innovative Pfade zu mehr Wachstum ist durchaus berechtigt, denn schon heute investieren Unternehmen in die neuen Technologien und Geschäftsmodelle, die dafür Voraussetzungen sind. Eine maßgebliche Rolle werden dabei CIOs und andere Technologie-affine Führungskräfte spielen, die die neuen Ansätze mit einer strategischen Perspektive umsetzen.

Dabei sind Führungskräfte sich der Potenziale bewusst, die durch die darunterliegenden technologischen Makrofaktoren eröffnet werden. Seit zwölf Jahren verfolgt der jährliche Deloitte Tech Trends Report deren Entwicklung und zeigt auf, wie diese Faktoren gerade in ihrer Wechselwirkung neue Trends anstoßen. In der aktuellen Ausgabe werden sie folgendermaßen zusammengefasst: Enablers wie Digital Experience, Data & Analytics und Cloud ermöglichen neue Strategien und Geschäftsmodelle. Disruptors wie Digital Reality, Künstliche Intelligenz (KI) und Distributed Platforms sind schon heute etabliert und stoßen zukünftig immer weitere Business-Innovationen an. Horizon next-Technologien werden im Laufe des kommenden Jahrzehnts reifen und die Geschäfts- und Technologiestrategien der Zukunft prägen. Hierzu zählt beispielsweise Exponential Intelligence, eine Technologie die auf künstlicher Intelligenz aufbaut und diese um die Fähigkeit ergänzt, menschliche Emotionen zu erkennen und darauf zu reagieren.   

1. „Strategy, engineered“

Zu den auch für deutsche Unternehmen besonders relevanten Trends gehört die Digitalisierung der Strategiefindung. Technologische Innovationen verschaffen vielen Unternehmen Wettbewerbsvorteile, doch für andere werden sie zur Bedrohung ihres Geschäftsmodells. In diesem Umfeld verschwimmen zunehmend die Grenzen zwischen Geschäfts- und Technologiestrategie: Beide Aspekte sind immer enger miteinander verflochten, die technologiegetriebene Strategiefindung wird deutlich dynamischer und der CIO nimmt eine stärkere proaktive Rolle auch in Strategiediskussionen ein. Vorausschauende Unternehmen suchen systematisch nach neuen Lösungen und kooperieren dafür in ihren Ökosystemen. Die Strategieentwicklung selbst wird digitalisiert und findet nun mithilfe von Technologie-Plattformen statt, die Advanced Analytics, Automatisierung und KI nutzen, um technologische Innovationen mit strategischem Impact zu identifizieren. Mit Szenario- und Simulations-Tools können kritische Unsicherheiten antizipiert werden und dann im nächsten Schritt strategische Optionen durchgespielt und verprobt werden. Durch den datengetriebenen Ansatz wandelt sich Strategieentwicklung von einem periodischen Kraftakt zu einem kontinuierlichen, hochgradig automatisierten und Tool-gestützten Prozess. 

2. „Core Revival“

Im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld etabliert sich ein spannender Trend im Umgang mit bestehenden Core Assets, also den Wertschöpfungsprozessen, die für ein Unternehmen eine besondere Werthaltigkeit haben. Angesichts der hohen Kosten von Legacy Modernisierung und Cloud-Migration erkennen CIOs vermehrt, dass eine effektivere Nutzung von im Unternehmen etablierten Systemen einen wichtigen Beitrag zur Finanzierung der anstehenden Transformationen leisten kann. Tech-Leader setzen so beispielsweise Lift-and-Shift-Ansätze um, um einen schnellen Umzug von Daten und Anwendungen in die Cloud zu ermöglich, und realisieren neue Outsourcing-Lösungen. Ein weiterer Trend ist der Einsatz von Low-Code/No-Code Anwendungen, wie Appian, OutSystems, Salesforce, ServiceNow oder andere Anbieter, mit denen komplexe Prozesse ohne größeren Programmieraufwand ausgeführt und optimiert werden können. Mit neuen Mining-Technologien  können Geschäftsregeln und –logiken analysiert, Schwachstellen im System aufgedeckt und wertvolle Business-Insights auf Basis von  Daten aus Legacy-Systemen gewonnen werden.

