Interview Napoleon Best Managed Companies

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Feuer und Flamme für gutes Management: Napoleon Grills

Kanadischer Gewinner des "Best Managed Companies"-Awards im Interview

Was ist das Erfolgsrezept mittelständischer Familienunternehmen, die sich als internationale Top-Player in ihrem Sektor etabliert haben? Markus S. Seiz, Director Mittelstandsprogramm von Deloitte Deutschland, befragt dazu Wolfgang Schroeter, den Gründer von Napoleon, und dessen Sohn Stephen Schroeter, Co-CEO von Napoleon. Das in Ontario, Kanada ansässige Unternehmen stellt Premium-Grills her und wurde von Deloitte mit dem Best Managed Companies Award ausgezeichnet.

Napoleon ist heute ein global präsentes, erfolgreiches Unternehmen und Gewinner des Deloitte Best Managed Companies Awards – aber wie fing damals alles an, als Sie von Pforzheim nach Kanada ausgewandert sind?

Wolfgang Schroeter: Anfangs habe ich in Barrie als Werkzeugmacher bei Protomax gearbeitet. Doch die wirtschaftliche Situation in den 70er Jahren war sehr schwierig. Wegen der schwankenden Auftragslage war ich nur unregelmäßig beschäftigt. Damals war ich 27 und mir war klar: Ich will mein eigenes Business starten, um mein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Also habe ich mir Werkzeuge gekauft und in einer Garage einfach losgelegt – ich hatte keinerlei Business-Erfahrung und habe mir praktisch alles selbst beigebracht. Für das Handwerkliche war meine Lehre, die ich in Deutschland gemacht hatte, aber sehr hilfreich.
 

Warum haben Sie sich entschieden, Grills zu produzieren?

Wolfgang Schroeter: Zuerst habe ich hauptsächlich Geländer produziert und war lokal recht schnell die Nummer 1, weil Qualität, Service und Zuverlässigkeit für mich schon immer besonders wichtig waren. Damals, zu Zeiten der Ölkrise, waren Holzöfen sehr gefragt und mein Schwiegervater wollte solch einen Ofen haben. Da habe ich ihm einfach selbst einen gebaut und danach einen für den Nachbarn – und schon war ich im Ofen-Geschäft. Danach kamen Gasöfen, für die in Kanada eine riesige Nachfrage besteht, fast 90 % der Häuser werden mit Gas beheizt. Mein Business wuchs schnell, aber ich hatte ein Problem: Es war sehr saisonal ausgerichtet. Im Winter lassen sich Öfen prima verkaufen, aber was sollte ich für den Sommer produzieren? Deshalb bin ich auf die Idee mit den Grills gekommen, denn hierfür waren ja schon die passenden Mitarbeiter und Maschinen da.
 

Und wieso haben Sie Napoleon als Markennamen gewählt?

Wolfgang Schroeter: Wir haben damals als erste – 10 Jahre vor der europäischen Konkurrenz – unsere Holzöfen mit Keramikglas und einem Luftreinigungssystem ausgestattet. Ich entwarf dafür das Design der Ofentür neu und habe mich dabei von den elegant geschwungenen Ornamenten auf der Banderole einer Cognac-Flasche inspirieren lassen, die bei uns zuhause im Schrank stand. Die Marke: Napoleon. Und weil ich zu der Zeit nach Quebec und den frankophonen Teil Kanadas expandiert habe, fand ich, dass auch der Name gut passte – er war zu meinem eigenen Erstaunen noch frei, und ich habe ihn mir schützen lassen. Heute, wo wir weltweit präsent sind, profitieren wir davon, dass der Name überall das Gleiche bedeutet, er ist einzigartig und prägnant. Ein starker Markenname.

Blick in die moderne Produktionshalle von Napoleon Grills

Sie sind ein in 34 Ländern international präsentes Familienunternehmen – wie sieht hier Ihre Strategie aus?

Stephen Schroeter: Generell ist unser Anspruch, als Marke weltweit in allen Märkten präsent zu sein, die unsere Produkte annehmen. Deutschland ist unser drittgrößter Markt, nach Kanada und den USA. Wir fokussieren uns dabei auf das „Mass Premium“-Segment, das für Volumenabsatz zu gehobenen Preisen steht, aber in klarer Abgrenzung zum Nischen- oder Luxusbereich. Wir setzen dabei nicht nur auf Umsatz, sondern auch auf Marktpräsenz. Große Fortune 500 Unternehmen ignorieren oft gezielt kleinere Länder, weil sich da nicht genug verdienen lässt. Das mag vielleicht in vielen Fällen so sein, aber für uns zählt eben sehr stark der Wert unserer Marke und dass wir überall anerkannt sind. Darum sind wir auch so anspruchsvoll in der Wahl unserer Vertriebspartner – wir stehen nicht nur für Produktqualität, sondern auch für unsere Markenwerte. Unser Anspruch ist, als gutes Unternehmen wahrgenommen zu werden.
 

