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Corona-Förderung. Soforthilfemaßnahmen für notleidende Unternehmen in der COVID-19-Krise 

Die Einschränkungen des gesellschaftlichen Lebens, ausgelöst durch das Coronavirus SARS-CoV-2, haben das öffentliche Leben in Deutschland in den letzten vier Wochen fast zum kompletten Stillstand gebracht. Für viele Menschen sind Home Office, Kontaktsperre und geschlossene Läden, Cafés und Restaurants zur neuen Normalität geworden. Jedoch stellt dies unser Land vor einzigartige gesellschaftliche und ökonomische Herausforderungen. Großkonzerne, klein- und mittelständische Unternehmen sowie Start-Ups spüren die Auswirkungen der momentanen Krise durch schwindende Aufträge und unterbrochene Lieferketten. Um in diesen schwierigen Zeiten Unternehmen und ihre Arbeitnehmer zu unterstützen und die ökonomischen Auswirkungen der Krise abzuschwächen, haben die Bundes- und Landesregierungen frühzeitig finanzielle Hilfe bereitgestellt. Die Bundes- und Landesregierungen haben im Zuge von Wirtschaftsminister Peter Altmaiers „Wir lassen niemanden alleine!“ - Versprechen verschiedene Förder- und Finanzierungsprogramme für Firmen aller Größen und Industrien sowie Selbstständige und Freiberufler auf den Weg gebracht. 

Flyer zu COVID-19 öffentliche Förderung

Bundesförderprogramme

Auf Bundesebene wurden insgesamt fünf große Förderpakete zur Abfederung finanzieller Ausfälle aufgrund der Verbreitung des Coronavirus geschnürt oder bestehende Maßnahmen substantiell erweitert. 

Der Wirtschaftsstabilisierungsfond (WSF) des Bundes stellt Liquiditätsgarantien und Mittel zur Stärkung von Eigenkapital über 600 Milliarden Euro zur Verfügung. Zur Finanzierung dieses Fonds wurde Ende März die im Grundgesetz festgesetzte Schuldenbremse vom Bundestag und Bundesrat ausgesetzt, um die eine Neuverschuldung zu ermöglichen. Dabei werden 400 Milliarde Euro für Liquiditätsgarantien für Verbindlichkeiten von Unternehmen bis zu 60 Monate Laufzeit aufgebracht, 100 Milliarden Euro für eine Kreditermächtigung für direkte Rekapitalisierungsmaßnahmen verwendet und 100 Milliarden Euro für Refinanzierung des oben beschriebenen KfW-Sonderprogramms 2020 genutzt. Antragsberechtigt sind große Unternehmen sowie – im Falle einer Relevanz für kritische Infrastrukturen – kleinere Unternehmen und Start-ups.

Die nationale Förderbank, Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) – Bank, stellt Liquiditätshilfen durch drei Förderpakete zur Verfügung, das KfW-Sonderprogramm 2020, den KfW- Schnellkredit 2020 und die Soforthilfe für Unternehmen bis 10 Beschäftigte. 

Das KfW-Sonderprogramm 2020 besteht aus einem neu eingeführten Förderprogramm, der KfW-Direktbeteiligung für Konsortialfinanzierung für großvolumige Finanzierungen und der Erweiterung von bestehenden KfW-Programmen mit Liquiditätshilfen für Unternehmen in finanzieller Not, dem ERP-Gründerkredit (für Unternehmen, die weniger als 5 Jahre am Markt sind) und dem KfW-Unternehmerkredit (für Unternehmen, die mehr als 5 Jahre am Markt sind) auf. Das Sonderprogramm steht gewerblichen Unternehmen jeder Größenordnung sowie den freien Berufen offen und schafft durch niedrige Zinssätze und eine vereinfachte Risikoprüfung bei Krediten von bis zu 10 Millionen Euro verbesserte Vergabebedingungen. 

Die folgende Tabelle liefert einen Überblick über die Maßnahmen der KfW-Sonderprogramme:

English Flyer: COVID-19 Public Funding Incentives

Der KfW-Schnellkredit 2020 unterstützt mittelständische Unternehmen mit einem Darlehen von bis zu 800.000 Euro. Bewerben auf die Liquiditätshilfen können sich Unternehmen mit mehr als 10 Beschäftigten, die seit dem 1. Januar 2019 Umsätze erzielt haben. Das Kreditvolumen pro Unternehmen ist begrenzt auf maximal 25 Prozent des Jahresumsatzes 2019, maximal 500.000 Euro für Unternehmen mit einer Beschäftigtenzahl von bis zu 50 Beschäftigten und maximal 800.000 Euro für Unternehmen mit einer Beschäftigtenzahl über 50 Beschäftigten. Der Zinssatz liegt bei 3 Prozent und die Kreditbewilligung erfolgt ohne weitere Kreditrisikoprüfung durch die Bank oder die KfW. 

