Deloitte | Innovationsprogramm Interview

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Neuer, besser, fortschrittlicher

Sechs Fragen rund um das Thema Innovation

Innovationen gelten als Erfolgsmotor für Unternehmen. Immer mehr Firmen schreiben sich Innovation als strategisches Ziel auf die Fahne. Aber was genau sind eigentlich Innovationen? In welchen Bereichen findet man sie? Und warum sind sie in der heutigen Zeit so wichtig?

Nicolai Andersen leitet den Bereich Deloitte Analytics und ist verantwortlich für das Deloitte Innovationsprogramm. In einem Gespräch haben wir ihm Fragen rund um das Thema Innovation gestellt.

Nicolai Andersen im Interview

Wie kann Innovation definiert werden?

Herr Andersen:

Innovation ist nicht notwendigerweise die Erfindung eines neuen Produkts oder einer Dienstleistung. Sie ist vielmehr das Erstellen eines lohnenswerten, neuen Angebots, das vom Kunden auch als lohnenswert und neu empfunden werden muss. Dabei muss dieses Angebot nicht unbedingt gänzlich neu sein. Es reicht, wenn es sich um eine Neuheit in einer Branche handelt. Ein wichtiges Kriterium ist die kommerzielle Verwertbarkeit des Angebots, die die Innovation von der Erfindung oder dem Forschungsergebnis abgrenzt. Das klingt alles vielleicht etwas kompliziert. Daher in einfachen Worten: „Innovation ist, wenn der Markt jubelt“.
 

Wie kann man sich durch Innovationen abheben?

Herr Andersen:

Bringt ein Unternehmen eine Innovation auf den Markt, verschafft es sich einen Wettbewerbsvorteil durch einen Einzigartigkeits-, Qualitäts- oder Preisvorsprung. Damit steigt der Wert des Angebots für den Kunden gegenüber den Angeboten von Wettbewerbern, die nicht über die Innovation verfügen. Der Kunde erhält also durch die Innovation entweder eine einzigartige Neuheit, die den „Neidfaktor“ auslösen kann, bessere Qualität oder ein günstigeres Angebot.
 

In welchen Industrien können die größten Innovationen beobachtet werden?

Herr Andersen:

Das ist eine Frage des Betrachters. Der Konsument sieht natürlich vor allem die Innovationen rund um Medien und Konsumgüter, weil das die Bereiche sind, denen man im täglichen Leben begegnet und in denen man Neuheiten am besten erkennen kann. Die größten Innovationen passieren aber gerade in Deutschland eigentlich in der Großindustrie. Dieser technische Fortschritt ist für den Endverbraucher allerdings weitaus weniger ersichtlich. In vielen Fällen schwappen Innovationen aus der produzierenden Industrie aber nach und nach in den Konsumentenbereich über. Ein Beispiel hierfür sind 3D-Drucker. Diese gibt es im klassischen Maschinenbau schon eine ganze Weile, mittlerweile werden sie auch für die Nutzung durch Endverbraucher relevant. 
 

Wo stößt man auf mehr Innovationen, in kleinen Startups oder in den Innovationsabteilungen großer Firmen?

Herr Andersen:

In den großen Konzernen findet man mengenmäßig natürlich mehr Innovationen. Patentanmeldungen auf Produktbestandteile sind hier ein konstanter Prozess. Relativ betrachtet, sind aber Start-ups gerade in Bezug auf Prozesse innovativer. Hier wird mehr ausprobiert, und innoviert. Natürlich handelt es sich auch bei den Angeboten von Start-ups nicht immer um wahre Innovation. Viele kleine Firmen kopieren auch einfach Konzepte, die nur anders zu sein scheinen, aber schon bestehen.
 

Inwieweit sind Innovationen heutzutage ein Muss für Unternehmen?

Herr Andersen:

Innovationen sind nicht immer zwingend notwendig. Auch als sogenannter „Fast Follower“, d.h. durch das schnelle und effiziente Übernehmen von Innovationen von Wettbewerbern, kann man am Markt extrem erfolgreich sein. Der Innovator selbst hat auch immer ein großes Finanzrisiko zu tragen. Nachahmer, die Ideen geschickt kopieren, müssen im Vergleich zum Innovator hingegen nicht mehr so viel Aufwand in Forschung und Entwicklung stecken. Aber ganz gleich ob Innovator oder Verfolger, Unternehmen sollten sich grundsätzlich offen für Neues zeigen, um langfristig erfolgreich zu sein.
 

Wie kommt man zu Innovationen?

Herr Andersen:

Das funktioniert ganz unterschiedlich: Anstöße können über das sogenannte „Open Innovation“ erzeugt werden. Das sind Ideenfindungsprozesse, wie zum Beispiel die „Deloitte Innovation Challenge“. Hierbei werden sowohl Mitarbeiter als auch Außenstehende aufgefordert nach innovativen Ideen zu suchen. Eine andere Möglichkeit ist der strukturierte Forschungs- und Entwicklungsprozess, in welchem Unternehmen für bestimmte Probleme zielgerichtet nach einer Lösung suchen. Aber auch durch simple Marktbeobachtung kann der Innovationsprozess angetrieben werden. Eine weitere wichtige Option ist die Bildung eines Eco-Systems um das eigene Unternehmen herum mit unterschiedlichen Organisationen, wie Forschungseinrichtungen, Universitäten, Zulieferern oder Kunden. Oftmals ist es erst durch den Verbund verschiedener Institutionen möglich,  Innovationen zu erhalten oder bestehende Angebote so weiterzuentwickeln, dass sie weiterhin innovativ sind. 

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