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E-Bilanz: Reflexion

Von der digitalen Einbahnstraße auf die E-Autobahn

Die E-Bilanz wird zum Standard und bringt weniger Bürokratie, mehr Effizienz, niedrigere Kosten und ein besseres Risikomanagement – soweit die Ziele der Einführung der elektronischen Steuerbilanz ab dem Jahr 2012. Digitale Technologien und intelligente Software sollen es möglich machen. Hat die E-Bilanz ihre Bewährungsprobe bestanden? Was funktioniert gut, wo muss nachjustiert werden?

Von Dr. Andreas Kowallik, Leiter Tax Management Consulting

Die E-Bilanz hat ihren ersten Praxistest erfolgreich überstanden: Die Unternehmen haben bis Januar 2014 mehr als 1 Million Datensätze erfolgreich übermittelt. Und die Zahl steigt weiterhin deutlich, da mittlerweile alle Erleichterungen ausgelaufen sind. Unternehmen und Steuerverwaltung haben aus den Erfahrungen der letzten Jahre dazu gelernt, aber beide müssen weiter nachjustieren. Raum für Verbesserungen gibt es in Sachen Umfang und Informationsgehalt der E-Bilanzen. Hier hinken die Unternehmen den Mindesterwartungen des Fiskus vielfach hinterher. Schwachstellen weisen auch Kontennachweise und Anlagespiegel auf – sei es, weil sie bisher kaum digital übermittelt werden oder weil sie wenig detailliert sind. Vielen Steuerabteilungen und -beratern bereitete die E-Bilanz außerdem ungeahnte technische Probleme. Beim HGB-Hauptbuchkontenabgleich (sog. Mapping) zeigt sich, dass unerwartet viele Unternehmen ein (vereinfachtes) Mapping auf Summenmussfelder und Auffangpositionen genutzt haben. Nichtsdestotrotz haben sich die Taxonomien und die neue IT-Infrastruktur als praxistauglich erwiesen.

Viele Unternehmen haben die Digitalisierung beim Fiskus anfangs oft skeptisch beobachtet. Nach der erfolgreichen Premiere der E-Bilanz findet jedoch ein Umdenken statt – und das ist gut so. Denn die E-Bilanz bietet den Unternehmen diverse Chancen: Steuerprozesse im Rechnungswesen können beispielsweise automatisiert, Risiken besser gemanagt und Administrationskosten gesenkt werden. Gleichzeitig erlangen die Unternehmen schneller Rechtssicherheit.

Wie sollten Unternehmen auf das Risikomanagement des Fiskus reagieren? Zum einen durch Steuerdatenanalysen. E-Bilanzen sollten immer auf Konsistenz mit allen E-Steuererklärungen und E-Steueranmeldungen analysiert werden – und das nicht nur instanzenbezogen, sondern auch quer über die Unternehmensgruppe. Zudem sollten alle Unternehmen prüfen, die Datenstandardisierung als Einstieg in Tax Data Analytics zu nutzen. Die E-Bilanz erleichtert den Aufbau von Steuerdatenbanken, die als Grundlage für Steuerdatenanalysen, -prognostik, -planung und Betriebsvergleiche genutzt werden können. Zum anderen sind Unternehmen gut beraten, die Konsistenz und Integrität ihrer E-Bilanzen sicherzustellen. Gerade in Großunternehmen gibt es Qualitätsschwankungen bei den Datensätzen. Der Grund: Steuerabteilungen haben keine Strategie zur Einführung der E-Bilanz oder für die Anpassung der Rechnungswesensprozesse vorgegeben (z.B. Speichern von XBRL-Tags). Auch indem Konten-Mappings nachbearbeitet oder vollständig neu erstellt werden, lässt sich die Integrität der E-Bilanzen erhöhen.

Der Verwaltung bietet die E-Bilanz die perfekte Ausgangsbasis, ihre Steuervorgänge zu digitalisieren. Sie ermöglicht, Fälle risikoorientiert zu bearbeiten und Personalkosten zu senken. Für den Steuerpflichtigen bringen zeitnahe Betriebsprüfungen schnellere Rechtssicherheit. Der Fiskus hat seine Transparenz- und Effizienzsteigerungsziele aus der E-Bilanz (noch) nicht erreicht. Und so verwundert es nicht, dass die Länderfinanzverwaltungen in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein bereits eine stetige Ausweitung des Mindestumfangs für E-Bilanz-Datensätze angekündigt haben.

Während der Konzeption der E-Bilanz hat es die Finanzverwaltung versäumt, bei den Unternehmen für ein integriertes Gesamtkonzept zur Digitalisierung der steuerlichen Gewinnermittlung zu werben. Nach der erfolgreichen Einführung der E-Bilanz sollte jetzt eine Weiterentwicklung der E-Bilanz-Taxonomien hin zu echten, umfassenden E-Steuer-Taxonomien in Angriff genommen werden. Als Zwischenziel bietet sich an, die Steuerformulare für Ertragssteuern auf Unternehmensgewinne in die Taxonomien zu integrieren und danach abzuschaffen. Ist diese kurzfristig umsetzbare Digitalisierung erreicht, kann die Finanzverwaltung das antiquierte deutsche Veranlagungssystem für Unternehmensgewinne mittelfristig auf eine E-Selbstveranlagung umstellen und sich volldigitalisiert für die Zukunft neu aufstellen.

Der Autor setzt sich mit dem Thema E-Bilanz in seinem Beitrag „Erste Praxiserfahrungen mit und verbleibender Anpassungsbedarf bei der E-Bilanz“ auseinander. Der Artikel ist in Der Betrieb 2016, Heft 3, Seite 133 erschienen.