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Perspectives

Künstliche Intelligenz: Wenn Computer Steuergesetze verstehen

Fachbeitrag: KI in der Steuerberatung

Das Forschungsumfeld der Künstlichen Intelligenz (KI) hat sich zur Aufgabe gemacht, (menschliche) Intelligenz auf Maschinen zu übertragen. Die Technologien haben sich während der letzten Jahre exponentiell weiterentwickelt. In der Steuerberatung stecken Sie allerdings noch in den Kinderschuhen.

Grundlagen: Wann ist ein Computer intelligent?

Bereits Anfang der 1950er Jahre entwickelte Alan Turings ein Modell zur Entscheidung, ob eine Maschine intelligent ist. In diesem sog. Turing-Test kommuniziert ein Mensch mit einen unbekannten Dritten. Dieser Dritte kann sowohl ein Mensch als auch eine Maschine sein. Ist für die beurteilende Person eine Unterscheidung nicht möglich, handelt es sich um eine intelligente Maschine.

Um ein System „intelligent“ zu machen, hätte bei der damaligen Technik ein Regelwerk mit hunderttausenden Einträgen erstellt und laufend gepflegt werden müssen. In Kombination mit komplizierten Sachverhalten sowie einem praktisch unbegrenzten Zeit- und Ressourcenaufwand, ein unmögliches Unterfangen!


Von neuronalen Netzen zum Cognitive Computing

Deshalb musste ein selbstlernendes System geschaffen werden, das (ähnlich wie der Mensch) sein Regelwerk individuell erlernt. Dies war die Geburtsstunde der Neuronalen Netze. Diese besitzen die methodische Fähigkeit, von sich aus zu lernen, zu schließen und zu folgern. Praktische Anwendungsbeispiele sind heute benutzerabhängige Spracherkennung oder das Erkennen von Texten und deren Zusammenhänge. Auch in der Robotik werden Entscheidungen zur Fortbewegung automatisiert getroffen.

Durch technologische Innovationen wurde die Forschung im Bereich der KI auf ein neues Level gehoben. Die Leistungssteigerung von Computern bei gleichzeitiger Miniaturisierung eröffnete ungeahnte Möglichkeiten. Durch die alltägliche Präsenz smarter Helfer wie Smartphone & Co werden konkrete wirtschaftliche Anwendungen möglich.

In den letzten Jahren wurde das Forschungsfeld um die Verarbeitung unstrukturierter Daten erweitert. Der Zusammenschluss angrenzender Disziplinen mündete schließlich in das Forschungsfeld des sog. Cognitive Computing: Systeme, die an das ursprüngliche Programm angeschlossen werden, nehmen Analysen und Prognosen auf, verarbeiten diese und leiten sie selbstständig weiter. Sog. Quality-Gates führen automatisiert an Schnittstellen Prüfungen durch. So wird die Stimmigkeit der Daten sichergestellt, bevor die Informationsverarbeitung fortgesetzt wird.


Künstliche Intelligenz in der Steuerberatung

Rechtliche Rahmenbedingungen wurden bereits weitgehend geschaffen - zuletzt mit dem Gesetz zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens. Umso mehr verwundert es, dass, v. a. im Vergleich zu anderen Wirtschaftsbereichen, die elektronische Datenverarbeitung steuerlicher Fakten gerade erst begonnen hat.

Einzig bei der deutschen Finanzverwaltung sind seit einigen Jahren Risikomanagementsysteme im Einsatz, die sich KI-Methoden bedienen.

In Deutschland wurden mit Einführung der E-Bilanz erste Schritte in Richtung KI unternommen. Mithilfe neuer Technologien werden diese Daten elektronisch verarbeitet und bewertet. Auch fehlende Fakten werden so identifiziert. Diese können wiederum komfortabel durch standardisierte Prozesse eingeholt werden. Darüber hinaus sind einmal erstellte Muster für den gesamten Mandantenstamm anwendbar.

Fazit und Ausblick

Die Forschung zur Künstlichen Intelligenz in der Steuerberatung befindet sich noch im Entwicklungsstadium. Ein aussichtsreicher Kandidat für weitergehende Anwendungen ist Watson von IBM. Das System wird bereits heute für Analysezwecke von (un-)strukturierten Daten verwendet.

Die klassische Steuerdeklaration wird bei zunehmender elektronischer Unterstützung mittelfristig in den Hintergrund rücken. Zu beachten sind dabei die Verkennzifferung (i.S.v. Taxonomie der Finanzverwaltung) von Daten sowie der stetige Ausbau der Selbstveranlagung. In diesem Massengeschäft wird durch KI ein weiterer Ausbau von Automationslösungen möglich. Bei der anschließenden Bewertung kann die Künstliche Intelligenz unterstützen und Vorschläge zur Klassifikation eines Steuerfalls anhand von steuerlichen Risiken geben. Diese müssen allerdings im Anschluss genauer untersucht werden.

Autor: Ansgar Hinerasky


Dieser Artikel ist angelehnt an den Beitrag „Künstliche Intelligenz und Blockchain – neue Technologien in der Besteuerungspraxis“, DER BETRIEB Beilage 04 zu Heft Nr. 47 25.11.2016, S. 35 ff.. Die Ausgabe mit dem vollständigen Beitrag können Sie hier erwerben.

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