3. „Supply unchained“

Unternehmen aus der Industrie, dem Handel und anderen Branchen optimieren die Widerstandsfähigkeit ihrer Supply-Chain-Ökosysteme mithilfe von technologischen Enablern und erreichen so die nächste Stufe der Supply-Chain-Transformation. Factory Asset Intelligence schafft die Grundlage für ein besseres Management, Informationstechnologie (IT) und operative Technologie (OT) verschmelzen: Über die ganze Lieferkette hinweg werden umfassend Daten gesammelt, im Netzwerk geteilt und analysiert. Im Dynamic Supply Network (DSN) kann durch Predictive Analytics die Nachfrage prognostiziert werden, potenzielle Engpässe und Logistikprobleme werden schon vorab erkannt. Dabei ist das neue DNS konsequent Kunden-zentriert, basierend auf einem präziseren Datenbild. Internet of Things (IoT) , Robotik, Drohnen und Advanced Image Recognition machen physikalische Interaktionen in der Lieferkette effizienter und sicherer. Die Disruption globaler Lieferketten durch COVID-19 hat die Umsetzung solcher Technologien deutlich beschleunigt und sie werden wohl auch nach dem Ende der Pandemie die neue Normalität prägen. Dafür stellen Führungskräfte ihre Unternehmen schon heute auf. So hat Deloitte auf diesem Feld bereits  mit einem großen Automobilhersteller eine Blockchain-basierte Lösung für das Vertrauens-Management entlang der globalen Lieferkette umgesetzt, die TrustChain.

4. MLOps: Die Industrialisierung der KI

Beim Einsatz von Machine Learning (ML) und KI in Unternehmen bahnt sich ein neues Paradigma an. ML wird zu einem effizienten industriellen Asset: Produkt-Teams und Data Scientists kooperieren, um ML und KI in ihrem Unternehmen für die Business-Transformation zu skalieren. Die Entwicklung von neuen Modellen, ihre Umsetzung in der Produktion sowie ihre Archivierung für die spätere Wiederverwendung werden zunehmend automatisiert und systematisiert („One-Stop Shop“). Das Management der Modellentwicklung wird dabei durch die Übernahme wegweisender DevOps-Ansätze noch weiter verbessert. Von den Effizienz-Optimierungen profitiert auch das Ressourcen-Management. Durch MLOps können die Chancen von Big Data umfassend genutzt werden, wobei Privacy- und Ethik-Gesichtspunkte auf jeden Fall zu berücksichtigen sind.  

5. Die Revolution der Maschinen-Daten

Grundlage der beschriebenen ML-Ansätze ist eine Neustrukturierung des Daten-Managements in den Unternehmen, dessen Beitrag zur Wertschöpfung nun verstärkt in den Blick rückt. Neue Data-Capture-Methoden ermöglichen den Zugriff auch auf unstrukturierte Daten, einschließlich Audio- und Video-Formaten. Innovative Strukturierung und Analytics helfen bei der Verknüpfung zufälliger Datensätze sowie bei deren Auswertung, Cloud-Storage-Lösungen der nächsten Generation liefern die technische Grundlage für die Entwicklung komplexer Modelle. Cloud Data Warehouses und Feature Stores mit Tausenden abrufbaren Modellen befördern diesen Trend noch zusätzlich. Immer größere Datenmengen können durch diese Technologien in Echtzeit verarbeitet werden und so das wahre Potenzial von KI freisetzen. 

6. „Zero Trust“ als neues Paradigma der Cyber Security

Bei allen Vorteilen erhöht die Digitalisierung zugleich auch die Angriffsfläche für Cyber Attacken, mit Risiken für den operativen Betrieb und die Reputation. Wenn Cyberangriffe durch erhöhtes Datenaufkommen und immer mehr vernetzte Geräte zunehmen, wie kann Sicherheit in Zukunft dann effizient und effektiv gewährleistet werden? Auch in diesem Zusammenhang ist eine zunehmende Verflechtung von IT und OT zu verzeichnen: Die Antwort auf das Risiko liefert der Trend hin zu Zero Trust. Cyber Security wird bei diesem Ansatz nicht mehr durch eine Einhegung eines sicheren Bereichs verwirklicht, denn dies reicht angesichts der neuen Bedrohungstypen nicht länger aus. In einer Zero Trust-Architektur wird bei jedem Datenzugriff eine Validierung verlangt. Diese Architekturen mit ihrem hohen Automatisierungsgrad lassen sich mit anderen automatisierten IT-Ansätzen wie DevSecOps und NoOps kombinieren. Informationen über Nutzeridentität, Gerät oder Ort ermöglichen optimierte, Risiko-basierte Entscheidungen, und das verbessert das Security Management. Zu den fundamentalen Voraussetzungen für das neue Cyber Security-Konzept gehören ein Fokus auf Data Governance und -Klassifizierung, ein neu konzipiertes Attack Surface Management und ein optimiertes Patch Management. Logging- / Monitoringfähigkeiten können außerdem durch KI und ML auf eine neue Stufe gehoben werden. Elementar ist bei all dem, dass auch das Cyber-Risiko durch Drittparteien berücksichtigt und entlang der Lieferkette überwacht wird.

