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Schattenbankensektor global

Siebter Bericht des Financial Stability Board

Financial Stability Board (FSB) veröffentlicht siebten Bericht zur Überwachung des globalen Schattenbankensystems

Der Bericht zur Überwachung des globalen Schattenbankensystems (Global Shadow Banking Monitor Report) des FSB erscheint einmal jährlich und wurde am 7. März 2018 bereits zum siebten Mal veröffentlicht. Der Überwachungsbericht stellt die Ergebnisse der Analyse globaler Trends und Risiken im Schattenbankensektor auf Basis von Daten bis Ende 2016 zusammen. Der diesjährige Bericht berücksichtigt insgesamt 29 Staaten, die insgesamt 80% des globalen BIP ausmachen, wobei Luxemburg erstmals einbezogen worden ist.

Das FSB versteht unter Schattenbanken die „credit intermediation involving entities and activities (fully or partially) outside the regular banking system“. Hauptakteure sind Geldmarktfonds, Investmentfonds, die Leverage einsetzen, und Verbriefungsgesellschaften. Schattenbanken können einen wertvollen Beitrag zu Unternehmensfinanzierungen jenseits von Bankfinanzierungen und wirtschaftlichem Wachstum liefern. Fehlanreize und Intransparenz in diesem Sektor werden jedoch auch als Mitauslöser der Finanzkrise 2007-2009 angesehen.

Die Überwachung durch das FSB erfolgt anhand eines aktivitätsbasierten Ansatzes, bei dem die Behörden den Schwerpunkt auf diejenigen Marktaktivitäten des Nichtbanken-Sektors beschränken, in denen finanzielle Stabilitätsrisiken aus dem Schattenbankengeschäft auftreten können. Im Besonderen werden hier Laufzeit- und Liquiditätsinkongruenzen sowie Leverage-Effekte beobachtet.

Nach diesem engen Verständnis von Schattenbanken sind die Finanzaktiva dieser 2016 um 7,6% auf 45,2 Bill. USD in den 29 betrachteten Staaten gewachsen. Dies entspricht rund 13% der gesamten weltweiten Finanzaktiva dieser Staaten. Den größten Anteil stellt mit 14,1 Bill. USD der Schattenbankensektor in den USA dar, der ca. 31,3% des weltweiten Schattenbankensektors ausmacht, gefolgt von China mit 7,0 Bill. USD (15,5%).

Moderates Wachstum des Schattenbankensektors in Deutschland

In Deutschland wird der Schattenbankensektor nach den vom FSB zusammengetragenen Daten auf ein Volumen von rd. 1,7 Bill. USD beziffert. Dies entspricht einem Wachstum von insgesamt 5,9% gegenüber dem Vorjahr. Der Schattenbankensektor in Deutschland setzt sich dabei hauptsächlich aus den Aktivitäten von kollektiven Anlagevehikeln (z.B. Investmentfonds und Versicherungen) zusammen. Mit weitem Abstand folgen Aktivitäten, die auf durch Verbriefungen begründete Bereitstellung von Finanzmitteln für Banken/Nicht-Banken zurückzuführen sind. Einen ähnlich großen Anteil des deutschen Schattenbankensektors rechnet das FSB Aktivitäten des Schattenbankensektors zu, die die Vergabe von kurzfristigen Finanzierungen (z.B. Verbraucherfinanzierungen und Autofinanzierungen) umfassen. Dieser Bereich ist im letzten Jahr mit 10% am stärksten hierzulande gewachsen. Keinen wesentlichen Anteil am Schattenbankensektor in Deutschland haben hingegen Aktivitäten, die Wertpapierleihen und der Bereitstellung von Garantien zugeordnet werden können (vgl. Grafik).

Private Kreditfonds in Deutschland auf den Vormarsch

Aufgrund erhöhter Kapitalvorschriften für Banken seit der Finanzkrise wird die Finanzierung von Investitionsprojekten durch Schattenbanken auch in Deutschland weiterhin attraktiver. Während Banken bestimmte Kredite nicht mehr vergeben können, stoßen vermehrt private Kreditfonds in die entstandene Lücke. Laut dem auf alternative Assetklassen spezialisierten Datenlieferanten PEI Media agieren inzwischen 50 private Kreditfonds in Deutschland. Ein Großteil (79%) fokussiert sich dabei auf die Kreditvergabe an Unternehmen. 12% zielen auf Immobilienfinanzierungen und 9% auf die Finanzierung von Infrastrukturprojekten ab. Die Anbieter sind häufig Finanzinvestoren, die im Vergleich mit herkömmlichen Banken deutlich flexiblerund schneller Kredite für große Investitionen, geplante Übernahmen oder kurzfristige Liquidität bereitstellen können. Diese Vorzüge spiegeln sich jedoch in erhöhten Preisen wider. Finanzierungen über private Kreditfonds lohnen sicher daher i.d.R. erst bei hohem Umsatzwachstum, als Teil eines größeren Finanzierungs-Mix oder wenn kurzfristig keine alternative Finanzierung möglich ist. Obwohl in Deutschland die Finanzierung durch die Hausbank noch weit verbreitet ist und Vorbehalte gegen Finanzinvestoren weiterhin bestehen, wird erwartet, dass die Nachfrage nach Finanzierungen außerhalb des Bankensektors weiter steigen wird.

Ein erwähnenswertes Beispiel dafür ist der Anfang April 2018 verkündete Abschluss einer der ersten Private-Debt-Transaktion in Deutschland. Zusammen mit anderen Finanzinvestoren (u.a. Idinvest Partners sowie CVC Credit Partners) wurde die Übernahme der Halex-Gruppe (führender Hersteller von Strangpresswerkzeugen in Europa) für Bencis Capital Partners finanziert. Der dafür aufgesetzte Kreditfonds „Muzinich Private Debt“ umfasst aktuell ein Investitionsvolumen von 1,5 Mrd. USD, das sich auf 32 mittelständische Unternehmen in Europa verteilt.

Während Finanzinvestoren aufgrund der weiter andauernden Niedrigzinsphase nach wie vor auf der Suche nach renditeträchtigen Anlagen sind und zeitgleich nicht zu erwarten ist, dass die Regularien für risikoreiche Finanzierungen im Mittelstand gelockert werden, ist davon auszugehen, dass dieser Trend zu alternativen Finanzierungsformen auch in den nächsten Jahren andauern wird.

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