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Versicherungen als Verbriefungsinvestoren

Neue Solvenzkapitalanforderungen

Anpassung der Solvenzkapitalanforderungen für von Versicherungsunternehmen gehaltene Verbriefungen

Durch die am 10. September 2018 veröffentlichte delegierte Verordnung EU/2018/1221 zur Änderung der delegierten Verordnung EU/2015/35 (Ver-ordnung zu Solvency II) sollen die Berechnung der aufsichtsrechtlichen Kapitalanforderungen für von Erst- und Rückversicherungsunternehmen gehaltene Verbriefungen angepasst und die Einführung von einfachen, transparenten und standardisierten Verbriefungen (STS-Verbriefungen) berücksichtigt werden.

Die Anpassung der Solvency II-Regelungen ist eine Reaktion auf das überarbeitete europäische Regelwerk für Verbriefungen („Verbriefungsverordnung“), da dieses zum Zwecke der Harmonisierung des Verbriefungsmarktes eine Vereinheitlichung der Anforderungen für den gesamten Finanzdienstleistungssektor vorsieht und es ohne Solvency II-Anpassungen zu einer Doppelregulierung in der Behandlung von Verbriefungen für Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmen kommen würde. Die Überschneidungspunkte der Verbriefungsverordnung und der Solvency II-Regulierung liegen in den Vorschriften zu Risikoselbstbehalt, Sorgfalts- und Offenlegungspflichten, sodass diese aus der Solvency II-Regelung gestrichen werden. Des Weiteren werden Definitionen sowie Verweise auf Definitionen an die Verbriefungsverordnung angepasst, um Klarheit und Kohärenz sicherzustellen. Neben der Eliminierung von Überschneidungen soll vor allem die in Art. 178 Solvency II vorgegebene Berechnung der Kapitalanforderungen für Verbriefungen angepasst werden.
 

Bisherige Berechnung der Kapitalanforderungen für Verbriefungen

Für die Berechnung der Kapitalanforderungen werden nach aktueller Solvency II-Regelung Verbriefungspositionen in drei Kategorien, nämlich Typ 1, Typ 2 und Wiederverbriefungspositionen, unterteilt, und dann für jede Gruppe separat die Kapitalanforderung berechnet.

Eine Verbriefungsposition gilt als Typ 1, wenn sie eine Liste von 20 strengen Kriterien erfüllt, die in Art. 177 Abs. 2 der delegierten Verordnung EU/2015/35 aufgelistet werden. Die Qualitätskriterien umfassen insbesondere strukturelle Merkmale: nur Positionen mit Ratings von oder besser als „BBB“ (Bonitätstufe 3) und nur höchstrangige Tranchen kommen für eine Typ 1-Klassifizierung in Betracht.

Eine Wiederverbriefungsposition liegt vor, wenn mindestens eine der zugrundeliegenden Forderungen eine Verbriefungsposition ist und das verbundene Risiko wieder in Tranchen unterteilt wird.

Wenn eine Verbriefungsposition weder die Typ 1-Kriterien erfüllt noch eine Wiederverbriefungsposition darstellt, wird sie als Typ 2 eingestuft.

Die Kapitalanforderung für eine Verbriefungsposition berechnet sich aus ihrem Marktwert multipliziert mit einem bestimmten Stressfaktor. Der Stressfaktor für die Kapitalanforderung hängt von der Duration in Jahren, der Bonitätsstufe und dem Typ, dem die Verbriefungsposition zugewiesen wurde, ab.

Änderungen an der Berechnung der Kapitalanforderungen für (STS-) Verbriefungen

Die Neukalibrierung der Solvenzkapitalanforderungen soll für alle Arten von Verbriefungsinvestments die richtigen Anreize setzen und die Risikosensitivität im angemessenen Verhältnis zu den Merkmalen der neu eingeführten STS-Verbriefungen abbilden. Daher werden die Stressfaktoren modifiziert, indem die bisherige Typisierung nach Typ 1, Typ 2 und Wiederverbriefungen sowie die Qualitätskriterien für Typ 1 durch die neue Klassifizierung in „vorrangige STS“, „nicht vorrangige STS“, „Nicht-STS“ und „Wiederverbriefungen“ abgelöst werden.

Im Zuge der neuen Einstufung werden vorrangige STS-Verbriefungen bessergestellt als frühere Typ 1-Verbriefungen, indem diesen geringere Stressfaktoren zugewiesen werden. Auch Bonitäten unterhalb von Stufe 3 sowie nicht höchstrangigen STS-Verbriefungen werden nunmehr relativ niedrige Stressfaktoren zugewiesen. Den Nicht-STS Verbriefungen werden dagegen dieselben Werte wie früheren Typ 2-Verbriefungen zugeteilt.

Die vorliegende Verordnung ist (ebenso wie die Verbriefungsverordnung) ab dem 1. Januar 2019 anzuwenden. Damit der Geltungsbeginn des überarbeiteten Rahmens keine nachteiligen Auswirkungen auf bereits bestehende Investitionen in Verbriefungen hat, sind entsprechende Übergangsregelungen vorgesehen. So dürfen bspw. vor dem 1. Januar 2019 emittierte und als Typ 1 klassifizierte Verbriefungen zukünftig grundsätzlich wie STS-Verbriefungen behandelt werden.
 

STS-Verbriefungen als Anlageklasse für Versicherungen

Es bleibt abzuwarten, ob die geänderten Kapitalanforderungen für vorrangige STS-Verbriefungen zu Veränderungen des Investitionsverhaltens von Versicherungen führen, denn auch wenn eine deutliche Verbesserung gegenüber früheren Typ 1-Verbriefungen erreicht wird, gelten für Investitionen in Anleihen oder Darlehen nach wie vor über alle Bonitätsstufen hinweg niedrigere Risikofaktoren als für vorrangige STS-Verbriefungen. Die deutlich höheren Kapitalanforderungen an Versicherungen im Vergleich zu Banken als Investoren in Verbriefungspositionen bleiben - wenn auch relativiert - bestehen. Äußerst fraglich bleibt zudem, ob sich am unattraktiven Status quo von Investments in ABCP-Verbriefungen etwas verändert. Während Letztere sich nach bisheriger Solvency II-Regulierung nicht als Typ 1 qualifizierten, würde sich nach der neuen Regelung nur eine Verbesserung einstellen, wenn die ABCP-Verbriefung auf Transaktions- und Programmebene STS-fähig würde, was bezüglich der Programme als äußerst fraglich angesehen wird.

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