Gefahr durch Fake News

Article

Gefahr durch Fake News

Interview mit Katrin Rohmann, Public Sector Lead und Partnerin Strategic Risk

Stellen Fake News eine Bedrohung für die Demokratie dar? Wie kann die Politik hier eingreifen und wie kann jeder Einzelne sich schützen?

Katrin Rohmann, Public Sector Lead und Partnerin Strategic Risk über die Gefahren durch Fake News und wie Unternehmen und ihre Mitarbeiter gegen Cyberbedrohungen widerstandsfähiger werden können.

Inwieweit sind Fake News eine Gefahr für die Demokratie?

Laut unserem aktuellen Cyber Security Report 2019 wird die Manipulation der öffentlichen Meinung mittels Fake News zur Nummer 1 unter den Cyber Risiken bei den befragten Führungskräfte und Abgeordneten. So ist der Anteil derjenigen, die Fake News als großes Risiko betrachten, von 67% im Jahr 2017 auf nunmehr 74% in 2019 angewachsen. „Fake news“ ist ein politischer Begriff geworden. Was versteht man aber darunter genau? Es handelt sich um falsche, ungenaue oder irreführende Informationen, die erfunden, präsentiert und verbreitet werden, um Gewinne zu erzielen oder bewusst öffentlichen Schaden anzurichten, so jedenfalls eine Definition der EU Kommission. Dies führt zu Verunsicherung und Vertrauensverlust und kann im schlimmsten Fall zum Nährboden für eine Destabilisierung der demokratischen Beschaffenheit einer Gesellschaft werden. Die Verbreitung erfolgt meist sehr schnell und emotional angereichert über die sozialen Medien. Daher sehen auch 50% der befragten Abgeordneten eher Risiken im wachsenden Einfluss sozialer Medien auf die politische Meinungsbildung:

Fake News

Betrifft das Thema nur die Politik?

Nein, auch die Wirtschaft ist betroffen. Bereits jedes vierte Unternehmen berichtet von Versuchen, durch Falschinformationen im Netz dem Ruf zu schaden. Insbesondere der Handel und eher größere Unternehmen sind hier überdurchschnittlich betroffen.

Was kann man gegen Fake News tun?

Nun, zunächst einmal gilt es zu überwachen, was über eine Organisation, sei es eine Partei, Institution oder ein Unternehmen in den sozialen Netzwerken kommuniziert wird. Über 70% der befragten Abgeordneten geben an, dass sie bzw. ihre Parteien das auch systematisch tun. Unternehmen hingegen scheinen hier noch Nachholbedarf zu haben; hier geben nur 51% der Befragten an, das Ihr Unternehmen die Kommunikation in den sozialen Netzwerken systematisch verfolgt. Dies ist aber Voraussetzung für eine schnelle Reaktion und eigene aktive Kommunikation. Wichtige und sehr relevante Informationen lassen sich heute mit Einsatz modernster Technologie verifizieren. Dabei kommen auch Data Analytics und KI zum Einsatz. Das ist auch ein Beratungsfeld für uns.

Negative Berichterstattungen und Imageschäden sind Deliktstypen, die in den letzten zwei Jahren erhebliche Schadenssummen für deutsche Unternehmen mit sich brachten.

- Katrin Rohmann, Public Sector Lead und Partnerin Strategic Risk

 

Und darüber hinaus, was kann Politik beitragen?

Demokratien können – trotz offensichtlicher Manipulationsversuche – nicht mit Verboten zuvorkommen und beispielsweise Grundrechte wie die Presse- und Informationsfreit einschränken. Vielmehr sind Bildung, um Manipulationsversuche besser zu erkennen und zu antizipieren, und Aufklärung die Schlüssel zum Erfolg. Eine Bearbeitung dieser Themen in Schulen ist genauso sinnvoll wie eine aktive Aufklärung und die Richtigstellung von falschen Informationen. Ein erster Ansatz ist hier beispielsweise die „East StratCom Task Force“ auf EU-Ebene.

Wie kann sich jeder Einzelne gegen Fake News schützen?

Im Zuge von zunehmenden Desinformationskampagnen ist das kritische Hinterfragen von Inhalten und Quellen von Medienerzeugnissen essentiell geworden. Können Zahlen und Zitate im Text überprüft werden? Wird nur eine Meinung wiedergegeben? Ist die Quelle seriös und hat diese – im Falle von Internetseiten – beispielsweise ein Impressum? In wichtigen Fällen sollten Aussagen durch neutrale Quellen, wie z.B. Tweets der Polizei oder anderer Behörden überprüft werden. Insbesondere sollten Meldungen, die unseriös oder sehr einseitig erscheinen, nicht ungeprüft weitergeleitet werden.