Die Bundesregierung hat finanzielle Soforthilfen über 50 Milliarden Euro für kleine Unternehmen mit bis zu 10 Personen und Solo-Selbständige in Form von Zuschüssen bereitgestellt. Dabei wird Unternehmen bis zu 3 Personen eine Einmalzahlung von 9.000 Euro gewährleistet. Unternehmen mit bis zu 10 Beschäftigten erhalten einmalig 15.000 Euro. Der Zuschuss dient der Sicherung der wirtschaftlichen Existenz und zur Überbrückung akuter Liquiditätsengpässe. Die Bearbeitung der Anträge und die Auszahlung erfolgen durch die Länder. Eine Übersicht über zuständige Stellen findet sich unter diesem Link. Dort können bis zum 31. Mai 2020 Anträge gestellt werden. 

Weitere staatliche finanzielle Hilfen in Höhe von 2 Milliarden Euro wurden Start-Ups, jungen Technologieunternehmen und kleinen Mittelständlern Anfang April versprochen. Dadurch sollen öffentlich Wagniskapitalinvestoren gestärkt werden, junge Start-ups ohne Wagniskapitalgeber 800.000 Euro pro Unternehmen (bzw. zuzüglich De-Minimis bis max. 1 Millionen Euro) erhalten und zusätzliche Mittel für Dachfondinvestoren zur Verfügung gestellt werden. Jedoch steht bisher die Genehmigung des Förderpakets durch die EU-Kommission aus. Längerfristig soll ein Zukunftsfond für die Finanzierung von Start-Ups gegründet werden.

Außerdem bieten die Bürgschaftsbanken der einzelnen Länder Ausfallbürgschaften für Unternehmen aller Größen und Branchen an. Zusätzlich beteiligt sich der Bund an einem Großbürgschaftsprogramm, das Unternehmen auch außerhalb strukturschwacher Regionen durch Absicherungen von Betriebsmittelfinanzierungen und Investitionen ab einem Bürgschaftsbedarf von 50 Millionen Euro unterstützt. Dabei können Bürgschaften maximal 90 % des Kreditrisikos abdecken. 

Des Weiteren wurde das Kurzarbeitergeld aufgestockt, welches von der jeweils zuständigen Bundesagentur für Arbeit vergeben wird. Ab dem 4. Monat des Bezugs soll der Betrag auf 70% des Netto-Gehaltes steigen (77% für Haushalte mit Kindern) und ab dem 8. Monat auf 80% (bzw. 87% für Haushalte mit Kindern). Zusätzlich dürfen Kurzarbeiter bis zur vollen Höhe ihres bisherigen Monatseinkommens hinzuverdienen. 

Landesförderprogramme

Zusätzlich zu bundesweiten Förderprogrammen stellen zum aktuellen Zeitpunkt einige Bundesländer weitere finanzielle Unterstützung zur Verfügung. Die Europäische Kommission hat am 03.04.2020 die Ausweitung der Vergabe von niedrigverzinslichen Darlehen genehmigt. Abhängig vom jeweiligen Bundesland, werden Betriebsmittel-, Liquiditäts- oder Überbrückungsfinanzierungsmaßnahmen somit zu denselben guten Förderkonditionen des bereits genehmigten KfW-Sonderprogramms 2020 angeboten und müssen bei den zuständigen Bewilligungsbehörden beantragt werden. Bisher liegt der Fokus dieser Programme auf der sofortigen Unterstützung von klein- und mittelständischen Unternehmen sowie Freiberuflern und Selbständigen. Eine detaillierte Übersicht der Förderung in den einzelnen Bundesländern steht in den zum Download bereitgestellten Unterlagen zur Verfügung.

Die langjährige Expertise des Deloitte Fördermittelberatungsteams sowie unserer Kollegen aus Tax, Legal und Risk Advisory ermöglicht es uns, Ihnen auch in schwierigen Zeiten wie diesen effektiv und tatkräftig zur Seite zu stehen. Falls Sie weitere Fragen haben, bitte kontaktieren Sie Global Investment and Innovation Incentive Service Line Leader, Dr. Sebastian Lange unter seblange@deloitte.de.