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Analysen

BEPS-Studie 2020: Die globale Steuerwelt im Wandel

Das BEPS Projekt der OECD hat die globale Steuerwelt in den letzten Jahren ordentlich durcheinandergewirbelt. Das Folgeprojekt mit Fokus auf Besteuerung der digitalen Wirtschaft (Pillar 1/ Pillar 2), sorgt dafür, dass weitere Veränderungen erwartet werden. Wie sehen multilaterale Unternehmen diese Entwicklungen und wie sind sie davon betroffen? Hierzu befragt Deloitte in seiner BEPS-Studie seit 2014 jährlich Unternehmen in vielen Ländern der Welt. Für die aktuelle Auflage 2020 haben Unternehmensvertreter in 38 Ländern an der Umfrage teilgenommen. Wir stellen die Ergebnisse mit Blick auf die deutschen Teilnehmer vor.

So sieht die BEPS-Studie die Entwicklung der Steuerabteilung

Investitionsbereitschaft bei Tax Technology: Die deutschen Teilnehmer haben die Änderungen, die sich aus dem BEPS-Projekt ergeben, überwiegend für eine stärkere Digitalisierung genutzt. Ganze 79 Prozent der deutschen Teilnehmer planen aufgrund des BEPS Projektes steigende Investitionen in steuerspezifische Technologie oder haben dies bereits getan. Damit liegt Deutschland in diesem Punkt an zweiter Stelle hinter Finnland. Der globale Durchschnitt der BEPS-Studie liegt bei nur 47 Prozent.

Mitarbeiter: Jeder vierte deutsche Teilnehmer plant aufgrund des BEPS-Projekts, Aufgaben der Steuerabteilung outzusourcen. 39 Prozent der Teilnehmer aus Deutschland haben hingegen angegeben, die Mitarbeiterzahl in der Steuerabteilung aufgestockt zu haben oder dies zu planen.

Steuerstrategie: Das Thema Unternehmensbesteuerung spielt im Unternehmen eine immer stärkere Rolle. 57 Prozent der deutschen Teilnehmer geben an, dass sie die Steuerstrategie nicht als reines Compliance-Thema sehen, sondern auch als Teil der Agenda im Bereich Corporate Responsibility. Dennoch zeigen sich mehr als die Hälfte der deutschen Teilnehmer besorgt über das anhaltend hohe Interesse der Medien, der Politik sowie NGOS am Thema Unternehmensbesteuerung.

Weitere Auswirkungen: Über die Steuerabteilung hinaus führt das BEPS-Projekt nur sehr begrenzt zu Veränderungen in den Unternehmen. Nur 25 Prozent der deutschen Teilnehmer haben ihre grenzüberschreitenden Unternehmensstrukturen im Zusammenhang mit dem BEPS-Projekt spürbar verändert.

Verhältnis zur Finanzverwaltung

Die Prüfungen der Finanzverwaltung werden strenger: 71 Prozent der deutschen Teilnehmer haben dieser Einschätzung zugestimmt. Gleichzeitig steigt aber auch die Bedeutung digitaler Tools bei den Behörden. 68 Prozent der deutschen Teilnehmer haben bestätigt, dass die Finanzverwaltung zunehmend Tools zur Datenanalyse und zum Datensammeln nutzt.

In Reaktion auf die zunehmende Prüfungstätigkeit der Finanzverwaltung im Bereich der Unternehmensbesteuerung haben 86 Prozent der Umfrageteilnehmer aus Deutschland zusätzliche Regelungen und Vorgaben im Unternehmen eingeführt oder planen dies.

Auswirkungen des BEPS-Projekts laut Studie

57 Prozent der deutschen Teilnehmer gehen davon aus, dass die Finanzverwaltung, auch als Reaktion auf das BEPS-Projekt, sich stärker für Unternehmensaktivitäten in Niedrigsteuerländern interessiert. Zum Vergleich: Im globalen Durchschnitt sind es nur 42 Prozent, die eine Zunahme sehen. Über die letzten 3 Jahre war die Tendenz hier sogar rückläufig.

