Art&Finance Report | Mittelstand | Deloitte Deutschland

Article

Kunst als Kapitalanlage: Herausforderungen und Chancen

6. Deloitte Art & Finance Report 2019

Obwohl Investoren weiterhin ein hohes Interesse an Kunst als Wertanlage zeigen, entwickelt sich der Markt im Vergleich zum weltweiten Vermögenszuwachs verhalten. Das ist ein zentrales Ergebnis des „6. Art & Finance Report“ von Deloitte und ArtTactic. Gleichzeitig gibt es auch Chancen: Der Einsatz neuer Technologien, geplante Gesetzesänderungen sowie der Trend zu Investments mit sozialem Mehrwert könnten dem Wachstum des Kunstmarktes wieder deutlich Aufschwung verleihen.

Gegensätzliche Tendenzen am internationalen Kunstmarkt

Der Markt für Kunst als Kapitalanlage war in den vergangenen Jahren von zwei gegensätzlichen Tendenzen gekennzeichnet. Auf der einen Seite erfreut sich Kunst als Wertanlage nach wie vor großer Beliebtheit, auf der anderen Seite waren die Investitionen in diesen Bereich eher von Zurückhaltung geprägt. Dies geht aus dem aktuellen „Deloitte Art & Finance Report 2019“ hervor, in dem Deloitte und das Londoner Research-Unternehmen ArtTactic den internationalen Kunst- und Finanzmarkt untersucht haben.

Während sich das Vermögen der High-Net-Worth Individuals (HNWI) von 2008 bis 2018 auf etwa 68,1 Billionen US-Dollar mehr als verdoppelt hat, sind die Umsätze im globalen Kunstmarkt im gleichen Zeitraum lediglich um 9 % gestiegen. 2018 umfasste das von HNWI in Kunst und Sammlerstücke angelegte Vermögen geschätzte 1,742 Billionen US-Dollar.

Diese Markttendenzen stehen in starkem Gegensatz zu dem steigenden Interesse an Kunst als Anlageklasse. Nach dem „Art & Finance Report 2019“ ist der Trend, Kunst und Sammlerstücke in Vermögensverwaltungsportfolios aufzunehmen, so ausgeprägt wie nie zuvor. Demnach erwarten 81 % der Sammler ein solches ganzheitliches Serviceangebot von ihren Vermögensverwaltern, 2017 lag dieser Wert noch bei 66 %.

 

Kunstsammler fordern mehr Transparenz

Damit sich das vorhandene große Potenzial des Kunstmarktes als Kapitalanlage besser entfalten kann, müssen Hindernisse abgebaut werden, die das Wachstum hemmen. Zu den größten Hürden zählt die mangelnde Transparenz – insbesondere bei der Nachvollziehbarkeit der Herkunft von Kunstwerken – und einem daraus resultierenden Misstrauen. In der aktuellen Studie gaben dies 75 % der befragten Sammler an, ein Anstieg von 13 Prozentpunkten gegenüber dem Jahr 2017.

Für 85 % der befragten Privatbanken ist die Geldwäsche eine wesentliche Bedrohung für die Reputation des Marktes. Abhilfe schaffen könnten neue gesetzliche Regularien. Die fünfte EU-Richtlinie zur Bekämpfung von Geldwäsche, die im Januar 2020 in Kraft tritt, könnte ein Katalysator für die Bekämpfung dieses Problems werden und die Basis für weitere künftige Regelungen bilden. 

 

Trend zu Kunstinvestments mit sozialem Mehrwert

Eine neuere Herausforderung für den Markt stellt das zunehmende Bewusstsein für Nachhaltigkeit bei der jungen Generation von Sammlern dar. Sie verfolgt bei Ihrer Kapitalanlage in Kunst nicht mehr nur ein rein finanzielles Interesse, sondern möchte damit auch einen gesellschaftlichen Beitrag leisten. „In den Gesprächen, die wir mit vielen Sammlern geführt haben, wurde immer wieder zum Ausdruck gebracht, dass Kunst für sie nicht nur eine weitere Form der Anlage ist, sondern auch mit einer großen kulturellen Verantwortung einhergeht“, betont Markus Seiz von Deloitte. Dementsprechend nimmt auch die Bedeutung für Social-Impact-Investments stark zu: So ist es für 65 % der befragten Sammler wichtig, dass Vermögensberater Produkte anbieten, die die Anlage in Kunst mit einem sozialen Aspekt verbinden.  

 

Kunst richtig schenken und vererben

Darüber hinaus steht bei den Sammlern auch das Thema Verschenken und Vererben von Kunstwerken ganz oben auf der Agenda. So wünschen sich 76 % der Befragten Unterstützung bei der Planung und Gestaltung, wenn es um die Übertragung ihrer Sammlung auf die nächste Generation geht. 

 

Art secured lending als attraktive neue Kreditform

Der Markt für art secured lending wächst seit einem Jahrzehnt beständig und umfasste im Jahr 2019 bereits ein geschätztes Marktvolumen von 21 Milliarden US-Dollar. 60 % der befragten Sammler bestätigen, dass dies einer der relevantesten Services für sie sein könnte. Dabei setzen vor allem amerikanische Privatbanken auf diesen Trend: 80 % geben im „Art & Finance Report 2019“ an, dass sie in den kommenden 12 Monaten einen Fokus auf art secured lending legen werden. Dagegen liegt dieser Wert bei den befragten europäischen Banken nur bei 16 %. „Für Banken mit entsprechender Kunstexpertise versprechen Kunstpfandkredite attraktive Margen. Umgekehrt haben Sammler und Galeristen so die Möglichkeit, sich auf Basis des geschätzten Werts der als Sicherheit übergebenen Kunstwerke kurzfristig Liquidität zu beschaffen. Zudem bietet die europäische und deutsche Rechtsordnung einen verlässlichen Rahmen für Kunstpfandkredite sowie hinreichend Spielraum für die individuelle Gestaltung“, sagt Dr. Marcell Baumann von Deloitte Legal.  

 

Technologie als Chance für Kunst- und Finanzdienstleistungen

Darüber hinaus bieten auch neue Technologien Chancen für Wachstum am Kunstmarkt. Die überwiegende Mehrheit aller Befragten erwartet positive Effekte von technologischen Innovationen wie Blockchain, Künstliche Intelligenz und Big Data Analytics auf Kunst- und Finanzdienstleistungen. 84 % der Sammler und 79 % der Vermögensverwalter sind davon überzeugt, dass dadurch die Echtheit und die Nachvollziehbarkeit der Herkunft von Kunstwerken deutlich besser als bisher sichergestellt werden kann.  

 

Über den "Deloitte Art & Finance Report 2019"

Im renommierten „Art & Finance Report 2019“ haben Deloitte und das auf den Kunstmarkt spezialisierte Research-Unternehmen ArtTactic aus London bereits zum sechsten Mal den internationalen Kunst- und Finanzmarkt untersucht. Für die Ausgabe 2019 wurden von April bis Juni 2019 weltweit 54 Privatbanken, 25 Family Offices, 105 Kunstsammler sowie 138 Kunstexperten – darunter Fachleute von Galerien, Auktionshäusern und Versicherern sowie Anwälte – befragt.

Den vollständigen „Art & Finance Report 2019“ finden Sie oben rechts zum Download.

 

Fanden Sie diese Information hilfreich?