bav, abeitswelt

Article

Rolle der bAV in der künftigen Arbeitswelt – Erkenntnis aus der Human Capital Trend Study 2019

Ein Pensionsplan kann ein wichtiger Bestandteil eines modernen Vergütungsansatzes sein. Betriebliche Altersversorgungsleistungen tragen dazu bei, den Arbeitgeber als sozial verantwortungsbewusst zu positionieren. Um dies zu erreichen, müssen Pensionspläne attraktiv gestaltet und sehr gut kommuniziert werden.

Betriebliche Altersversorgung ist eine betriebliche Nebenleistung und wird heute allgemein als Teil der Vergütung angesehen. In diesem Zusammenhang gibt es zwei Besonderheiten zu beachten:

  1. Betriebliche Altersversorgung (bAV) liegt auch dann vor, wenn der Mitarbeiter selbst Geld einzahlt und der Arbeitgeber nur den Rahmen hierfür zur Verfügung stellt („Entgeltumwandlung“). Dies widerspricht intuitiv dem Vergütungsgedanken, da die Bezahlung in diesen Fällen nicht durch den Arbeitgeber erfolgt, sondern durch den Mitarbeiter selbst. Auf diese Art der bAV besteht sogar ein rechtlicher Anspruch seitens der Arbeitnehmer (§ 1a Abs. 1 BetrAVG). Mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz von 2018 wurde zudem ein Zuschuss des Arbeitgebers verpflichtend geregelt, aber nur soweit die Entgeltumwandlung über bestimmte Modelle durchgeführt wird.
  2. Der konkrete Nutzen von bAV liegt naturgemäß in weiter Zukunft, ganz im Gegensatz zu den meisten anderen Vergütungselementen. Während die Barvergütung jeden Monat visibel wird, erfahren die meisten Arbeitnehmer den Vorteil von bAV erst mit dem Eintritt in den Ruhestand. Daraus folgt ein viel höherer Kommunikations- und Informationsbedarf, um den Mitarbeitern den Nutzen auch schon in den Jahren des aktiven Berufslebens vor Augen zu führen.

Diese Besonderheiten sind bedeutend, wenn es darum geht, bAV-Angebote hinsichtlich der sich stetig weiterentwickelnden Rolle des Arbeitgebers einzuordnen. Diese Rolle ist im Fokus in der jährlichen, globalen Human Capital Trendstudie von Deloitte. An der aktuellen Studie nahmen fast 10.000 Personen aus 119 Ländern teil, 600 davon aus Deutschland. 2018 attestierten die Experten anhand der Ergebnisse den Aufstieg der „sozialen Organisation“. In einer Arbeitswelt, die von einer stetig zunehmenden Geschwindigkeit von Veränderungsprozessen geprägt ist, wünschen sich die Arbeitnehmer einen Arbeitgeber, zu dem sie in besonderem Maße Vertrauen haben können. Sie erwarten, dass der Arbeitgeber in vielerlei Hinsicht Verantwortung übernimmt – nicht nur in Bezug auf gesellschaftliche Themen wie bspw. Diversität und Klima, sondern auch mit Blick auf das Wohlergehen der eigenen Mitarbeiter. Viele der betrieblichen Nebenleistungen haben dieses Wohlergehen im Auge, seien es beispielsweise Sabaticals, Gesundheitsmaßnahmen oder die Betriebskita.

Ein ganz besonders wichtiges Puzzleteil kann dabei die bAV sein. Denn die bAV zielt auf ein ausreichendes Alterseinkommen ab, wo staatliche Sicherungssystem in vielen Ländern der Welt keine Rolle spielen oder aber, wie in Deutschland, sukzessive ihr Leistungsniveau einschränken müssen. Zudem kann die bAV Absicherungen für den Todes- und Invaliditätsfall beinhalten. In dieser Hinsicht ist bAV sowohl ein traditionelles wie auch modernes Vergütungselement. Der Nutzen geht dabei über den rein monetären Aspekt hinaus. Viele Arbeitnehmer schätzen es schon, wenn ihr Arbeitgeber ihnen einen vernünftigen, kosten- und risikoarmen Rahmen zur Entgeltumwandlung zur Verfügung stellt, am besten incentiviert durch einen Zuschuss (der in vielen Fällen seit 2019 bzw. ab 2022 ohnehin verpflichtend ist). Gepaart mit einer zielgerichteten, neutralen Information kann ein solches Modell – ganz unabhängig von einem darüberhinausgehenden finanziellen Engagement des Arbeitgebers – in den Augen der Arbeitnehmer einen hohen Mehrwert darstellen.

In der Deloitte bAV-Studie 2019 wird als Hauptgrund für die Nicht-Teilnahme an der bAV angegeben, die Arbeitgeber würden keine bAV anbieten. Das heißt, die betreffenden Mitarbeiter haben nicht einmal die Möglichkeit, Entgeltumwandlung zu betreiben – trotz Rechtsanspruch. Solche Arbeitgeber sind von der Idealvorstellung einer sozialen Organisation weit entfernt und werden es zunehmend schwerer haben, Mitarbeiter zu finden, zu halten und zu motivieren.
Die bAV kann ein zentraler Baustein bei der Positionierung als Soziale Organisation sein. Unternehmen haben die Möglichkeit, mit einem bAV-Angebot Pluspunkte als Arbeitgeber zu sammeln. In der Deloitte bAV-Studie 2019 gibt es wichtige Hinweise, wie ein attraktives bAV-Angebot gestaltet werden muss und was im Detail bei der Kommunikation beachtet werden sollte.

Autor:

Jens Denfeld
Senior Manager

jdenfeld@deloitte.de
Tel: +49 (0) 69 9713 7148
Mobil: +49 151 58072152