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„Annual Review of Football Finance”: 2. Bundesliga zeigt sich mit Rekordumsatz als finanzstarker Zuschauermagnet

Der europäische Fußballmarkt boomt weiter. Vor allem die „Big Five“-Ligen erwirtschaften Jahr für Jahr neue Rekordumsätze. Die deutsche Ausgabe des „Annual Review of Football Finance“ von Deloitte wirft – erneut – einen detaillierten Blick auf die 2. Bundesliga und zieht den Vergleich mit ihrem englischen Pendant der Championship.

  • Die 2. Bundesliga erreichte in der Saison 2016/17 einen neuen Umsatzrekord. 
  • Durch deutlich gestiegene Fallschirmzahlungen aus der Premier League konnte die englische Championship ihren Umsatzvorsprung auf die 2. Bundesliga vergrößern. 
  • Bezüglich des Verhältnisses von Gehaltskosten zu Umsatz ist die 2. Bundesliga im direkten Vergleich mit der Championship wirtschaftlich deutlich stabiler aufgestellt.

 

Düsseldorf, 21. November 2018: Gesamterlöse in Höhe von 25,5 Mrd. Euro (exklusive Transfererlöse), ein Plus von rund 900 Mio. Euro (+4 %) – der europäische Fußball hat auch in der Saison 2016/17 wirtschaftliche Rekorde eingefahren. Haupttreiber des wiederholten Umsatzrekords sind die sogenannten „Big Five“-Ligen. Insgesamt entfielen auf die jeweiligen Spitzenligen aus England, Spanien, Deutschland, Italien und Frankreich 14,7 Mrd. Euro, was einem Marktanteil von 58 Prozent entspricht. Und auch bei einer Betrachtung pro Club bietet die Premier League die mit Abstand finanzstärksten Teams auf. Durchschnittlich 265 Mio. Euro Umsatz erzielte ein Club in der englischen Top-Liga in der Saison 2016/17. Dahinter folgt die Bundesliga mit 155 Mio. Euro pro Club.

2. Bundesliga mit erneutem Rekordumsatz – doch die Championship setzt sich weiter ab

Wie sieht jedoch die Lage unterhalb der höchsten Spielklasse aus? In der 16. deutschen Ausgabe des „Annual Review of Football Finance“ wirft Deloitte erneut einen Blick auf die 2. Bundesliga und die englische Championship. Mit einem Gesamtumsatz von 838 Mio. Euro (+ 13 Prozent im Vergleich zur Vorsaison) ließ die Championship wirtschaftlich die Eliteklassen der Türkei (734 Mio. Euro) und Russlands (701 Mio. Euro) hinter sich. Die 2. Bundesliga lag mit einem neuen Rekordumsatz von 568 Mio. Euro (+7 %) unter anderem vor den höchsten Spielklassen der Niederlande (451 Mio. Euro) und Portugals (366 Mio. Euro). 

„Bereits in unserer letztjährigen Ausgabe des ,Annual Review of Football Finance‘ haben wir herausgestellt, dass sich die zweithöchsten Spielklassen aus Deutschland und England finanziell als europäische Größen etabliert haben“, sagt Stefan Ludwig, Leiter der Sport Business Gruppe bei Deloitte. Die Differenz zwischen den Gesamtumsätzen der Championship und der 2. Bundesliga liegt vor allem an der höheren Anzahl von Clubs in der Championship. Während in der 2. Bundesliga 18 Clubs am Spielbetrieb teilnehmen, sind es in England 24. Pro Club lagen die Umsätze in der Saison 2016/17 in der 2. Bundesliga bei durchschnittlich 32 Mio. Euro und in der Championship bei 35 Mio. Euro. Hier ist der Abstand im Vergleich zur Vorsaison jedoch von einer auf rund 3 Mio. Euro gewachsen.

Zuschauermagnet 2. Bundesliga

Dabei lockte die 2. Bundesliga mit insgesamt 21.560 Zuschauern pro Spiel mehr Zuschauer in die Stadien als die Championship mit rund 20.152 Zuschauern. Dennoch lagen die Spieltagerlöse in der 2. Bundesliga, insbesondere bedingt durch die höhere Anzahl an Spielen in der Championship, rund 1 Mio. Euro unter denen der englischen Liga. 

Mit 19 Mio. Euro pro Club hatten die Medienrechte den größten Anteil am Gesamterlös der Championship. Die wichtigste Erlöskategorie der 2. Bundesliga waren dagegen die kommerziellen Erlöse, welche insbesondere bedingt durch Sponsoring-Einnahmen deutlich höher lagen als in der Championship. Auch zukünftig ist weiterhin mit steigenden Umsätzen zu rechnen. Für die deutsche Liga ist insbesondere der seit der Saison 2017/18 geltende nationale Medienvertrag zu nennen. Dieser wird gemeinsam für die Bundesliga sowie die 2. Bundesliga verhandelt und weist eine Steigerung der Erlöse von rund 75 Prozent auf. Aber auch die Championship kann aufgrund des jüngst abgeschlossenen Medienrechtevertrages mit einem Anstieg in dieser Erlöskategorie von rund 35 Prozent ab der Saison 2019/20 planen.

