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Zentren für digitale Innovationen

Deutschland, deine Städte

Städte sind Innovations-Hubs und Magnete für Talente, Gründer und digitale Champions. Hier entstehen Ökosysteme, die Innovationen hervorbringen und verbreiten. Für den Standort Deutschland werden Städte und ihre nachhaltige Entwicklung zum Schlüssel für wachsende Innovationskraft. Drei Faktoren bestimmen nach dem Deloitte-Index zur digitalen Wettbewerbsfähigkeit die Innovationskraft einer Stadt – Talente, Innovation sowie Attraktivität für Unternehmen und hoch qualifizierte Fachkräfte.

Innovationen

Neue Innovationsmuster

Innovationen sind Triebkräfte für Wachstum und Wohlstand. Sie benötigen regionale Netzwerke und einen stetigen, branchenübergreifenden Austausch. Lebendige Ökosysteme unterstützen den Innovationsprozess durch gezieltes Vernetzen von Ideenträgern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Allianzen von Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Universitäten bereiten den Nährboden für die schnelle Umsetzung smarter Ideen in marktfähige Produkte und Services. Doch entstehen digitale Ökosysteme dort, wo die Rahmenbedingungen stimmen. Eine Schlüsselrolle spielen dabei Bund, Länder und Kommunen. Sie haben die Möglichkeit, die Rahmenbedingungen aktiv zu gestalten. Zugleich können Kommunen selbst Teil dieser Netzwerke werden, vom Expertenwissen profitieren und beispielsweise an innovativen Lösungen für intelligente Verkehrsinfrastruktur, Sicherheit und effizientere Ressourcennutzung in den Bereichen Energie- und Wasserversorgung arbeiten.  

Zentrale Voraussetzung für die Entstehung digitaler Ökosysteme sind gut ausgebildete Talente. Erstklassige Universitäten und Hochschulen ziehen Talente wie Unternehmen an. Etablierte Firmen siedeln Forschungs-, Innovations- und Strategieeinheiten in Innovation-Hubs mit experimentierfreudigem, universitärem Umfeld oder mit ausgeprägter Start-up-Kultur an. Da im digitalen Zeitalter Innovationen datengetrieben sind, entscheiden technologiebasierte Start-ups und Informations- und Kommunikationstechnologie-Firmen (IKT) über die Innovationskraft einer Stadt. Software, Internetdienste und Informationsdienstleistungen zeichnen sich nicht nur durch hohe Wertschöpfung aus. Digitale Branchen haben zugleich eine starke Ausstrahlung auf andere Sektoren, in denen die Digitalisierung die Spielregeln verändert – zum Beispiel die Automobil- oder die Finanzdienstleistungsindustrie.

Strategische Vernetzung

Die Entstehung von Innovationclustern erfordert schließlich eine umfassende Innovationsstrategie von Ländern und Kommunen. Sie nimmt die spezifischen regionalen Stärken hinsichtlich Wirtschafts-, Technologie- und Innovationskompetenzen sowie räumliche Strukturen in den Fokus und verbindet sie mit den langfristigen Zielen einer Region. Spezialisierung auf einen technologischen Bereich ist zielführend. Danach richten sich Investments und Kooperationen aus.

Unternehmen brauchen unterschiedliche Ökosysteme, Talente und Kooperationspartner, die in unterschiedlichen Städten und Regionen beheimatet sein werden. München, Deutschlands führender Digitalstandort im Deloitte-Ranking „Index Digitale Wettbewerbsfähigkeit“, profitiert von seiner starken Stellung in den traditionellen Industriebranchen, während Hamburg und Frankfurt am Main aufgrund ihrer Spezialisierung auf Online-Handel bzw. Finanzdienstleistungen zu Magneten für E-Commerce- und Fintech-Start-ups geworden sind.

Innovationscluster brauchen keine kommunalen Einzelgänge – vielmehr sollte eine erfolgreiche Standortpolitik auf strategische Vernetzung und enge Kooperation mit anderen Städten setzen. München und Ingolstadt könnten genauso wie Stuttgart und Ulm als Innovationscluster im Bereich Maschinen- und Fahrzeugbau weiter an Stärke gewinnen. Für Nürnberg, Fürth und Erlangen wäre eine Allianz mit Fokus auf Industrie 4.0 denkbar. Ein weiteres Innovationscluster könnte rund um Karlsruhe entstehen. Für die Stadt, die sich als die Hightech-Wiege Deutschlands einen Namen gemacht hat und über renommierte Forschungs- und Hochschuleinrichtungen verfügt, ergeben sich durch den Siegeszug der digitalen Technologien neue Möglichkeiten.