Was ist das Besondere an Ihrer Unternehmenskultur?

Stephen Schroeter: Beispielsweise wie wir mit unseren Mitarbeitern kommunizieren. Für uns ist der Teamgedanke besonders wichtig, wir bezeichnen unsere Mitarbeiter - die einen großartigen Job machen - auch nicht als employees (Angestellte), sondern als associates (Partner), denn wir alle arbeiten gemeinsamen für den Erfolg. Das mag jetzt als Kleinigkeit erscheinen, aber es macht einen merklichen Unterschied für die Art und Weise, wie wir arbeiten und kommunizieren. So führen zum Beispiel mein Bruder und ich jedes Jahr mit jedem einzelnen unserer mehr als 1.000 Mitarbeiter in Kanada Vieraugengespräche – dabei können diese ganz offen alles ansprechen, was sie auf dem Herzen haben. Und ich garantiere Ihnen, dass sie kein Blatt vor den Mund nehmen. Für uns ist das unglaublich wertvoll, weil wir nicht nur eine neue Perspektive auf das eigene Unternehmen und seine Prozesse gewinnen, sondern so auch unsere gemeinsame Basis gestärkt wird. Das ist die optimale Grundlage, um positive Veränderungen in Gang zu setzen und wirklich etwas zu bewegen.

Ich gebe zu – loszulassen war schwierig, aber genau das muss man tun, damit die Nachfolger in die Aufgabe reinwachsen und im Betrieb aktiv Verantwortung übernehmen.
Wolfgang Schroeter, Gründer von Napoleon  

Napoleon ist ein Familienunternehmen, in dem zwei Generationen erfolgreich zusammenarbeiten und den Generationswechsel erfolgreich vollzogen haben. Welche Erfahrungen können Sie an andere Unternehmen in einer ähnlichen Situation weitergeben?

Wolfgang Schroeter: Ich habe an Christopher, der ein Ingenieursstudium absolviert hat, all mein Wissen über Produktion und R&D weitergegeben. Meine Frau Ingrid, die sich um Marketing, Finanzen, Sales und HR gekümmert hat, hat das bei Stephen genauso gemacht. Unsere Söhne führen nun als Co-CEOs aktiv das Geschäft, wir beide sind nur noch wenige Stunden in der Woche im Betrieb. Ich gebe zu – loszulassen war schwierig, aber genau das muss man tun, damit die Nachfolger in die Aufgabe reinwachsen und im Betrieb aktiv Verantwortung übernehmen. Natürlich ist man immer noch als Ratgeber zur Stelle, aber das eigene Ego darf da nicht im Weg stehen, man muss seinen Kindern ihre Selbstständigkeit lassen. Das gilt übrigens auch für die Mitarbeiter – denen sage ich nicht, was sie tun sollen. Und die machen auch nicht alles so, wie ich mir das vorstelle, aber oft kommt dabei sogar was Besseres raus.        

Stephen Schroeter: Wir haben uns damals als Familie zusammengesetzt und gemeinsam entschieden, wie wir unsere Firma in die Zukunft führen wollen. Wir haben uns darauf geeinigt, dass mein Bruder und ich den Betrieb führen, aber zusätzlich jemand von außerhalb holen, der die Rolle des Präsidenten übernimmt: Ron McArthur. Er sollte uns als Mentor dabei unterstützen, die Firma weiterzuentwickeln und zugleich im Geschäftsalltag als Puffer zwischen den Generationen agieren. Das war ein voller Erfolg – und eine der klügsten Entscheidungen, die wir je getroffen haben.

Wolfgang Schroeter: Ja genau, für mich als Vater ist es enorm hilfreich, einen Mittler zu haben, der in schwierigen Situationen die Dinge zwischen uns abfedern kann. Das kann ich uneingeschränkt allen Familienunternehmen als Erfolgsrezept empfehlen. 

Wir reinvestieren permanent unsere Gewinne und verschwenden als Familie keinen einzigen Gedanken daran, Geld aus der Firma zu ziehen.
Stephen Schroeter, Co-CEO Napoleon  

Welchen Einfluss hat die Digitalisierung auf Ihr Unternehmen und welche Rolle spielt für Sie der Online-Handel?

Wolfgang Schroeter: In der Produktion nutzen wir längst Roboter und Automatisierung – wir haben schon immer darauf geachtet, Technik auf dem neuesten Stand einzusetzen und heute sind das eben die digitalen Technologien. Das ist für mich ein zentraler Schlüssel für Wettbewerbsfähigkeit und Erfolg. Viele nordamerikanische Betriebe beispielsweise investieren hier meiner Beobachtung nach nicht genug.

