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Glasfaser Studie 2021

Stationäres Breitband aus Perspektive deutscher Konsumenten

Die technische Überlegenheit der Glasfaser bei der Bereitstellung von Internet-Diensten ist unbestritten. Ihre Verfügbarkeit gilt sogar als ein wesentlicher Zukunftsfaktor für den Standort Deutschland. Dennoch schreitet der Glasfaserausbau nur langsam voran und zahlreiche Gebiete außerhalb der Ballungszentren bleiben unversorgt. Die Deloitte Studie „Fiber Consumer Survey“ untersucht die Ursachen sowie die Nachfrage von Seiten der Konsumenten und zeigt Handlungsfelder für Netzbetreiber auf.

Die COVID-19-Pandemie könnte die Rahmenbedingungen für die Verbreitung von Glasfasernetzen in Deutschland entscheidend verändern.
Home Office-Anwendungen sowie ein deutlicher Boost bei digitalen Medienangeboten bringen bestehende Infrastrukturen immer mehr an Grenzen. Doch lösen die zusätzlichen Einsatzfelder einen konkreten Handlungsdruck bei Konsumenten aus? Wie zufrieden sind diese mit ihrem aktuellen Anschluss, welche sind die Erwartungen an eine neue Generation von Netzen und wieviel sind Verbraucher bereit für diese zu zahlen? Die Befragung von 2.000 Konsumenten im März 2021 bietet überraschende Einblicke. 

Fiber Consumer Survey 2021

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Aktuelle Anschlüsse: Zufriedenheit trotz Einschränkungen

Ob in der Großstadt oder auf dem Land: Drei Viertel der deutschen Konsu-menten sind mit ihrem derzeitigen Internetanbieter zufrieden (s. Abb. 1).
Und dies, obwohl die Mehrheit weiterhin stationäre Anschlüsse mit einer maximalen Geschwindigkeit von weniger als 100 Mbit/s verwendet. Diese kommt überwiegend auch bei den Nutzern an: Mehr als zwei Drittel der per Speedtest überprüften Anschlüsse liefern mehr als 80 Prozent der abonnierten Geschwindigkeit. Dagegen zeigt die Betrachtung der Zuverlässigkeit bestehender Festnetz-Internetverbindungen Verbesserungs-potenzial. Rund ein Drittel der Befragten hat mindestens einmal im Monat Probleme mit dem aktuellen Internetanschluss. Damit liegt dieser Wert deutlich über der Ausfallhäufigkeit von Strom- oder anderen Versorgungs-netzen. Ein Umstand, der beispielsweise im Kontext von Homeoffice potenziell zu massiven Einschränkungen führen kann. Auch hält die unzureichende Performance vorhandener Infrastrukturen einen nennenswerten Anteil der Befragten von der Nutzung datenintensiver Dienste ab. 13 Prozent würden mit einer schnelleren Internetverbindung mehr Online-Video nutzen, bei Homeoffice liegt der Anteil sogar bei 16 Prozent. 

Abb. 1 – Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem aktuellen Anbieter?

Neue Netze: Kein Run, aber Zahlungsbereitschaft vorhanden

Nehmen die Einschränkungen überhand, so bleibt oft nur der Wechsel zur Glasfaser. Und auch für das Breitbandnetz der Zukunft gilt: Konsumenten ist Stabilität wichtiger als Geschwindigkeit. Von neuen Infrastrukturen wird in allererster Linie eine zuverlässige Connectivity erwartet. Dagegen herrscht auf besonders hohe Bandbreiten kein Run um jeden Preis. Erst ein Viertel der Befragten würde bereits Geschwindigkeiten jenseits von 500 Mbit/s abonnieren. Dabei besteht durchaus Zahlungsbereitschaft für neue Infrastruktur-Generationen. Knapp die Hälfte würde monatlich mehr als 10 Euro zusätzlich für ihren Wunsch-Internetanschluss zahlen, bei jedem Fünften sind es sogar mehr als 15 Euro pro Monat (s. Abb. 2).

Abb. 2 –Welchen Betrag würden Sie monatlich für Ihren Wunsch-Internetanschluss zusätzlich zu dem zahlen, was Ihre derzeitige Festnetz-Breitbandinternetverbindung bereits kostet?

