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Fortschritte beim NPL-Abbau in Europa?

Ja! Neuer Bericht der EU Kommission

NPLs in den Bilanzen europäischer Banken sind nun schon seit ein paar Jahren dezidiertes Thema. Es gab vielfältige Diskussionen, Hilferufe von Top-Aufsehern (hier klicken für mehr), und sehr viel Arbeit, die in dieses Thema investiert wurde. Der Grund ist offenkundig: man ist der Auffassung, dass zu hohe NPL-Quoten die Finanzwirtschaft von der Versorgung der Realwirtschaft mit Finanzmitteln abhält und dies im Ganzen betrachtet dem Wachstum in Europa schadet.

Schließlich hat die EU Kommission im Juli 2017 ein umfangreiches Bündel von Maßnahmen vereinbart, das im derzeit in Umsetzung befindlichen Aktionsplan für den Abbau notleidender Kredite in Europa skizziert wird (hier klicken für mehr). Im März 2018 dann legte die Kommission ein spezifisches und umfassendes Maßnahmenpaket zur weiteren Verringerung notleidender Kredite vor (hier klicken für mehr).

Die Kommission hat nun (28. November 2018) den dritten Fortschrittsbericht über den Stand zur Reduzierung von NPLs vorgelegt (hier klicken für BERICHT), zusammen mit dem Fortschrittsbericht zur Kapitalmarktunion am selben Tag.

Auch im ersten Halbjahr 2018 gingen die NPL-Quoten weiter zurück und folgen damit dem signifikanten rückläufigen Trend der letzten Jahre. Den jüngsten Zahlen zufolge ist die NPL-Quote (brutto) für alle EU-Banken auf 3,4 % gesunken (2. Quartal 2018), was einem Rückgang um 1,2 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Auch wenn die NPL-Quoten in fast allen Mitgliedstaaten zurückgegangen sind, bestehen jedoch nach wie vor erhebliche Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten. Am Ende des 2. Quartals 2018 hatten zwölf Mitgliedstaaten NPL-Quoten von unter 3 %, während die NPL-Quoten einiger anderer Mitgliedstaaten weiterhin deutlich höher lagen. In drei Mitgliedstaaten überstieg die Quote 10 %.

Laut EU-Kommission ist der beträchtliche Abbau notleidender Kredite insbesondere auf das entschlossene Handeln der Managements der Banken sowie der politisch Verantwortlichen zurückzuführen. Das sei speziell in Mitgliedstaaten mit einem relativ hohen NPL-Anteil der Fall.

Die Kommission legt dar, dass sich das Umfeld für den Umgang der Banken mit ihren notleidenden Krediten seit der Krise deutlich verbessert habe. Unter anderem konnten die Banken sich auf einen besseren und klareren Regulierungsrahmen stützen. Ferner haben die Banken in diesem Umfeld ihre internen Kapazitäten zur Verwaltung und Abwicklung notleidender Kredite verbessert. In vielen Fällen haben die Banken eigens geschaffene Einheiten zur Verwaltung und Abwicklung genutzt oder die Aufgaben an externe Dienstleister (Servicer) delegiert.

Die Kommission konstatiert ein stetiges Wachstum bei NPL-Verkäufen, das die Entwicklung hin zu einer ausgereifteren Abwicklungsstruktur für notleidende Kredite unterstützt. Ebenfalls wird jedoch betont, dass für eine wirklich nachhaltige Lösung des NPL-Problems in Europa weitere erhebliche Anstrengungen notwendig sind, um innovative und kooperative Ansätze auf den Weg zu bringen.

Die EU-Kommission geht in ihrem Bericht soweit, von einem Wendepunkt in der NPL-Verwaltung zu sprechen: Sie habe sich kontinuierlich von einer Krisenaktivität zu einem stärker strukturellen und funktionalen Ansatz entwickelt. Gleichzeitig wird betont, dass trotz dieser Fortschritte, weiterhin gezielte Unterstützung notwendig sei, insbesondere durch gezielte politische Entscheidungen, da notleidende Kredite nach wie vor ein Risiko für das Wirtschaftswachstum und die Finanzstabilität darstellen.

Ferner enthält der Bericht eine ausführliche Bestandsaufnahme des Status Quo in Bezug auf die einzelnen Aspekte des Aktionsplans, d.h. eine Benennung der Maßnahmen, die angegangen, erfolgreich erledigt und solche die künftig noch anzugehen sind.