Tax 4.0 Data Analytics und digitales Management der globalen Compliance und Betriebsprüfung

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Tax 4.0

Data Analytics und digitales Management der globalen Compliance und Betriebsprüfung

Mit der E-Bilanz hat die deutsche Finanzverwaltung eine wichtige Hürde auf dem Weg ins digitale Zeitalter genommen. Auch für Unternehmen birgt die Neuausrichtung große Chancen. Die Schlüssel zum künftigen Erfolg heißen „Tax Data Analytics“, also die technologiegestützte Analyse steuerlicher Daten, sowie „Tax Compliance Management“, also der Auf- und Ausbau eines angemessenen und wirksamen Kontrollumfelds für Steuern.

E-Bilanz: Höhere Datenqualität und mehr Rechtssicherheit für Unternehmen

Aufgrund der E-Bilanz erhält die Finanzverwaltung von Millionen von bilanzierungspflichtigen Steuerpflichtigen einmal pro Jahr vollständig standardisierte Datensätze, die im Regelfall alle bebuchbaren Hauptbuchkonten der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung umfassen. Dieser ständig wachsende und elektronisch auswertbare Datenbestand (oft auch als „Datenzugriff light“ bezeichnet) erlaubt es jetzt auch der deutschen Finanzverwaltung, detaillierte Bilanz-, Risiko-, Zeitreihen- sowie Branchenanalysen durchzuführen.

Der Fokus der Finanzverwaltung liegt hierbei auf der Bestimmung des Umfangs der Ermittlungstätigkeiten im Rahmen der Veranlagung und der Betriebsprüfung, der Prüfung der E-Bilanz und E-GuV gegen die Inhalte der E-Steuererklärung sowie der Validierung der E-Bilanz und E-GuV gegen sonstige elektronische Datenbestände (z.B. Abzugssteuern). In der Folge können Unternehmen mit zeitnahen Betriebsprüfungen und einer risikoorientierten Fallauswahl rechnen. Zusammen mit der Datenqualität des neuen Verfahrens führt dies zu höherer Rechtssicherheit und damit auch zu einer Verbesserung für die betroffenen Unternehmen.

Wie die Finanzverwaltung in ihrem FAQ-Dokument zur E-Bilanz ausführt, bietet die E-Bilanz den Unternehmen die Ausgangsbasis dafür, ihre Prozesse zur Erstellung der Steuerberechnung und -erklärung neu zu konzipieren, durch mehr Automation Bürokratiekosten zu sparen und gleichzeitig schneller Rechtssicherheit zu erlangen.

Digitalisierung: Integrierte Prozesse und Automation bieten neue Chancen

Die E-Bilanz erlaubt Unternehmen, ihre Prozesse für die Steuerberechnung und -erklärung zu integrieren, zu automatisieren und so ihre Verwaltungskosten zu senken. Der von der Finanzverwaltung geplante und vorbereitete mittelfristige Übergang auf eine E-Selbstveranlagung bei den Ertragssteuererklärungen für Unternehmen in Verbindung mit einem Wegfall des Steuerveranlagungsprozesses und der Steuerbescheide würde nochmals hohe dauerhafte Verwaltungskostenentlastungen ermöglichen. Bis dahin sollten alle Unternehmen auf die absehbaren vermehrten Rückfragen der Veranlagungsstellen zu E-Bilanz-Datensätzen proaktiv reagieren, indem sie die Qualität ihrer E-Bilanz-Datensätze kontinuierlich verbessern, die Zahl der Auffangpositionen in ihren Datensätzen reduzieren, auch freiwillige Taxonomie-Positionen nutzen und allen Datensätzen detaillierte Kontennachweise beifügen. Eine sachlich nicht im Einzelfall begründbare Nutzung von „NIL“-Werten, Summenmussfeldern und Auffangpositionen sollte vermieden werden.

Paradigmenwechsel für Steuerabteilungen: Datenmanager statt -konsument

Nach der in Teilen aufwendigen Umstellung auf die E-Bilanz sind die Unternehmen hier nun allerdings ein weiteres Mal gefordert. Die E-Bilanz verschafft der Steuerabteilung erstmals Zugang zu einem umfangreichen standardisierten deutschen Steuerdatenbestand, der früher nur im betrieblichen Rechnungswesen zur Verfügung stand. Im digitalen Zeitalter ist eine zukunftsorientierte Steuerabteilung nicht länger nur Konsument von Daten und Informationen aus dem betrieblichen Rechnungswesen, sondern sollte sich hin zum Datenmanager entwickeln, der sich mit steuersensiblen Datenbeständen aktiv und im Sinne der Gesamtstrategie des Unternehmens zukunftsorientiert auseinandersetzt. Das bringt neue Herausforderungen sowohl für das Personal als auch für die IT-Systeme mit sich.

Tax Data Analytics unterstützt und ermöglicht einen hohen Grad an regelkonformem Verhalten („Compliance“), valide Prognosen und das Aufzeigen von Einspar- sowie Gestaltungspotenzialen und sind damit ein effektives Steuerinstrument auch für die Steuerabteilung. Die Verbesserung des internen Kontrollumfelds für alle Steuerprozesse gewinnt für die Unternehmen durch das BMF-Schreiben vom 23.05.2016 zu § 153 AO (siehe Deloitte Tax-News) sowie den IDW Praxishinweis 1/2016 an praktischer Relevanz und Bedeutung. Alle Unternehmen sollten auf die erfolgte Standardisierung der (Mindest-)Anforderungen an ein innerbetriebliches Kontrollsystem für Steuern bzw. Compliance Management System für Steuern reagieren und technologieunterstützte Steuerprozesse implementieren, die die Anforderungen des IDW PS 980 erfüllen. 

Im Hinblick auf die Maßnahmen der Finanzverwaltung zum Risikomanagementsystem sollten alle Unternehmen ihr Betriebsprüfungsprofil und ihre Risikoklasse einschätzen und prüfen, ob Maßnahmen angezeigt sind, um eine günstigere Risikoeinstufung zu erhalten. Die Strategie der großen Länderfinanzverwaltungen zielt darauf ab, E-Bilanz-Datensätze zukünftig proaktiv als Basis für das Risikomanagement und für die Planung von Betriebsprüfungen zu nutzen. Darauf sollten sich die betroffenen Unternehmen einstellen. Anschlussgeprüften größeren Unternehmen könnten eine günstige Risikoeinstufung und ein dokumentiertes internes Kontrollumfeld für Steuern zukünftig einen bevorzugten Zugang zur zeitnahen Betriebsprüfung ermöglichen.  

Tax 4.0: Daten- und Tax Compliance-Management als Erfolgsfaktoren der Zukunft

Nach anfänglicher Skepsis hat sich das Bild der E-Bilanz in vielen Unternehmen zunehmend verbessert. Immer mehr begreifen sie als Chance, denn die mit der Standardisierung erstmals mögliche Digitalisierung verbunden mit Prozessintegration, Automatisierung und Rechtssicherheit schaffen optimale Bedingungen für ein proaktives Datenmanagement im Sinne der Gesamtstrategie. IT-gestützte Tax Data Analytics unterstützen diese Neuausrichtung und ermöglichen den Unternehmen ein hohes Maß an Tax Compliance Management, valide Prognosen und ermöglichen zusätzliche Einspar- und Gestaltungspotenziale.

Autoren: Dr. Dr. Astrid Bregenhorn-Kuhs und Dr. Andreas Kowallik, Der Beitrag ist ein Auszug aus dem Lünendonk Magazin, Ausgabe 1/2017, „Unternehmen gehen fremd – Recht und Steuern in internationalen Unternehmen“ 

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