7. „Reboot“ des digitalen Arbeitsplatzes

Einer der tiefgreifendsten Einschnitte in das Arbeits- und Alltagsleben in Folge von COVID-19 war für viele Menschen die abrupte Einführung von Remote Work. Aus Sicht der Unternehmen führte das zunächst unmittelbar zu Einsparungen, etwa durch geringere Reisekosten und Büromieten. Doch stellt sich die Frage, ob das auch in Zukunft ein belastbares Modell darstellen wird. Laut Studien meinen zwar 60 Prozent der Arbeitnehmer, ihre Work-Life-Balance habe sich durch Remote Work verbessert, und 74 Prozent würden gerne auch nach dem Ende der Pandemie weiterhin so arbeiten. Doch wie wirkt sich das auf die Kommunikations- und Innovationskultur im Unternehmen aus? Wie sieht es mit der Produktivität, mit Vernetzung und Onboarding, mit Training und Fortbildung aus? Dies sind berechtigte Fragen, aber keine unlösbaren Probleme. Wenn die neuen Möglichkeiten der digitalen Arbeitsplattformen effektiv genutzt werden, ermöglicht z.B. eine Individualisierung der Employee Experience eine bessere Berücksichtigung der Mitarbeiter-Bedürfnisse, innovative Tools fördern die soziale Interaktion und Zusammenarbeit – und schlussendlich hat all das einen positiven Einfluss auf die Produktivität. Gleichzeitig können Unternehmen die Gelegenheit nutzen, um interaktive, multimedial erschlossene und kosten-effiziente Büros zu gestalten. In Zukunft greifen digitaler und physischer Arbeitsplatz für die Mitarbeiter nahtlos ineinander.

8. „Digital meets Physical“

Ein ähnlicher Trend wird sich auch in anderen Bereichen des Lebens abzeichnen. Die Verbraucher haben sich an die Nutzung von Online-Angeboten gewöhnt, doch in Zukunft erwarten sie verstärkt eine qualitativ hochwertige, individuelle Ansprache. Die Online- und Offline-Anteile der Customer Journey verschmelzen zu einer einheitlichen, nahtlosen Customer Experience. Human Experience Design und Omnichannel Marketing Plattformen werten nun auch die Erfahrung im Ladengeschäft digital auf. Mobile Geräte spielen dabei eine immer größere Rolle, neue Technologie-Ansätze wie Affective Computing und das Spatial Web verändern unsere digitale Interaktion nachhaltig. Das alles kann aber nur gelingen, wenn Nutzer sich auf die Datensicherheit verlassen können. Identitäts-Management der nächsten Generation erhöht den Schutz und steigert das Vertrauen, unterstützt durch die weite Verbreitung von Technologien wie der Zwei-Faktor-Authentifizierung.

9. Digitale Gleichberechtigung

Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion werden für eine wachsende Zahl von Unternehmen zu zentralen Prioritäten. HR-Kräfte erhalten durch IT-Professionals strategische Unterstützung in Gestalt von datengetriebenen Lösungen aus dem Bereich DEI-Tech (Diversity, Equity, Inclusion). Die Effektivität von Maßnahmen kann in Zukunft mit neuen Tools überprüft werden. Advanced Analytics, Automatisierung, KI und Natural Language Processing sind Schlüsseltechnologien für diesen wichtigen Beitrag zur Überwindung von Benachteiligung und zur Steigerung der Performance – sowohl für die Mitarbeiter als auch das ganze Unternehmen. 

Über den Trend Report

Für die diesjährige Ausgabe der Deloitte Tech Trends 2021 haben eine Vielzahl von Experten ausführliche Kapitel zu den einzelnen Trends beigetragen. Der umfangreiche Report enthält außerdem zahlreiche Artikel und Einschätzungen von relevanten Brancheninsidern. Die Trend-Darstellungen werden ergänzt durch weiterführende Hinweise auf die Umsetzung im Hinblick auf Strategie, Finanzierung und Risiko („Executive Perspectives“). Laden Sie hier den vollständigen Report „Deloitte Tech Trends 2021“ herunter und erfahren Sie mehr über die einzelnen Trends im Detail.