Der Fallschirm aus der Premiere League

Ein weiterer wirtschaftlicher Unterschied zwischen Championship und 2. Bundesliga sind die sogenannten Fallschirmzahlungen. Bei genauerer Betrachtung der Erlöse pro Club in der Championship wird deutlich, dass der Umsatzanstieg von 97 Mio. Euro im Vergleich zur Vorsaison fast ausschließlich aus erhöhten Fallschirmzahlungen resultiert, welche auf die gestiegenen Erlöse aus Medienrechten der Premier League zurückzuführen sind. Die durchschnittlichen Erlöse pro Club der 16 Mannschaften, die keine Fallschirm-, sondern nur geringere Solidaritätszahlungen erhielten, wiesen mit 23 Mio. Euro keine wesentliche Veränderung im Gegensatz zur Vorjahressaison auf.

Insgesamt stiegen die Fallschirmzahlungen gegenüber der Saison 2015/16 um 38  auf 255 Mio. Euro, was rund 30 Prozent der gesamten Erlöse der Championship ausmacht. „Die hohen Fallschirmzahlungen garantieren jedoch nicht den sportlichen Erfolg für die betroffenen Clubs“, erklärt Kim Lachmann, Manager in der Sport Business Gruppe. „So haben von den 18 Absteigern aus der Premier League in den vergangenen sechs Spielzeiten seit 2011/12 nur sechs Clubs den Wiederaufstieg geschafft. In der Saison 2016/17 war es sogar nur Newcastle United, während Aston Villa und Norwich City in der Championship verblieben.“

Die Championship leistet sich teures Personal

Der enorme sportliche und natürlich auch finanzielle Reiz eines Aufstieges in die jeweilige nationale höchste Spielklasse verleitet insbesondere die Clubs der Championship dazu, immer größere finanzielle Mittel in die Kadergestaltung zu investieren. Besonders deutlich wird dies bei der Betrachtung der Personalaufwandsquote der Championship, die auch in der Saison 2016/17 nahezu 100 Prozent betrug. Somit gaben die 24 Clubs aus Englands zweithöchster Spielklasse fast genauso viel für ihr Personal aus, wie sie insgesamt an Einnahmen erwirtschafteten. In der Vorsaison überstiegen die Personalaufwendungen sogar die Gesamterlöse auf Ligaebene um rund 3 Mio. Euro. 

Im Gegensatz dazu verbuchte die 2. Bundesliga eine Personalaufwandsquote von 49 Prozent und damit lediglich etwa der Hälfte des englischen Pendants. Mit insgesamt 281 Mio. Euro und einem Anstieg von rund 33 Mio. Euro (+13 %) im Vergleich zur Vorsaison verzeichnete Deutschlands zweithöchste Spielklasse dennoch einen neuen Rekordwert in dieser Aufwandskategorie. Auf Clubebene wurden somit in der 2. Bundesliga im Durchschnitt rund 16 Mio. Euro für Gehälter ausgegeben, im Gegensatz zu rund 35 Mio. Euro pro Club in der Championship. 

Die 2. Bundesliga ist sportlich wie wirtschaftlich stark

„Während die Championship nicht zum ersten Mal signifikante operative Verluste verbucht hat, war die 2. Bundesliga in den letzten Jahren, abgesehen von der Saison 2016/17, weitestgehend neutral bis positiv unterwegs“, bilanziert Stefan Ludwig. Die 24 Clubs der zweithöchsten englischen Liga haben die Saison 2016/17 mit einem gemeinsamen operativen Verlust in Höhe von rund 335 Mio. Euro beendet. Im Gegensatz dazu fällt der operative Verlust von rund 29 Mio. Euro für die 18 Mannschaften der 2. Bundesliga deutlich geringer aus. 

„Diese Zahlen verdeutlichen die hohen operativen Kosten der Championship-Clubs, die zu einem Großteil aus Personalkosten bestehen“, sagt Stefan Ludwig. Zudem zeige ein Blick auf das Umsatzverhältnis pro Club von der zweiten zur ersten Liga, dass die 2. Bundesliga mit einem Verhältnis von rund 20 Prozent deutlich über der Championship mit 13 Prozent liege. Abschließend bleibt festzuhalten, dass die 2. Bundesliga, trotz des beeindruckenden Gesamtumsatzes der Championship, vor allem aufgrund der ausgewogeneren Personalkostenquote eine wirtschaftlich stabilere Lage aufweist.

Weitere Informationen zur aktuellen Ausgabe des Annual Review of Football Finance sowie die vollständige Studie zum Download finden Sie hier.

Inhaltlich verantwortlich für die Studie ist Stefan Ludwig, Partner und Leiter der Sport Business Gruppe bei Deloitte.

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