T-Shirts auf der Chefetage - Kooperationen zwischen Mittelständler und Start-ups

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T-Shirts auf der Chefetage 

Kooperationen zwischen Mittelständlern und Start-ups

Mittelständler und Start-ups entdecken sich als Kooperationspartner, ergibt eine neue Deloitte-Studie. Art, Dauer und Zufriedenheit ihrer Zusammenarbeit variieren dabei stark. Die Aussage eines Befragten macht aber Mut.

Gastbeitrag von Lutz Meyer, Leiter Mittelstandsprogramm bei Deloitte

Jung, wild, ungeduldig: So kennt man den deutschen Mittelstand nicht. T-Shirts oder kurze Hosen fristen auf den Chefetagen der allermeisten Unternehmen ein Exotendasein – noch. In einigen Branchen tauchen sie inzwischen immer häufiger auf, getragen von eben jenen, den jungen Wilden: Start-ups bringen frischen Wind in mittelgroße Unternehmen, die je nach Definition zwischen 50 und 3000 Mitarbeiter haben können.

In unserer Studienreihe „Erfolgsfaktoren im Mittelstand“ widmen wir uns aktuell der Annäherung dieser zwei grundverschiedenen Unternehmenskulturen. Getrieben von der Schnelllebigkeit der Digitalisierung sehen sich die oft familiengeführten Betriebe mehr und mehr zu Kooperationen mit frischgebackenen Gründern bewegt.

In der Theorie bietet so ein symbiotisches Verhältnis interessante Chancen für beide Seiten. Disruptive, innovative Ideen und Technologien treffen auf bewährte und gewachsene Unternehmensstrukturen. Hinzu kommt, dass Start-ups keine Angst davor haben müssen, von einem risikoaversen Mittelständler aufgekauft zu werden und Mittelständler müssen nicht fürchten, dass ihr Partner kurze Zeit später eine Kopie ihrer Fertigungsstraße in seinem Büro errichtet. Soweit die Theorie.

Praktisch funktionieren diese Beziehungen tatsächlich, jedoch mit unterschiedlichen Laufzeiten und wechselnder Zufriedenheit, wie unsere Studienergebnisse zeigen. Generell sind Mittelständler eher zufrieden mit ihrer Partnerwahl, sind dabei aber tendenziell vorsichtiger und wählerischer. Start-ups entscheiden sich im Vergleich schneller und öfter, rund die Hälfte von ihnen ist letztlich eher oder sehr unzufrieden mit bisherigen Kooperationen. Das liegt zum einen an den verschiedenen Unternehmenskulturen der Beteiligten, zum anderen an unrealistischen Zielsetzungen.

Wir beobachten, dass die Laufzeit der Zusammenarbeit in der Regel mit der Dauer eines Projekts verknüpft ist. Mittelständler trauen sich mittlerweile sogar, längere Wege mit Start-ups zu gehen. Wie lange genau, ist pauschal nicht zu sagen. Andauerndes Engagement begünstigt in jedem Fall, dass die gegenseitige Wertschätzung beider Unternehmen steigt.

Und dennoch: „Ein ehrliches Exit-Management findet in Kooperationen nur selten statt“, gab ein Geschäftsführer eines mittelständischen Betriebs bei unserer Befragung an. „Im Grunde sollte man bei nicht erfolgreichen Kooperationen dies zugeben und entsprechend handeln.“ Zu mehr Selbstreflexion und fortwährend kritischer Betrachtung der laufenden Zusammenarbeit raten wir ebenfalls und teilen die weitere Einschätzung des Befragten: „Es bringt ja nichts, weiter auf einem toten Pferd zu reiten – trotzdem tun das in der Praxis sehr viele Entscheider.“

Was also tun? Wir raten beiden Seiten zu ausreichend Mut, eben auch zur Selbstkritik: Kritisch sein, aber nicht pessimistisch, auftauchende Chancen nutzen, wenn sie reizvoll sind, und Fehlentwicklungen rechtzeitig ansprechen anstatt ein vielversprechendes Projekt einfach auslaufen zu lassen.

Selbst wenn Laissez-faire in Turnschuhen nicht zu dunkel vertäfelten Patriarchen-Büros passen mag, bleibt am Ende zumindest die Erkenntnis, dass die allermeisten Befragten ihr Interesse an künftigen Kooperationen mit den Großen bzw. Kleinen nicht verloren haben. Denn wenn sich ihre Wege trennen, liegt das nicht an der Garderobe der Beteiligten.

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