Wirtschaftsausblick-Hochhaus

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Hervorragend, bis auf weiteres

Aus Sicht der deutschen Wirtschaft laufen die Geschäfte eigentlich höchst zufriedenstellend, mit Aussicht auf weitere Verbesserung. Wären da nicht die allgegenwärtigen politischen Risiken, die nur schwer kalkulierbar sind: Brexit, US-Wahlen und die Entwicklung in der Türkei haben gezeigt, dass sich auch gute Aussichten schnell eintrüben können.

Politische Risiken bergen die größten und unberechenbarsten Gefahren für Unternehmen. Das lässt sich aktuell am besten am Brexit ablesen. Nur wenig deutet auf eine schnelle Neuordnung der Verhältnisse zwischen dem Inselreich und der EU.

 

Politische Risiken sind unwägbar und teuer

In der EU gärt es ebenfalls, nicht zuletzt wegen der verschiedenen Entwicklungstempi der Mitglieder. Hier sind verschiedene Szenarien inklusive steigendem Protektionismus und Populismus durchaus denkbar. Auch die neuen amerikanischen Verhältnisse stellen die deutsche Wirtschaft vor mannigfaltige und unwägbare Herausforderungen: „America first“ hat ein internationales Gerangel um die dahinter zu vergebenden Plätze ausgelöst, protektionistische Maßnahmen werfen ihre Schatten voraus, nicht nur die deutsche Autobranche muss befürchten, es künftig im „land of the brave“ schwerer zu haben.

 

Vorbereitung auf das Undenkbare ist alles

Dazu passt auch der angekündigte US-Ausstieg vom Klimaschutz, der die Planungsunsicherheit trefflich widerspiegelt und deutlich macht, wie schwer es ist, sich auf die Zukunft vorzubereiten – vor allem wenn sich die Zukunftsszenarien immer wieder schnell ändern. Auch die Entwicklungen in der Türkei und im Mittleren Osten präsentieren sich nicht eben als stabil oder investitionsfördernd.

Die Globalisierung der Wirtschaftsstrukturen hat seinen Preis, und nicht immer weiss man vorher, wie hoch dieser im Nachhinein ausfällt. Umso wichtiger ist es gerade in einer massiv globalisierten Welt alle Lieferketten und Investitionsströme eng zu monitoren und politische Risiken systematisch zu berücksichtigen, um die aktuell gute wirtschaftliche Lage weiter ausbauen zu können.

 

Der Wandel lauert auf allen Ebenen

Zweimal im Jahr erneuert Deloitte seine Umfrage unter CFOs und die elfte Erhebung vom Frühjahr dieses Jahres zeigt gerade in Deutschland ein positives und zugleich gemischtes Bild: Einerseits sind die Finanzvorstände mit den aktuellen wirtschaftlichen Verhältnissen hierzulande sehr zufrieden und erwarten eine weitere Verbesserung der Lage: Kaum zu übertreffende 96 Prozent der 150 befragten Finanzexperten und Unternehmen beurteilen die aktuelle wirtschaftliche Lage in Deutschland als gut bzw. sehr gut.

Andererseits haben gerade die vergangenen Monate gezeigt, wie schnell sich die Situation grundlegend wandeln kann. Insofern überrascht es nicht wirklich, dass rund zwei Drittel der deutschen CFOs einen Trend hin zu nationalem Protektionismus und einer entsprechend populistischen Wirtschaftspolitik erwarten – das Jahr 2017 kann hier noch für einige Überraschungen gut sein.

Auch auf internationaler Ebene besteht diese Überraschungsgefahr, und gerade bei wichtigen Volkswirtschaften wie China, Nordamerika oder Großbritannien ist das relevant bis fatal für die meisten deutsche Hersteller. Vor allem der Technologie- sowie der Maschinenbausektor fühlen sich von politischen Umwälzungen bedroht, was angesichts der enormen Exportleistung dieser Industrien nur logisch scheint.

 

Erstes Gebot: Strategische Risikominimierung

Auch international bestens vernetzte Branchen wie Banken, Finanzdienstleister und Konsumgüterhersteller versuchen, sich gegen politische Risiken für ihr Business zu wappnen. Die Unternehmen reagieren zumeist strategisch mit einer Überprüfung sowohl ihrer Investitionspläne als auch ihrer Lieferketten; sie integrieren politische Risiken in ihr Risikomanagement und versuchen, ihre Unternehmensplanung auf diese Faktoren abzustimmen.

Um für unliebsame Überraschungen optimal vorbereitet zu sein, stellt bereits jeder zweite CFO die eigenen Investitionspläne auf den Prüfstand, rund ein Drittel nimmt angesichts der neuen politischen Risiken ihre internationalen Lieferketten genau unter die Lupe.

Die neue Aktualität politischer Risiken zeigt, dass eines ist in unsicheren Zeiten sicher ist: Gewissheit über die Zukunft kann es nicht geben. Unternehmen müssen mit unterschiedlichsten Szenarien im ökonomischen und politischen Umfeld vertraut sein und sich darauf vorbereiten. Der Preis, es nicht zu tun, kann sehr hoch sein.

Herausforderung politische Risiken: CFO Survey Frühjahr 2017
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