Was hält die Konsumenten von einer Migration in neue Netze ab? Neben höheren Preisen fürchten sie den Aufwand und das Risiko des Wechsel-prozesses, insbesondere den temporären Ausfall von Internet oder Heim-vernetzung. Dagegen sind notwendige Bau- und Installationsarbeiten am eigenen Haus oder Grundstück keine wesentliche Barriere. Diese werden von 72% der Befragten grundsätzlich akzeptiert. Wer das nicht tut, dem bleibt künftig 5G als Alternative. Für vier von zehn Konsumenten käme für die Internetnutzung zu Hause auch eine mobile statt einer stationären Breit-bandverbindung infrage. Bei den unter 35-Jährigen liegt der Anteil sogar bei mehr als der Hälfte (s. Abb. 3)

Abb. 3 – Ich wäre bereit, meine bestehende Festnetzverbindung durch eine mobile Internetverbindung zu ersetzen, sofern diese die von mir benötigte Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit bietet.

Ländliche Regionen (überwiegend) versorgt

Die Studienergebnisse zeigen auch: Die Konsumentenperspektive auf das Thema Breitband-Internet unterscheidet sich in Stadt und Land nur unwesentlich. Leben die Befragten in Regionen weit außerhalb von Ballungszentren, so nutzen diese zwar tendenziell langsamere Internet-leitungen. Die Zufriedenheit mit den vorhandenen Anschlüssen ist jedoch kaum geringer als in den Metropolen. Internetnutzer auf dem Land berichten sogar seltener von Signalausfällen oder extrem langsamen Verbindungen. In den meisten ländlichen Regionen existiert also durchaus eine funktionierende Internetversorgung. Und doch bleibt ein kleinerer Teil der Haushalte weiterhin von dieser abgeschnitten – mit erheblichen Konsequenzen für die Betroffenen.

Handlungsfelder für Netzbetreiber

Trotz wahrgenommener Schwächen bei Zuverlässigkeit und Performance sind Konsumenten mit ihren bestehenden Internet-Anschlüssen überwiegend zufrieden. Daran hat auch die zusätzliche Nutzung von Homeoffice-Anwendungen und Video-Streaming während der Pandemie wenig geändert. Die Rückmeldungen der 2.000 Befragten verdeutlichen: Ein kurzfristiger Run auf neue Netzinfrastrukturen ist nicht zu erwarten, stattdessen wird die Migration zu Glasfaser absehbar als kontinuierlicher Prozess erfolgen, der sich über die nächsten Jahre hinziehen wird.

Die Studienergebnisse verdeutlichen, wie und wo sich Netzbetreiber schnellst-möglich positionieren sollten, um den Anforderungen der Konsumenten ideal gerecht zu werden. Handlungsoptionen bestehen insbesondere in den Bereichen Kundeninteraktion und Serviceangebote, zudem müssen sich Marktteilnehmer über vorhandene Barrieren bewusst sein. Der Fiber Consumer Survey legt hier sieben konkrete Handlungsfelder offen:

  1. Kommunikation: Den Nutzen hoher Bandbreiten am Beispiel konkreter Use Cases verdeutlichen.
  2. Loyalität: Die hohe vorhandene Zufriedenheit zur Kundenbindung nutzen, insbesondere beim Wechsel in neue Netze.
  3. 5G: Offenheit für mobiles Breitband nutzen und 5G als komplementäre Technologie gezielt ausrollen.
  4. Wechselservice: Einen umfassenden Wechselservice mit technischem Support zur Senkung der Hürden bei der Migration in neue Netze bereitstellen.
  5. Migrationsprozess: Eine zeitlich befristete, parallele Nutzung von alten und neuen Infrastrukturen anbieten.
  6. Backup-Kanal: Aufklärung von Konsumenten hinsichtlich der Vorteile eines Backup-Kanals bei Verbindungsproblemen.
  7. Zahlungsbereitschaft: Eine realistische Einschätzung der Zahlungsbereitschaft für neue Infrastruktur-Generationen vornehmen. 

Fiber Consumer Study | Key Findings

Stationäres Breitband aus Konsumentenperspektive

Die wichtigsten Ergebnisse der Konsumentenbefragung finden Sie in der Infografik dargestellt. Alle Ergebnisse im Detail stellen wir Ihnen gerne persönlich vor – kommen Sie einfach auf uns zu.