Gefahr durch Fake News

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Gefahr durch Fake News

Interview mit Katrin Rohmann, Public Sector Lead und Partnerin Strategic Risk

Stellen Fake News eine Bedrohung für die Demokratie dar? Wie kann die Politik hier eingreifen und wie kann jeder Einzelne sich schützen?

Katrin Rohmann, Public Sector Lead und Partnerin Strategic Risk über die Gefahren durch Fake News und wie Unternehmen und ihre Mitarbeiter gegen Cyberbedrohungen widerstandsfähiger werden können.

Inwieweit sind Fake News eine Gefahr für die Demokratie?

Fake News untergraben das Vertrauen der Menschen in die Medien, staatliche Stellen oder Unternehmen. Fake News können Sachverhalte komplett objektiv falsch darstellen oder durch einzelne Details, die losgelöst vom oft komplexen Zusammenhang hervorgehoben werden, ein verfälschtes Bild der Realität erzeugen. Sie verbreiten sich häufig in sozialen Netzwerken, meist wird dabei sehr emotional argumentiert. Die „klassischen“ Medien als qualitätssichernder Vermittler von Informationen zwischen Politik, Institutionen und Bürgern geben aufgrund Ihrer Recherchen häufig ein anderes Meinungsbild. Dies führt zu Verunsicherung und Vertrauensverlust und kann im schlimmsten Fall zum Nährboden für eine Destabilisierung der demokratischen Beschaffenheit einer Gesellschaft werden. Laut unserem aktuellen Cyber Security Report wird die Manipulation der öffentlichen Meinung mittels Fake News zu einer großen Sorge für immer mehr Führungskräfte. So ist der Anteil derjenigen, die Fake News als großes Risiko betrachten, von 67% im Jahr 2017 auf nunmehr 75% angewachsen.

Fake News

Was kann die Politik gegen Fake News tun?

Demokratien können – trotz offensichtlicher Manipulationsversuche – nicht mit Verboten zuvorkommen und beispielsweise Grundrechte wie die Presse- und Informationsfreit einschränken. Vielmehr sind Bildung, um Manipulationsversuche besser zu erkennen und zu antizipieren, und Aufklärung die Schlüssel zum Erfolg. Eine Berarbeitung dieser Themen in Schulen ist genauso sinnvoll wie eine aktive Aufklärung und die Richtigstellung von falschen Informationen. Ein erster Ansatz ist hier beispielsweise die „East StratCom Task Force“ auf EU-Ebene.

Wie kann sich jeder Einzelne gegen Fake News schützen?

Im Zuge von zunehmenden Desinformationskampagnen ist das kritische Hinterfragen von Inhalten und Quellen von Medienerzeugnissen essentiell geworden. Können Zahlen und Zitate im Text überprüft werden? Wird nur eine Meinung wiedergegeben? Ist die Quelle seriös und hat diese – im Falle von Internetseiten – beispielsweise ein Impressum? In wichtigen Fällen sollten Aussagen durch neutrale Quellen, wie z.B. Tweets der Polizei oder anderer Behörden überprüft werden. Insbesondere sollten Meldungen, die unseriös oder sehr einseitig erscheinen, nicht ungeprüft weitergeleitet werden.

Negative Berichterstattungen und Imageschäden sind Deliktstypen, die in den letzten zwei Jahren erhebliche Schadenssummen für deutsche Unternehmen mit sich brachten.

- Katrin Rohmann, Public Sector Lead und Partnerin Strategic Risk

 

Werden Fake News auch zunehmend für Unternehmen problematisch?

Auch wenn anfänglich der Begriff Fake News mit der Politik und vor allem in Zusammenhang mit Wahlkämpfen gesetzt worden ist, sind zunehmend auch Unternehmen davon betroffen. Die Unternehmen befürchten Imageschäden durch falsche Nachrichten über Produkte und Services oder über das Unternehmen selbst. Dazu können auch kriminelle Handlungen wie Identitätsdiebstahl im Rahmen von Cyberattacken genutzt werden. Negative Berichterstattungen und Imageschäden sind Deliktstypen, die in den letzten zwei Jahren erhebliche Schadenssummen für deutsche Unternehmen mit sich brachten.

Wie können Unternehmen und ihre Mitarbeiter gegen diese Art von Cyberbedrohung Resilienz entwickeln?

Zunächst einmal sollten Unternehmen konsequent prüfen, was über sie in sozialen Netzwerken und anderen Medien verbreitet wird.  Eine flexible Unternehmenskommunikation sollte diese Erkenntnisse dann aufnehmen.

Mittels Methoden wie Social Engineering werden einzelne Mitarbeiter zur Zielscheibe von Cyber-Attacken. Durch eine unbedarfte Handlung eines Einzelnen kann hierbei ein gesamtes Unternehmen Reputationsschäden erleiden. Eine verstärkte Resilienz gegen solche Manipulationsversuche ist daher für Unternehmen unabdingbar. Diese lässt sich unter anderem durch Cyber Awareness Schulungen der Mitarbeiter oder Cyber Simulationen wie Red Teaming erreichen.