Stephen Schroeter: Wir reinvestieren permanent unsere Gewinne und verschwenden als Familie keinen einzigen Gedanken daran, Geld aus der Firma zu ziehen. Denn das ist ganz klar unser Fokus: Neue Maschinen und Produktionsstätten, mehr Mitarbeiter – so bringen wir Napoleon voran. Vielleicht noch eine Ergänzung zur Digitalisierung: Wir sind zwar keine Early-Adopter, aber als Fast-Follower haben wir die aktuellen Trends und Technologien stets im Blick und führen jene davon sehr schnell ein, die sich in der Praxis bewährt haben. Manchmal liegen wir auch falsch damit, dann justieren wir einfach nach, da sind wir pragmatisch.

Der Online-Markt wächst schnell, aber für einen Premium-Grill-Hersteller wie uns ist die Herausforderung, dass die Märkte – und die gesetzlichen Vorgaben – von Land zu Land so unterschiedlich sind. Außerdem ist für uns das Kundenerlebnis ganz entscheidend. In Deutschland setzen wir daher ganz gezielt auf kleinere Händler, die als Spezialisten den Kunden besonders gut mit Rat und Tat zur Seite stehen, und beispielsweise Grillseminare durchführen und vor Ort optimalen Service im After-Sales-Bereich bieten können. In anderen Ländern dagegen, die nicht über solche Händlerstrukturen verfügen, suchen wir nach anderen Wegen, unsere Kunden zu erreichen.


Was hat Sie bewogen, am Deloitte Best Managed Companies Award Programm teilzunehmen und welchen Effekt hatte die Auszeichnung für Ihr Unternehmen?

Stephen Schroeter: Wir hatten von dem Programm gehört und da wir denken, dass wir eine sehr gut geführte und erfolgreiche Firma sind, wollten wir das auch nach außen darstellen. Das Besondere an dem Programm ist, dass allein das Ausfüllen der Bewerbungsunterlagen dabei hilft, sich strukturierter aufzustellen und die eigenen Prozesse zu hinterfragen und neu zu ordnen – viele Familienunternehmen haben im Alltagsbetrieb ihre Strategie, die Planung und die Resultate nicht immer so direkt im Fokus. Weitere positive Aspekte der Auszeichnung sind die Wertschätzung unserer Leistung und der Werbeeffekt für unser Unternehmen.


Zum Abschluss noch eine Frage zu Ihren deutschen Wurzeln: Besuchen Sie Deutschland noch regelmäßig?

Wolfgang Schroeter: Sie werden es kaum glauben, aber ich habe immer noch meinen deutschen Pass. Und meine Mutter lebt in Pforzheim, sie wird jetzt 99. Ich habe auch noch sehr viele Verwandte hier. Drei bis vier Mal im Jahr fahre ich nach Deutschland und jedes Jahr bin ich auf der spoga+gafa in Köln – seit 25 Jahren nun schon. Und als Motorradfan vermisse ich natürlich die Alpen, hier in Ontario ist alles topfeben. Deshalb habe ich für Juni eine schöne Motorradtour durch die deutschen und österreichischen Alpen geplant und freue mich schon sehr darauf.  

Chris Schroeter, Wolfgang Schroeter, Stephen Schroeter, Ingrid Schroeter

Unternehmensprofil Napoleon

Wolfgang und Ingrid Schroeter gründeten 1976 in Barrie (Ontario, Kanada) Wolf Steel Ltd., aus dem später Napoleon als internationalen Hersteller von Napoleon Kaminen, Grills und Heiz- und Kühlsystemen hervorging. Napoleon ist ein ISO9001 - 2008 registriertes Unternehmen mit über 1.200.000 Quadratmetern Produktionsfläche und mehr als 1.000 Mitarbeitern. Das Unternehmen vertreibt seine Produkte weltweit in 34 Ländern und ist Nordamerikas größter privater Hersteller von hochwertigen Holz- und Gaskaminen, Gourmet-Gas- und Holzkohlegrills, Outdoor-Wohnprodukten sowie Heiz- und Kühlprodukten.

Webseite: https://napoleongrills.de/

Zum Best Managed Companies Award
Seit 2007 zeichnet der Axia Award herausragende Mittelstandsunternehmen in Deutschland aus. Jetzt wird der von Deloitte, WirtschaftsWoche und BDI vergebene Preis für unternehmerische Exzellenz von einem neuen Konzept abgelöst und Teil des internationalen Best Managed Companies Award. Aktuell wird die Auszeichnung für nachhaltig erfolgreiche mittelständische Unternehmen bereits in neun Ländern verliehen, jetzt kommt Deutschland hinzu. Alle Informationen zur Teilnahme 

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