Die Bundesregierung unterstützt durch die Förderung von aktuell 15 Spitzenclustern die Etablierung von nachhaltigen Innovationsnetzwerken zwischen Großunternehmen, Start-ups und Universitäten. Mit eigenen Clusterförderprogrammen flankieren die Bundesländer diese Initiative.

Ökosysteme benötigen regionale Netzwerke

Kooperationen ermöglichen Innovatioscluster 

Bildung und Forschung

MINT-Kompetenzen weiter stärken

Im digitalen Zeitalter wandeln sich die Treiber von Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit. Für moderne Volkswirtschaften und Unternehmen ist Wissen der zentrale Produktionsfaktor. Wissensintensive Produktion und Dienstleistungen wie Softwareentwicklung sind seit Jahren auf dem Vormarsch. Angesichts der fortschreitenden Digitalisierung der Wirtschaft gewinnen sie zunehmend an Bedeutung. Der Bedarf nach qualifizierten Arbeitskräften mit IT- und mathematisch-naturwissenschaftlichen Kompetenzen wird weiter steigen. Bis 2020 werden ohne zusätzliche Maßnahmen 670 000 MINT-Fachkräfte fehlen, um allein den Ersatzbedarf zu decken. Verschärft wird der Fachkräftemangel durch die demografische Entwicklung. Die MINT-Beschäftigten werden immer älter: Nach dem MINT-Frühjahresreport 2015 sind in Westdeutschland durchschnittlich 16 Prozent der MINT-Berufstätigen älter als 55 Jahre, in Ostdeutschland sind es 20 Prozent.

Staat und Wirtschaft stehen vor der Herausforderung, die Attraktivität einer Ausbildung bzw. eines Studiums im MINT-Bereich zu erhöhen. Förderprogramme, Praktikums- und interaktive E-Learning-Angebote unterstützen Nachwuchstalente in der Entscheidung, einen IKT- oder MINT-Beruf zu ergreifen. Entstehen sollten solche Angebote in Lernkooperationen zwischen Unternehmen und Bildungseinrichtungen. Digitale Bildung muss bundesweit zu einem festen Bestandteil des Schulcurriculums und der beruflichen Ausbildung werden. Themen wie Big Data, Internet der Dinge, Datensicherheit und digitale Ethik gehören künftig zum Lehrplan. Darüber hinaus sollten Bildungsinvestitionen von Bund, Ländern und Kommunen in die zeitgemäße IT-Ausstattung von Schulen und Hochschulen fließen. Der Einsatz digitaler Medien im Unterricht sollte keine Ausnahme, sondern die Regel sein.

Ein zunehmend wichtiges Thema für den Standort Deutschland und die datengetriebene Wirtschaft ist Data Analytics. Industrie 4.0, autonomes Fahren und E-Health-Angebote basieren auf der Generierung, Analyse und Verarbeitung großer Datenmengen. Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Nutzung von Big Data ist allerdings die Ausbildung von Data Scientists. Noch hinkt Deutschland  führenden Nationen wie den USA und Großbritannien hinterher. Der Aufbau von Analytics Business Schools und spezialisierten Studiengängen sind vor diesem Hintergrund zentrale Handlungsfelder für Politik, Wirtschaft und Wissenschaft hierzulande. Positiver Nebeneffekt: Analytics Business Schools können zu Keimzellen für neue Ökosysteme werden und Wachstumsimpulse setzen.

Forschung stärker fördern

Innovative Produkte und Dienstleistungen brauchen eine starke Forschung. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse sind Basis für zukunftsfähige Lösungen in den Bereichen Mobilität, Energie, Umwelt und Gesundheitsversorgung. Gemeinsames Engagement von Staat und Wirtschaft bis zur regionalen Ebene ist Voraussetzung für Innovationsfähigkeit. Führende Innovation-Hubs wie Berlin und München sind in Bundesländern mit überdurchschnittlich hohem Anteil der F&E-Gesamtausgaben am BIP des jeweiligen Landes beheimatet. Mit 3,87%  bzw. 2,41% F&E-Anteil zeigt sich die Wirtschaft besonders in Baden-Württemberg und Bayern als engagierter Partner.

Investitionen in Forschungsförderprogramme für zukunftsträchtige Sektoren, steuerliche Forschungsförderung und weitere Erhöhung der F&E-Ausgaben des Staates und der Wirtschaft werden für Schubkraft sorgen. Kooperationen zwischen Hochschulen und Unternehmen, zum Beispiel im Rahmen von Forschungsprojekten und Inkubatoren, werden zu zusätzlichen Innovationsimpulsen führen.

