Health Care Indicator 2016

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Krankenhausbetten: Versorgungsengpass 2020?

Deloitte Health Care Indicator 2016 prognostiziert deutliche Zunahme von Behandlungsfällen

Düsseldorf/München, 7. November 2016 – Über- oder Unterversorgung? In Deutschland könnte es ab 2020 zu einem Mangel an Krankenhausbetten kommen, wenn die gegenwärtige Entwicklung anhält.

Inhaltsübersicht

Wie der Deloitte Health Care Indicator 2016 zeigt, wurden 2014 mehr Menschen als je zuvor stationär behandelt. Gleichzeitig stieg die absolute Anzahl der Tage, die Patienten im Krankenhaus verbrachten. Gefallen ist hingegen die durchschnittliche Verweildauer pro Patient im Krankenhaus. Bestehen derzeit noch Überkapazitäten, so würde der aktuelle Trend etwa im Jahr 2020 zu einem Gleichstand von Angebot und Nachfrage führen – danach droht Unterversorgung. Bis zu 23.000 Betten könnten dann fehlen. Treiber sind Volkskrankheiten wie Rückenprobleme und Herzinsuffizienz. Außerdem steigt die Geburtenrate hierzulande wieder an. In einzelnen Bundesländern werden auch in vier Jahren noch Überkapazitäten bestehen, während in anderen (Hamburg, Brandenburg und Hessen) schon heute Mangel herrscht. Die Studie wurde in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Frank Schmitz, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Rhein-Waal, erstellt.

„Zunächst mag eine sinkende Überkapazität durch einen steigenden Bedarf an Behandlungsfällen nicht unbedingt bedenklich erscheinen. Aus Patientensicht ist die Versorgung gut. Sollte sich die aktuelle Tendenz zu mehr Fallzahlen jedoch auch in den nächsten Jahren halten und regional eine Unterkapazität resultieren, müssen die Verantwortlichen jedoch schon heute Strategien entwickeln, um die Versorgung in bestimmten Regionen sicherzustellen“, erklärt Dr. Gregor Elbel, Leiter Life Science & Health Care bei Deloitte.

Rekordverdächtiger Anstieg der Fallzahlen
Die deutschlandweit etwa 2.000 Krankenhäuser müssen eine flächendeckende Versorgung sicherstellen. Allerdings müssen die Kapazitäten immer wieder an den Bedarf angepasst werden. Zurzeit ist zu beobachten, dass die Zahl der Behandlungsfälle zwar zunimmt, die Verweildauer pro Patient aber sinkt. So erhöhten sich die Fallzahlen 2014 gegenüber dem Vorjahr um 2 Prozent auf 19,6 Millionen. Die Zahl aller Belegungstage stieg lediglich um 0,5 Prozent auf 146,3 Millionen. Im Schnitt verbrachten die Patienten nur noch 7,45 Tage (zuvor: 7,56) im Krankenhaus.

Zunahme von Geburten, Herzinsuffizienzen und Rückenproblemen
Maßgebliche Treiber dieser Entwicklung waren zum einen die wieder ansteigende Geburtenrate, zum andern aber auch der starke Anstieg von Patienten mit Herz- und Rückenproblemen. So stiegen die Fälle von Herzinsuffizienz zwischen 2013 und 2014 von 396.000 auf 488.000 um knappe 10 Prozent. Bei den Rückenschmerzen erhöhte sich die Fallzahl um 9,2 Prozent auf 224.000.

Bedarfsadäquates Angebot in vier Jahren?
Unabhängig von Schwankungen und dem Einfluss unvorhergesehener Ereignisse wird sich die Zahl der stationären Fälle bis 2020 auf 21,4 Millionen und bis 2030 um weitere 1,5 Millionen erhöhen. Die Belegungstage steigen in diesem Zeitraum um 154,6 beziehungsweise 162 Millionen. Maßgeblich dafür ist auch und vor allem die demografische Entwicklung. Dabei wird insbesondere der Anteil neurologischer Fälle zunehmen. Auch in den Bereichen Augenheilkunde und Innere Medizin wird es zu deutlich mehr Fällen kommen, während Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Strahlenheilkunde und Geburtshilfe nahezu stagnieren.

Angleichung bis 2020 – Unterschiede in den Ländern
Die Überkapazitäten verteilen sich regional unterschiedlich. Bei einer Soll-Auslastung von 85 Prozent liegt die entsprechende Rate auf Bundesebene bei 4,5 Prozent, was etwa 22.000 Betten entspricht. Bei einer Entwicklung, wie der Health Care Indicator prognostiziert, wäre dieser Überhang bis 2020 abgebaut – noch einmal zehn Jahre später würden bei gleichbleibendem Angebot sogar 23.000 Betten fehlen. Genau das ist bereits heute in Hamburg, Brandenburg und Hessen der Fall, während Rheinland-Pfalz und Thüringen auch 2020 noch ein starkes Überangebot aufweisen werden.

„Dass die stationäre Behandlung einen derartigen Zuwachs aufweisen würde, war kaum abzusehen. Was aber bedeutet die Tatsache, dass mehr Menschen die medizinischen Dienste von Krankenhäusern in Anspruch nehmen, dort jedoch durchschnittlich eine kürzere Zeit als bislang verbringen? Welche Trends könnten die Entwicklungen in der nahen Zukunft beeinflussen – und wie kann das Angebot in den einzelnen Bundesländern besser auf den Bedarf abgestimmt werden? Die Beantwortung dieser Fragen wird in Zukunft das Gesundheitssystem weiter beschäftigen, damit eine bedarfsgerechte Versorgung auch künftig gewährleistet ist“, resümiert Elbel.

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