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"Brexit means Brexit"

..und was er für Unternehmen der Finanzbranche bedeutet

Hintergrund

Aktuell birgt das Thema Brexit für alle Betroffenen noch viele offene Punkte und damit große Unsicherheiten. Der Zeitplan zur Umsetzung konkreter Handlungen ist insbesondere für die Finanzbranche aufgrund des festgelegten Austrittsdatums des Vereinigten Königreichs (UK) im März 2019 begrenzt.

Finanzinstitute müssen bereits heute Handlungsalternativen analysieren und etwaige Umstrukturierungen sowie Neuausrichtungen strategisch planen.

Derzeit werden viele mögliche Szenarien diskutiert, wobei verschiedene Experten den „harten Brexit“ als das wahrscheinlichste Szenario einstufen.

Von dem bevorstehenden Austritt aus der EU sind sowohl Banken und Finanzdienstleister, Versicherer und Asset-Manager sowie die in London ansässige European Banking Authority (EBA) stark betroffen.

Aktuelle Entwicklungen für derzeit aus dem UK agierende Finanzinstitute

Aktuell ist zu beobachten, dass immer mehr Finanzinstitute als Antwort auf den Brexit die Verlagerung eines Teils ihrer Geschäftsaktivitäten aus London heraus in die EU 27 planen. Das Bestreben liegt vor allem darin, eine Bank- oder Finanzdienstleistungslizenz in einem anderen Land der EU zu erhalten, um so über Tochtergesellschaften oder Drittlandniederlassungen weiterhin in der EU bzw. der European Economic Area (EEA) tätig sein zu können.

Ausblick für EU-27-Finanzinstitute mit Zweigniederlassung in UK

Für deutsche und alle anderen Institute mit Hauptsitz in den EU 27 stellt der Erhalt einer UK-Lizenz und das Erfüllen der UK-spezifischen Auflagen die zentrale Herausforderung dar, um ihre Geschäftsaktivitäten im UK fortführen oder ausbauen zu können.

Die Wahl der Handlungsalternative wird wesentlich durch die Ergebnisse der Austrittsverhandlungen im Hinblick auf den EU-Pass, die Übergangsregelungen und die Personenfreizügigkeit beeinflusst.

Szenarien für alle Banken und Finanzdienstleister

Finanzinstitute sollten kurzfristig die folgenden vier generellen Handlungsalternativen bewerten, um zeitnah Vorbereitungen für eine Neuausrichtung treffen zu können.

I. Geschäftserhalt
Fortführung der gegenwärtigen Geschäftsaktivitäten im bisherigen Umfang. Vorteil dieses Ansatzes bildet die weitgehende Kontinuität des Geschäftsmodells.

II. Taktische Reorganisation
Die taktische Reorganisation passt sich idealerweise an die sich verändernden Rahmenbedingungen an. Dementsprechend kann das Zielgeschäftsmodell optimiert werden

III. Chancen nutzen
Die dritte Handlungsalternative verfolgt das Ziel, zusätzliche Marktanteile und/ oder ergänzende Geschäftsfelder zu erschließen, um damit von der erhöhten Marktdynamik nachhaltig zu profitieren.

IV. Geschäftsaufgabe

Ersatzloses Einstellen bisheriger Geschäftsaktivitäten innerhalb des UK oder in der EU 27. Die damit einhergehende Entscheidungsklarheit und die Reduktion regulatorisch verursachter Aufwände bilden neben der Beseitigung politischer Unsicherheiten die zentralen Vorteile dieses Ansatzes.

Was müssen Finanzinstitute bereits heute tun?

Die Darstellung der verschiedenen Brexit-Szenarien und die daraus abgeleiteten Handlungsalternativen zeigen die Relevanz für die betroffenen Finanzinstitute, sich sofort intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen. Die große Unsicherheit über die Ausgestaltung einzelner Regularien aufseiten der Politik und Aufsichtsbehörden sowie die schwindende Zeit für notwendige Umsetzungen erschweren die finalen Entscheidungen über die erforderlichen Anpassungen innerhalb der Finanzinstitute immens.

Deloitte beschäftigte sich bereits vor dem Austritts-Referendum mit möglichen Auswirkungen des Brexits und zeigt in diversen Projekten bereits heute maßgeschneiderte Vorgehensweisen für die Finanzinstitute auf. Hierbei gilt es, nicht nur Strategien zu entwickeln, sondern konkrete Handlungsalternativen zu analysieren und zu quantifizieren.

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