Pflegeheim Rating Report 2017

Pressemitteilungen

Pflegemarkt vor signifikanten Herausforderungen

Pflegeheim Rating Report 2017 analysiert Handlungsbedarf einer Wachstumsbranche

München/Köln, 23. November 2017 – Der Pflegemarkt ist wirtschaftlich erfolgreich und kann sich auch in den kommenden Jahren auf signifikantes Wachstum freuen.

Inhaltsübersicht

Bis 2030 wird das Marktvolumen von derzeit ca. 47 auf über 66 Milliarden Euro ansteigen. Dabei wird die Zahl der Pflegebedürftigen um 34 Prozent auf 4,1 Millionen zunehmen. Es werden bis zu 400.000 zusätzliche vollstationäre Pflegeplätze benötigt, der Bedarf an Investitionen wird voraussichtlich bis zu 85 Milliarden Euro betragen. Zusätzlich werden bis zu 475.000 Pflegefachkräfte und Beschäftigte (Vollkräfte) benötigt. Schon heute ist die Zahl der gemeldeten offenen Stellen auf einem historischen Höchststand. Die Autoren der Studie „Pflegeheim Rating Report 2017“ von Deloitte, RWI und hcb GmbH empfehlen der Politik, die Rahmenbedingungen dem analysierten Bedarf anzupassen. Für den alle zwei Jahre erscheinenden Report wurden 432 Jahresabschlüsse ausgewertet, die insgesamt 2.050 Pflegeheime umfassen. Zudem berücksichtigt der Report amtliche Daten des Statistischen Bundesamts von allen rund 13.600 Pflegeheimen und 13.300 ambulanten Diensten.

„Diese enorme gesellschaftliche Herausforderung verlangt nach einem ganzheitlichen Maßnahmenpaket. Dazu gehören die Stärkung der ambulanten Pflege, die Erhöhung der Attraktivität des Pflegeberufs, der Abbau von Bürokratie, der Einsatz von mehr Kapital und insbesondere die konsequente Nutzung von Digitalisierung und Technologie“, erklärt Dr. Sebastian Krolop, Partner und Leiter Life Sciences und Health Care bei Deloitte.

Anzahl Pflegebedürftiger nimmt stark zu
Der Anteil der Neuzugänge im Pflegeheim, welche direkt aus dem Krankenhaus überwiesen werden, hat sich innerhalb von zehn Jahren auf über 70 Prozent mehr als verdoppelt. Gleichzeitig nimmt der Anteil der Pflegebedürftigen der leichtesten Stufe 1 in den Pflegeheimen kontinuierlich zu (von ca. 30 auf nahezu 40%). Beide Entwicklungen sind besorgniserregend, doch durch Maßnahmen wie Reha vor Pflege, Kurzzeitpflege, Einbindung von Sozialdiensten und Einsatz von Technologie zum besseren Informationsaustausch oder im Rahmen von Ambient Assisted Living könnten viele dieser Heimbewohner in ihrem gewohnten Umfeld bleiben. Angehörige oder Betroffene sind in den akuten Situationen oft maßlos überfordert, hier wird von der Politik deutlich mehr erwartet.

Pflegemarkt wächst unaufhaltsam
Mit knapp 47 Milliarden Euro ist der Pflegemarkt der am stärksten wachsende Bereich im gesamten Gesundheitsmarkt. Dabei ist die wirtschaftliche Lage der Pflegeheime relativ gut: Ihre durchschnittliche Ausfallwahrscheinlichkeit (Zahlungsunfähigkeit) betrug 2015 nur 0,54 Prozent und lag damit deutlich niedriger als bei Krankenhäusern. Nur 2 Prozent der analysierten Pflegeheime lagen im „roten Bereich“, d.h. besaßen eine erhöhte Insolvenzgefahr. Über 80 Prozent lagen im grünen Bereich mit geringer Insolvenzgefahr. Nur 10 Prozent erwirtschafteten einen Jahresverlust, das durchschnittliche Heim erwirtschaftete 2015 ein EBITDAR (Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen, Amortisation und Mieten) von 14 Prozent der Erlöse.

Politik ist gefordert
Der Pflegeheimmarkt muss weiterhin attraktiv für privates Kapital sein, dazu ist aber eine risikogerechte Verzinsung notwendig. Der Politik ist daher anzuraten, gesetzliche Vorgaben auf ein Minimum zu beschränken. So sind z.B. Vorgaben zur Heimgröße oder zum Anteil der Ein-Bett-Zimmer überflüssig. Wichtig ist vor allem, dass Qualität gemessen wird und dass es ein ausreichend großes Angebot an Einrichtungen gibt. Denn dann können sich die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen das Heim aussuchen, das ihren Präferenzen am besten entspricht und das für sie bezahlbar ist. Des Weiteren ist der Politik zu empfehlen, eine langfristig stabile und nachhaltige Finanzierung der Sozialen Pflegeversicherung (SPV) sicherzustellen. Durch die Anhebung des Beitragssatzes 2015 und 2017 konnte die SPV ihre Einnahmen deutlich erhöhen, sodass bis 2016 die Kapitalreserven weiter ausgebaut wurden.

„Durch die einhergehenden Leistungsausweitungen übertreffen aber bereits 2017 die Ausgaben die Einnahmen, sodass es zukünftig zu einem Abbau der Kapitalreserven kommt. Ohne Gelder aus dem Pflegefonds reichen die Kapitalreserven der SPV vermutlich noch bis etwa 2022. Langfristig ist die SPV ohne Anpassungen nicht nachhaltig. Insofern sind sowohl Eingriffe an der Einnahmen- als auch an der Ausgabenseite nötig”, erklärt Krolop.

Weitere Informationen zum Pflegeheim Rating Report 2017 finden Sie hier. Der gesamte Report ist auf Anfrage erhältlich.
 

Über Deloitte

Deloitte erbringt Dienstleistungen in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Risk Advisory, Steuerberatung, Financial Advisory und Consulting für Unternehmen und Institutionen aus allen Wirtschaftszweigen; Rechtsberatung wird in Deutschland von Deloitte Legal erbracht. Mit einem weltweiten Netzwerk von Mitgliedsgesellschaften in mehr als 150 Ländern verbindet Deloitte herausragende Kompetenz mit erstklassigen Leistungen und unterstützt Kunden bei der Lösung ihrer komplexen unternehmerischen Herausforderungen. Making an impact that matters – für rund 263.900 Mitarbeiter von Deloitte ist dies gemeinsames Leitbild und individueller Anspruch zugleich.

Deloitte bezieht sich auf Deloitte Touche Tohmatsu Limited („DTTL“), eine „private company limited by guarantee“ (Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach britischem Recht), ihr Netzwerk von Mitgliedsunternehmen und ihre verbundenen Unternehmen. DTTL und jedes ihrer Mitgliedsunternehmen sind rechtlich selbstständig und unabhängig. DTTL (auch „Deloitte Global“ genannt) erbringt selbst keine Leistungen gegenüber Mandanten. Eine detailliertere Beschreibung von DTTL und ihren Mitgliedsunternehmen finden Sie auf www.deloitte.com/de/UeberUns.

Inhaltsübersicht