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Krankenhaus Rating Report 2017

Strukturfonds - beginnt jetzt die große Konsolidierung?

Das Krankenhausstrukturgesetz (KHSG), vielleicht die folgenschwerste Reform seit Einführung der DRG, ist in Kraft und entfaltet erste Wirkungen. Eine wichtige Maßnahme des KHSG ist die Einführung des Strukturfonds. Sein Ziel ist es, die Optimierung der Krankenhausstrukturen in Deutschland finanziell zu fördern. Der Krankenhaus Rating Report 2017 wirft einen Blick auf den Stand zum Strukturfonds in den Bundesländern. Er untersucht detailliert die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser und schreibt sie in Form von Szenarien mit und ohne Strukturfonds fort. Der Krankhaus Rating Report wurde gemeinsam vom RWI - Leibniz Institut für Wirtschaftsforschung und der Institute for Healthcare Business GmbH (hcb) in Kooperation mit Deloitte erstellt und wird im Rahmen des Hauptstadtkongress 2017 vorgestellt.

Kernaussagen des Krankenhaus Rating Report 2017

Wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser hat sich leicht verschlechtert, ca. jedes elfte Krankenhaus ist von der Insolvenz bedroht.

In den ostdeutschen Bundesländern war die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser auch im Jahr 2015 wieder am besten. Am schwierigsten war sie in Bayern, Niedersachsen/Bremen, Hessen und Baden-Württemberg. Die Krankenhausstrukturen sind nach wie vor in einigen Regionen ungünstig, es gibt zu viele kleine Einrichtungen, eine zu hohe Krankenhausdichte und zu wenig Spezialisierung.

Allerdings hat der von 2016 bis 2018 eingesetzte Krankenhausstrukturfonds bereits eine gewisse Dynamik zur Strukturoptimierung entfacht und wird gut angenommen. Insgesamt entfallen 75 Prozent des Antragsvolumens auf Konzentrationsmaßnahmen und 22 Prozent auf Kapazitätsabbau.

Um eine ideale Krankenhausstruktur zu erreichen, sind insgesamt voraussichtlich rund 12 Milliarden Euro Investitionsmittel nötig.

Der Report basiert auf einer Stichprobe von 506 Jahresabschlüssen aus dem Jahr 2014 und 201 Abschlüssen auf dem Jahr 2015. Sie umfassen insgesamt 877 Krankenhäuser.

Mit Digitalisierung dem demografischen Wandel begegnen

In den nächsten Jahren sind die geodemografische Entwicklung und die steigende Innovationsdichte zwei zentrale Trends in der Gesundheitsversorgung. Die Alterung der Gesellschaft wird zu mehr Patienten und überproportional steigenden Gesundheitsausgaben führen. Zudem sinkt mit der Zahl der jüngeren Menschen die der Erwerbspersonen. Als Folge dürfte die Finanzierungslücke in der Gesetzlichen Krankenversicherung wachsen. Darüber hinaus wird die Zahl der Fachkräfte in allen Branchen sinken. Daher dürften die Lohnkosten stärker steigen als die Preise für Gesundheitsleistungen.

Um der zunehmenden Alterung der Gesellschaft entgegenzuwirken, sollte erstens die Nachfrage pro Kopf reduziert werden, beispielsweise durch Prävention, eine effektivere Patientensteuerung, mehr Versorgungsforschung und entsprechenden Anpassungen am Vergütungssystem. Zweitens sollte die Produktivität weiter gesteigert werden, zum Beispiel indem Strukturoptimierungen fortgeführt und integrierte Gesundheitszentren gebildet werden.

Darüber hinaus sollten effizienzsteigernde Innovationen einen guten Zugang zum Gesundheitswesen erhalten und Investitionsmittel für effizienzsteigernde Maßnahme zur Verfügung gestellt werden. Besonders eine elektronische Patientenakte könnte sowohl nachfragemindernde als auch produktivitätssteigernde Effekte haben. Trotzdem dürften drittens mehr personelle und finanzielle Ressourcen benötigt werden. Hier könnte ein Zuwanderungsgesetz unterstützend wirken. Zudem gilt es, neue Berufsbilder zu schaffen, um die anstehenden Herausforderungen meistern zu können. Daneben sollte die Attraktivität des Pflegeberufs erhöht werden, beispielsweise durch attraktive Karrierepfade.  

Zusammenfassend sollte eine Gesundheitsagenda 2025 für die nächsten zwei Legislaturperioden folgende Ziele verfolgen:

  • eine nationale Modernisierungsstrategie (darunter Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Robotik, Assistenzsysteme, elektronische Patientenakte, Fernbehandlung), 
  • die Stärkung der sektorenübergreifenden Versorgung (insbesondere in der Notfallversorgung), 
  • die Sicherung des Fachkräfteangebots für das Gesundheitswesen, 
  • eine höhere Priorität für Investitionen und die Förderung der Souveränität und Eigenverantwortlichkeit der Patienten.

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