Bremsklotz Brexit – Wie ein harter Brexit die deutsche Automobilindustrie ausbremst

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Harter Brexit würde Automobilmarkt einbrechen lassen

Deloitte-Studie zeigt: Autoabsatz in UK könnte um 20 Prozent sinken

München, 22. Juni 2017 – Ein harter Brexit würde hohe Absatz- und Umsatzeinbrüche mit sich bringen und stellt Automobilhersteller vor große Herausforderungen.

Inhaltsübersicht

Die aktuelle Deloitte-Studie „Bremsklotz Brexit – Wie ein harter Brexit die deutsche Automobilindustrie ausbremst“ zeigt, welche Folgen mögliche WTO-Zölle und eine anhaltende Schwächung des britischen Pfunds auf den britischen Automarkt haben. Demnach müssen Hersteller im Brexit-Jahr 2019 in UK mit einem Absatzrückgang von 550.000 Autos und Umsatzeinbußen von ca. 12,4 Mrd. Euro (-18%) rechnen. Am stärksten sind hiervon deutsche und andere europäische Produktionsstandorte betroffen. Aktuell hängen 60.000 Jobs in Deutschland an den Autoumsätzen auf der Insel – bei einem harten Brexit ist ein knappes Drittel davon in Gefahr.

„Wenn Automobilhersteller die steigenden Kosten eins-zu-eins an die Verbraucher weitergeben, gehen die Absatzzahlen und somit die Umsätze entsprechend zurück. Daher muss die Branche Gegenmaßnahmen insbesondere auf der Kostenseite, aber auch auf der Umsatzseite, wie beispielsweise in Form von intelligenten und flexiblen Pricing-Strategien, entwickeln. Außerdem werden eine Optimierung der Lieferketten und eine Verlagerung der Produktionsstandorte durch einige Hersteller als auch Zulieferer in Erwägung gezogen“, erklärt Dr. Thomas Schiller, Partner/Leiter Automotive bei Deloitte.

Bedeutung des UK-Markts für Deutschland
Das Vereinigte Königreich ist mit ca. 3 Millionen Neuzulassungen 2016 der zweitgrößte europäische Markt für PKW und leichte Nutzfahrzeuge. Davon ist jede dritte Neuzulassung ein Export aus Deutschland. Vor allem deutsche Fabrikate der Hersteller BMW, Daimler und Volkswagen aber auch Autos der deutschen Standorte von Ford und Opel (Vauxhall) sind beliebt. Insgesamt gehen rund 20 Prozent aller deutschen Automobilexporte ins Vereinigte Königreich, welches der wichtigste Auslandsmarkt für den Produktionsstandort Deutschland ist. Von den aktuell rund 60.000 Arbeitsplätzen in der deutschen Automobilindustrie für den UK-Markt wären bei einem harten Brexit ca. 18.000 gefährdet.

Steigende Kosten durch Zölle und Währungsschwankungen
Im Falle eines harten Brexit verändert sich die Situation für sämtliche Autobauer auf dem UK-Markt, da zeitweise oder dauerhaft für den Handel die Zollvereinbarungen der Welthandelsorganisation (WTO) gelten. Das wären rund 10 Prozent für Automobile und ca. 4,5 Prozent für Fahrzeugteile. Diese Zölle und eine Abwertung des britischen Pfunds führen zu einem Kostenanstieg von durchschnittlich 15 Prozent im Vergleich zu einem No-Brexit-Szenario. In Deutschland oder in der EU hergestellte Autos wären sogar 21 Prozent teurer, UK-Produktionen nur rund 3 Prozent.

Preisanstieg und die Folgen
Selbst wenn die OEMs ihre höheren Kosten nicht komplett an die Verbraucher weitergeben, müssen Konsumenten wohl tiefer für einen Neuwagen in die Tasche greifen. Durchschnittlich sind Automobile im Vereinigten Königreich 2019 dann durchschnittlich 3.700 Euro (+15%) teurer, in Deutschland produzierte Autos sogar 5.600 Euro (+21%).

EU-Hersteller als Verlierer
Auf Grundlage eines von Deloitte erstellten Modells zur Berechnung des Autoabsatzes zeigt sich, welche Produktionsstandorte bei entsprechenden Preisentwicklungen Absatzverluste oder sogar –gewinne in UK verzeichnen. Insgesamt ist im Falle eines harten Brexit mit einem Rückgang der Neuzulassungen um 20 Prozent zu rechnen. Dabei gibt es jedoch Gewinner und Verlierer. Während deutsche und EU-Hersteller die stärksten Absatzverlierer sind (-650.000 Autos), gewinnen UK-Produzenten und solche aus Nicht-EU-Ländern (+100.000 Autos) kurzfristig sogar Absatzanteile. Doch auch sie müssen mittel- und langfristig mit steigenden Produktionskosten rechnen, da sie ihre Fahrzeugteile teilweise aus anderen EU-Ländern importieren und Zölle anfallen. Das könnte bei japanischen Herstellern besonders stark ins Gewicht fallen, da sie bislang in UK hauptsächlich Fahrzeuge für die EU produzieren – das wäre nach einem harten Brexit nicht mehr für alle Märkte lukrativ.

„Der Absatzeinbruch von 20 Prozent für EU-Hersteller, den unser Modell vorhersagt, entspricht der Situation während der Finanzkrise 2009. Wenn es wirklich zum harten Brexit kommt, würde die Mehrheit (fast 60%) der deutschen Automobilindustrie ihre Investitionen in UK reduzieren“, resümiert Dr. Alexander Börsch, Chefökonom bei Deloitte.
 

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