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Regulatory Outlook 2017

Ein Leitfaden für das kommende Jahr

Die jährliche Untersuchung des Deloitte EMEA Centre for Regulatory Strategy befasst sich mit den Herausforderungen und Chancen, die sich aus den wichtigsten regulatorischen Anforderungen an die Finanzdienstleistungsbranche im Jahr 2017 ergeben. Bei der Analyse bietet Deloitte eine branchenspezifische Sicht auf die Auswirkungen für das Bank- und Finanzwesen.

Der regulatorische Ausblick

Auch das Jahr 2017 wird signifikante Herausforderungen für Finanzdienstleister in Europa und den Rest der Welt bringen. Die Herausforderungen ergeben sich aus einer zunehmenden makropolitischen Unsicherheit, der Umsetzung der anspruchsvollen und sich immer weiter entwickelnden Regulierungsagenda und anderen Marktentwicklungen, die Druck auf die Branche ausüben.

Der Deloitte-Kompass hilft, die aufgezeigten Risiken zu umschiffen.
 

Regulatorische Themen

Abwicklung – Europa prüft die Abwicklungsfähigkeit von Banken

In 2017 steht die Abwicklungsfähigkeit von Banken im Zentrum der strukturellen Reformen der EU für die Finanzbranche. Das Single Resolution Board will die Banken der Eurozone dazu bringen, einen Nachweis ihrer Vorbereitungen hinsichtlich der Abwicklungsfähigkeit vorzulegen. Die EU und die internationalen Aufseher werden parallel ihre Arbeit zur Abwicklung von zentralen Kontrahenten fortsetzen. Die Abwicklungsmechanismen für Versicherer werden dagegen eine geringere Priorität haben.

Widerstandsfähigkeit – Wesentliche Herausforderungen aus der Umsetzung

Anfang 2017 will der Basler Ausschuss die Überarbeitung der Eigenmittelanforderungen abschließen. Die EU wird sich damit befassen, wie die neuen Kapitalstandards übernommen werden können, während gleichzeitig die wirtschaftlichen Prioritäten der Union geschützt werden sollen. Banken müssen der Unsicherheit über die endgültige Form der Regelungen begegnen und gleichzeitig die Bilanzstruktur im Hinblick auf Umsetzung von TLAC, MREL und IFRS9 Implementierungen optimieren.

Risikokultur – Fehlverhalten muss abnehmen

Mit Hilfe verschiedener neuer Rahmenwerke sollen Verhaltensrisiken, Risikokultur Produkt-Governance-Standards im Jahr 2017 verbessert werden. Dies betrifft auch Fragen zum Risikoappetit. Das Verhaltensrisiko soll auch stärker in die ICAAP-Betrachtungen und die Stresstests einbezogen werden.

Regulierung neuer Technologien – Die Schwierigkeit mit Veränderungen Schritt zu halten

FinTechs werden, zusammen mit künstlicher Intelligenz und Data Analytics, auch in Zukunft einen maßgeblichen Einfluss auf die Finanzindustrie haben. Innovative neue Marktteilnehmer finden vermehrt Aufmerksamkeit bei den europäischen und nationalen Regulierern. Diese werden aber verstärkt auch auf die mit FinTechs verbundenen Risiken eingehen. Die PSD II eröffnet zwar neue Geschäftsfelder, doch wird die Umsetzung eine Herausforderung. Dies begründet sich unter anderem durch die vielen offenen Fragen zur konkreten Ausgestaltung.

Branchenentwicklung

Erschließung neuer Märkte – Anfällige Marktführer

Ein verschärfter Wettbewerb sowie ein höheres Maß an Transparenz- und Offenlegungsanforderungen für Produkte und Preise im Rahmen von MiFID II und PRIIPs werden einen starken Einfluss auf alle Unternehmen haben, die Investmentprodukte anbieten. Banken müssen ihre strategische Positionierung dem stärkeren Wettbewerb auf dem Zahlungsmarkt anpassen.

