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EIOPA Konsultation über die Integration von ESG Faktoren in die Governance und den Vertriebsprozess von Versicherungen

Veröffentlichung des Konsultationspapiers 18/483 der EIOPA vom 26. November 2018

ESG - Risiken in der Versicherungstätigkeit

Die Grundsätze der EIOPA bedingen eine Erweiterung sämtlicher Kernaktivitäten in Richtung eines ESG-Risikomanagements

Mit der Veröffentlichung des Papiers hat die EIOPA im Rahmen des EU „action plan on financing sustainable growth“ die Konsultation über technische Standards zur Integration von ESG-Risiken bei Solvency II-Versicherungsunternehmen und Versicherungsvermittlern in Richtung eines „sustainability investings“ eingeleitet. Dieses beinhaltet Vorschläge zu Maßnahmen insbesondere in der Compliance-, Risikomanagement-, Interne Kontroll- und Revisionsfunktion zum Zweck der Identifikation und Steuerung von Risiken aus den Bereichen „Umwelt“, „Sozialstandards“ und „Unternehmensführungspraktiken“ (=ESG-Risiken).

Ausgehend von der weiten Definition von „sustainable investments“ in der EU-Richtlinie 2016/2341 geht die Konsultation zunächst auf die Anpassungserfordernisse in der Governance-Struktur der Versicherungsunternehmen ein und fordert zudem Prozesse zur Identifikation und Bewertung von ESG-Risiken im Bereich der Kapitalanlage und des Risikomanagements durch die Unternehmen ein. Flankiert werden kann diese Bewertung durch weitere Maßnahmen zur Sicherstellung der Qualifikation der Mitarbeiter und Geschäftspartner ausgelagerter Dienstleistungen im Hinblick auf deren Umgang mit ESG-Risiken, bis hin zur Berücksichtigung dieser Tätigkeiten im Rahmen der Performancebemessung.

Auswirkungen werden sich gemäß dem Konsultationsschreiben auch in den Kernprozessen des Versicherungsunternehmens selbst bei der Investition von Versicherungsgeldern und der Zeichnung neuer Versicherungsrisiken ergeben. Bezüglich der Investitionstätigkeit wird das bestehende „Prudent Person“-Prinzip erweitert zu einem Regelkreis: Forderte das Prinzip bisher die Beschränkung auf solche Investitionen, für die entsprechende Risikomanagement- und Kapitalbedeckungskapazitäten vorhanden sind, wird es zukünftig nicht nur erforderlich sein, ESG-Risiken in diese Betrachtung mit einzubeziehen, sondern auch die langfristigen Auswirkungen der ESG-Risikofaktoren auf die getätigten Investitionen insgesamt zu betrachten. Komplementär hierzu wird im Rahmen des Zeichnungsprozesses gefordert, die Auswirkungen von ESG-Risiken auf die Auswahl, Schadenhäufigkeit und –schwere des Versicherungsportfolios in die aktuarielle Betrachtung mit einzubeziehen. Abschließend wird nicht nur die organisatorische Verankerung der Identifikation, Bewertung und Steuerung von ESG-Risiken im investmentbezogenen Risikomanagementprozess der Versicherung gefordert, sondern auch deren Berücksichtigung in der unternehmenseigenen Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung („ORSA“). So sollen zukünftig ESG-Risiken auch in der Beurteilung der Gesamtsolvabilität und der Bemessung der versicherungstechnischen Rückstellungen angemessen berücksichtigt werden, wobei den Klimarisiken eine besondere Beachtung zukommen soll.

Ergänzend zu den technischen Umsetzungsvorschlägen auf Ebene der Corporate Governance sieht das Konsultationsschreiben zusätzliche Anforderungen im Vertriebsprozess vor. Hierbei steht sowohl die angemessene Behandlung möglicher Interessenkonflikte zwischen dem Risikoprofil von Versicherungs(-anlage)kunden und deren ESG-Präferenzen als auch die Berücksichtigung von ESG-Faktoren im Neue-Produkte-Prozess bei Versicherungsprodukten im Vordergrund, sofern diese explizit auf Kunden mit ESG-Präferenzen abzielen.

Insgesamt fügt sich das Konsultationsschreiben in Reichweite und Verbindlichkeit in die bestehende Solvency II- und IDD-Regulierung ein und ermöglicht der Branche eine frühzeitige Anpassung an die Erfordernisse des europäischen sustainable finance- Projektes. Komplementäre Anforderungen sind in den nächsten Monaten für CRR-Kreditinstitute und Kapitalverwaltungsgesellschaften als weitere wesentliche Kapitalsammel- und Investitionsstellen zu erwarten.

Versicherer haben nun die Möglichkeit an der Konsultation bis zum 30. Januar 2019 teilzunehmen. Die Empfehlungen der EIOPA sollen der EU-Kommission bis zum 30. April 2019 vorgelegt werden.

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