Nach Einschätzung von 61 Prozent der deutschen Teilnehmer fehlen den Steuerpflichtigen klare Vorgaben oder Richtlinien durch die Finanzverwaltung, um die Handlungsbedarfe aus dem BEPS-Projekt korrekt umzusetzen. Laut BEPS-Studie ist Deutschland dabei nach Frankreich (61 Prozent) das Land, in dem sich die meisten Umfrageteilnehmer mehr Hilfestellungen und Handlungsempfehlungen durch die Finanzverwaltung wünschen.

Aufgrund der sich ändernden weltweiten Rahmenbedingungen holen 46 Prozent der deutschen Teilnehmer ein Advance Pricing Agreement (APA) ein. Nur in Italien sind es mit 60 Prozent der dortigen Umfrageteilnehmer noch mehr.
Ein vergleichbares Bild ergibt sich bei der Frage, ob die Umfrageteilnehmer durch einseitige Steuerrechtsänderungen in einzelnen Ländern zunehmend von einer Doppelbesteuerung betroffen sind. 80 Prozent der italienischen, 63 Prozent der französischen und 61 Prozent deutschen Teilnehmer sind von einer solchen Doppelbesteuerung betroffen. Weltweit gesehen sind es nur 44 Prozent. Beschränkt auf die Steuerrechtsänderungen, die sich konkret aus dem BEPS-Projekt ergeben, sehen sich immer noch 36 Prozent der deutschen Teilnehmer mit einer Doppelbesteuerung konfrontiert. Bei den Teilnehmern aus Italien sind es nur noch 20 Prozent und mit Blick auf Frankreich 25 Prozent.

In der Folge waren dann auch 36 Prozent der deutschen Teilnehmer in grenzüberschreitende Steuerstreitigkeiten involviert, die sich aus einer unkoordinierten Implementierung von BEPS-Maßnahmen ergeben haben. Bei allen Umfrageteilnehmern waren es mit 30 Prozent etwas weniger, jedoch ist hier der Anteil über die letzten Jahre 3 Jahre gestiegen.

Das Multilaterale Instrument (MLI) oder individuelle Neuverhandlungen von Doppelbesteuerungsabkommen sind Maßnahmen zur Umsetzung des BEPS-Aktionsplans. 57 Prozent der deutschen Teilnehmer sehen in diesem Zusammenhang eine Ausweitung der Quellenbesteuerung.
Im Rahmen des BEPS-Aktionsplans wurde in der EU ein nicht öffentliches Country-by-Country-Reporting eingeführt. 68 Prozent der deutschen BEPS Studien-Teilnehmer halten es nun für sehr wahrscheinlich, dass es in einigen Jahren auch die Verpflichtung der Unternehmen für ein öffentliches Country-by-Country Reporting geben wird.

Ausblick BEPS 2.0 (Pillar 1/ Pillar 2)

Im Rahmen des 2015 verabschiedeten BEPS-Aktionsplans wurde das Thema der Besteuerung der digitalen Geschäftsmodelle/Wirtschaft zwar behandelt, aber konkrete Maßnahmen für eine Reform ausgeklammert. Damit befasst sich das aktuelle Folgeprojekt der OECD, dass unter dem Stichwort Pillar 1/ Pillar 2 läuft. Ein wichtiger Punkt ist in diesem Zusammenhang die Einführung einer Digital Services Tax (DST). 61 Prozent der deutschen Teilnehmer sind bereits von der Einführung einer Digital Services Tax auf den Märkten ihrer Kunden betroffen.
Zum OECD Pillar 1/ Pillar 2 Projekt haben die deutschen Umfrageteilnehmer die folgenden Einschätzungen gegeben:

  • 32 Prozent sehen, dass das Projekt zu einem globalen Konsens über die Besteuerung der digitalen Wirtschaft und damit zu Veränderungen führen wird.
  • 32 Prozent der deutschen Teilnehmer sind durch Konsultationen eingebunden in das Projekt. 
  • 61 Prozent der deutschen Unternehmen sehen einen Anstieg der Steuerbelastung als mögliches Ergebnis des Projektes an.

Hintergrundinformationen zur BEPS-Studie

  • Teilnehmer insgesamt: 296 
  • Teilnehmer Deutschland: 28
  • Teilnehmer aus 38 Ländern
  • Zeitraum der Umfrage 29.2.2020 bis 4.3.2020
  • Die meisten Umfrageteilnehmer kamen aus der Industrie Manufacturing
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