Handelsgeschäfte – Entscheidungszeit für Handelsstrategien

Die Einführung neuer Handelsplätze und das Inkrafttreten der Clearing- und Marginanforderungen werden großen Einfluss auf die Entwicklung und den Ausbau von Handelsstrategien haben. Die Zulassung von Handelsplätzen in Vorbereitung auf die MiFID-II-Umsetzung wird weiter eine entscheidende Rolle spielen. Darüber hinaus werden die Unternehmen sich wohl dazu entscheiden, ein steigendes Volumen an OTC-Derivaten zentral zu clearen.

Politische Unsicherheit

Brexit – Die Unsicherheit bleibt

Mit Blick auf den EU-Marktzugang bleiben die Unternehmen, bei der Bewertung der Auswirkungen des Brexits auf ihr Geschäftsmodell und ihre Geschäftsstrategie zunächst weiterhin im Unklaren. Während die Aufsichtsbehörden die Maßnahmen und Vorbereitungen der Unternehmen auf den Brexit intensiv beobachten, erwarten wir keine regulatorischen Änderungen, solange Großbritannien noch in der EU verbleibt. Vor dem Hintergrund der fortwährenden Unsicherheit könnten erste Unternehmen jedoch bereits 2017 anfangen ihre Brexitpläne umzusetzen.

Weitere Treiber politischer und makroökonomischer Unsicherheit sind:

  • Geringes Wachstum und niedrige Zinsmargen
  • Politische Risiken und politische Volatilität in entwickelten Märkten
  • Wachsende Herausforderungen für den freien Verkehr von Kapital und grenzüberschreitenden Dienstleistungen

Unternehmensstrategien

Effiziente Kontrollen – RegTech auf dem Vormarsch

Von RegTech – der Nutzung neuer Technologien zur Umsetzung und Einhaltung regulatorischer Anforderungen – versprechen sich viele Unternehmen Hilfe bei der Senkung von Kosten, eine Verbesserung bei der Beherrschung der Compliance-Risiken und verbesserte Kontrollen. Die effektive Nutzung von RegTech erfordert jedoch umfangreiche Investitionen, die vor dem Hintergrund des für 2017 zu erwartenden schwierigen Marktumfeldes schwer zu rechtfertigen sein könnten. Aus diesem Grund erwarten wir zunächst nur eine schrittweise Einführung von RegTech, die es den Unternehmen erlaubt, den konkreten Mehrwert aufzuzeigen.

Governance-Strategien – Too big to manage?

Vorstände und Aufsichtsräte sehen sich einem erhöhten Druck ausgesetzt, wenn sie gegenüber Aufsichtsbehörden nachweisen müssen, dass sie Konzerne – bestehend aus mehreren rechtlichen Einheiten und Geschäftsaktivitäten in unterschiedlichen Ländern – effektiv steuern können. Dabei werden Fragen in Bezug auf die organisatorische Komplexität, die Funktionsfähigkeit von konzerninternen Verbindungen und, falls erforderlich, die unabhängige Handlungsfähigkeit von Tochtergesellschaften aufgeworfen. Hieraus resultiert aber auch eine Gelegenheit, die Komplexität zu reduzieren und so als Unternehmen besser steuerbar zu sein.

Nachhaltigkeit von Geschäftsmodellen – Beschleunigung strategischer Veränderungen

Bei der Umgestaltung der Geschäftsmodelle haben die Unternehmen es selbst in der Hand, Kosten effizienter zu managen und den Ertrag zu stärken. Im Hinblick auf neue Vorschriften und eine größer werdende makropolitische Unsicherheit müssen finanziellen Ressourcen neu allokiert werden. Aufsichts- und Abwicklungsbehörden werden weiter darauf hinwirken, regulatorische Compliance, Stresstests und die Abwicklungsplanung in die Geschäftsmodelle und in die strategische Planung aufzunehmen.

 

Der Deloitte Regulatory Outlook 2017 befasst sich intensiv mit den angesprochenen und weiteren Themen. Er ist in englischer Sprache erschienen.

Ihre Ansprechpartner

Wilhelm Wolfgarten
Partner Deloitte
+49 211 8772 2423
wwolfgarten@deloitte.de

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Director Deloitte
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