Zahlreiche Länder in Europa und weltweit setzen bereits verschiedene Innovationsförderinstrumente parallel ein. Neben der steuerlichen F&E-Förderung durch z.B. Steuergutschriften oder einem (erhöhten) Ausgabenabzug zur Steigerung der betrieblichen Ausgaben für Innovation bietet sich die projektbezogene Zuschussförderung an. Zinsvergünstigungen für Unternehmensdarlehen oder für Risikokapitalgesellschaften zur Stimulierung der Investitionsbereitschaft in innovative Aktivitäten sind vor dem Hintergrund des aktuell niedrigen Zinsniveaus nur begrenzt erfolgsversprechend.

Digitale Bildung wird Bestandteil des Schul­curriculums

Spezialisierte Studiengänge für Data Analytics aufbauen

Steuerliche F&E-Förderung einführen

Standort-Attraktivität

Die digitale Innovationskraft in Deutschland konzentriert sich laut dem Deloitte Digital Innovation-Index auf einige wenige Städte – München, Berlin, Hamburg, Köln, Stuttgart und Frankfurt sind die führenden Digital-Standorte. Je wirtschaftsfreundlicher die Rahmenbedingungen sind, desto höher ist die Anziehungskraft einer Stadt für Unternehmen. Faktoren wie Regulierung, Bürokratie, Steuern, Kommunikations- und Infrastruktur spielen eine Rolle. Nach dem Institut der deutschen Wirtschaft bestimmen vier Bereiche die Attraktivität einer Stadt als Standort für Unternehmen: Arbeitsmarkt, Wirtschaftsstruktur, Immobilienmarkt und Lebensqualität

Für Nachwuchstalente entscheiden bei der Standortwahl gute Verkehrsanbindungen, günstige Lebenshaltungskosten, ein vielfältiges Freizeit- und Kulturangebot sowie die Nähe zur Natur. Studierende sind laut dem Deloitte-Studentenmonitor 2016 hochmobil. 87 Prozent würden für eine Arbeitsstelle ihren Wohnort wechseln. Vor diesem Hintergrund müssen sich Städte auf einen verschärften Wettbewerb um hochqualifizierte Arbeitnehmer einstellen.

Schnelle Netze

Für attraktive Rahmenbedingungen ist eine leistungsfähige digitale Infrastruktur unerlässlich. Investitionen in den Breitbandausbau und in die Sicherheit der Datennetze tragen wesentlich dazu bei, die digitale Informationsgesellschaft zu verwirklichen. Schnelle Breitbandnetze führen zu mehr Wachstum und Beschäftigung – in den Städten selbst wie in ihren ländlichen Anrainern.  Im Vergleich zu anderen europäischen Zentren liegen deutsche Großstädte in puncto digitale Infrastruktur abgeschlagen zurück. Als Standortschwächen gelten laut dem European Digital City Index 2015 die hohen Kosten für Breitbandinternet sowie die geringen durchschnittlichen Geschwindigkeiten mobiler Internetverbindungen und des Breitbanddownloads.

Effiziente Verwaltung

Eine leistungsstarke Verwaltung ist ein wichtiger Standortfaktor und Impulsgeber für Innovationen im öffentlichen Sektor. E-Government-Angebote basieren auf der intelligenten Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien. Digitale Services und Informationen für Unternehmen und Bürger sollten über integrierte Plattformen angeboten werden und einen Mehrwert sicherstellen – durch höhere Qualität, Nutzerausrichtung und -freundlichkeit. Das schafft Akzeptanz. Elektronische Abläufe beschleunigen Prozesse und erhöhen die Effizienz.

Die digitale Verwaltung wird ohne offene Datenschnittstellen nicht funktionieren. APIs ermöglichen den automatisierten Datenaustausch zwischen unterschiedlichen IT-Systemen. Datenaustausch setzt voraus, dass staatliche Datenbestände für die Öffentlichkeit zugänglich und frei für die Weiterverwendung sind.

So wie Deutschland die Chancen der Globalisierung genutzt hat, so muss es die Potenziale der Digitalisierung für höhere Wertschöpfung und Wohlstand voll ausschöpfen. Bund, Länder und Kommunen spielen bei der Gestaltung der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen eine Schlüsselrolle. Unternehmen wiederum brauchen für die digitale Transformation eine Strategie, die ihre Geschäftsmodelle und Wettbewerbsfähigkeit zukunftsfest macht. Das digitale Zeitalter hat längst begonnen. Staat und Unternehmen sind gefordert, die richtigen Stellschrauben zu finden, um die Innovationsfähigkeit des Standorts Deutschland gemeinsam dauerhaft zu erhöhen.

Breitbandausbau vorantreiben

Integrierte Plattformen für E-Government-Angebote